Finale Momente für Wiens Basketball

15. Mai 2013, 12:12
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Nach 21 Jahren hat es ein Verein aus der Bundeshauptstadt wieder in der Hand: Der BC Vienna finalisiert ab Donnerstag

Wien - Wien wird also Basketball, wirklich wahr. Von der Großspurigkeit in die Realität fehlt nicht mehr viel. Über die Saison gesehen hat sich der BC Vienna in der Basketball-Bundesliga mit einem teuren Team zum Titelanwärter gemausert, jetzt stehen nur noch die Oberwart Gunners zwischen dem ersten Meistertitel für einen Wiener Basketballverein seit 21 Jahren.

"Sich mit Geld einen Meistertitel zu kaufen, halte ich für legitim. Die Frage ist, was danach passiert. Ob der Verein den sportlichen Erfolg auf eine stabile, langfristige Entwicklung umlegen kann. Das ist ein Prüfstein, auf den sich die Stazic-Brüder draufsetzen müssen", sagt Markus Pargfrieder, Ex-Bundesligaspieler und mittlerweile Basketball-Fachmann bei Sky.

Erinnerungen

Die Vergangenheit ist reichhaltig an Negativbeispielen. 2008 feierte Fürstenfeld mit dem Geld von BZÖ-Politiker Harald Fischl den Titel. Zwei Jahre später ohne weiteren großen Erfolg, löste sich der Luxus-Kader der Steirer (gespickt unter anderen mit einem Ex-NBA-Spieler namens Desmond Penigar) genauso in Luft auf wie die großen Ambitionen von Fischl und seiner gleichnamigen Holding. Der Klub implodierte fast, blieb aber immerhin in einer Schmalspurversion erhalten. Viel schlimmer erging es Anfang der 90er Jahre dem Wiener Basketball. 1992 gewannen die für österreichische Verhältnisse hochprofessionellen Basket Flyers mit acht Legionären die Meisterschaft überlegen, flogen per Learjet zu Auswärtsspielen im Europacup. Das monatliche Netto-Gehalt des US-Amerikaners Alvin "Bo" Dukes verdient bis heute kein Spieler in der österreichischen Liga, der höchst umstrittene damalige Präsident Norbert Walchhofer war stets in einem Ferrari unterwegs. Das Kartenhaus brach freilich zusammen, nur ein Jahr später waren die Flyers bankrott und der Klub Geschichte.

Wo ist Michael Häupl?

Nun wird Wien Basketball, wieder einmal. Pargfrieder, Ex-Nationalteamspieler und 13 Jahre lang für Wels und Linz in der Bundesliga aktiv, wünscht sich sportlichen Rückenwind für den BC Vienna. "Nirgendwo müssen so viele politische Grabenkämpfe geführt werden wie in Wien. Die verschieden Sportarten und Vereine wünschen sich Gift und Galle. Mit Erfolg sollten die Dinge einfacher werden. In den Bundesländern sitzt im Idealfall der Bürgermeister bei Spielen in der VIP-Lounge. Einen Michael Häupl siehst du beim Basketball nie."

Vielleicht lässt sich Häupl ja beim Finale blicken. Und vielleicht gelingt es dem BC Vienna und den Gebrüdern Petar und Stjepan Stazic etwas Großes aufzubauen, zum Beispiel eine ordentliche Halle. Gespielt wird das erste Finalspiel in der Best-of-5-Serie am Donnerstag wie schon die gesamte Saison in der Stadthalle B (19.30 Uhr, live Sky Austria). Die ist für 560 Zuschauer ausgelegt, mit Zusatztribünen werden 1500 reingehen. Vielleicht reicht auch das nicht, wenn das potenzielle Wiener Basketballpublikum die Euphorie packt.

Glücksritter

Die Oberwart Gunners werden Wien das Feld freilich nicht kampflos überlassen. Die Burgenländer setzten sich in der Geschichte der Bundesliga bei sieben Finalteilnahmen einmal die Krone auf, haben also geballte Erfahrung, aber auch geballte Erfahrung beim Verlieren. Heuer tauschte Oberwart vor Weihnachten mangels Erfolg alle drei Legionäre aus, landete Last Minute-Glückstreffer am Transfermarkt und marschierte schnurstracks ins Finale. Ein Treffer war und ist der 32-Jährige Spielmacher Darnell Hinson. "Er hatte bereits ein Restaurant eröffnet und mit seiner Basketballkarriere eigentlich schon abgeschlossen", sagt Pargfrieder. Mit über 20 Punkten im Schnitt avancierte er schnell zum Topscorer der Liga. "Oberwarts Coach hat im Semifinale gegen Klosterneuburg sein Team komplett umgestellt. Hinson war plötzlich nicht mehr die erste Option im Angriff, akzeptierte seine neue Rolle als Verteidiger, musste Drecksarbeit verrichten. Das zeigt, dass die Zusammenstellung des Teams total passt."

Ein weiterer Glücksgriff war Seamus Boxley, ein über zwei Meter großer Power Forward, sehr wendig, treffsicher auch aus der Distanz. Der US-Amerikaner hat bereits dem entthronten Meister in Klosterneuburg den Gar ausgemacht. Sein mächtiges Wiener Pendant heißt wiederum Ryan Richards. Der Engländer ist ein gewaltiges Stück größer (2,13 Meter) und wird laut Pargfrieder nicht mehr lange in Österreich zu bewundern sein. Richards wurde im vergangenen Jahr nicht von Hintertupfingen gescoutet, sondern von den San Antonio Spurs in der NBA. Im Sommer soll das große Talent in Texas vorspielen.

Vor Texas liegt aber noch Wien. Der BC Vienna ist zwar die beste Defensivmannschaft der Liga, hat heuer im Schnitt nur 70.5 Punkte kassiert. Doch potenzielle überschwellende Egos innerhalb der Mannschaft bleiben ein Gefahrenherd. Pargfrieder: "Oberwart hat eine dünne Personaldecke. Ich hoffe, dass die Spieler gesund bleiben. Wien kann aus dem Vollen schöpfen, wird Oberwart auf 70 Punkte halten können. Die Frage ist, ob den Burgenländern ähnliches gelingt. Wien wird das packen." (Florian Vetter, derStandard.at, 15.5.2013)

  • Seamus Boxley (in weiß) ist ein Albtraum für jeden Verteidiger und macht im Normalfall einen Bogen um die österreichische Liga.
    foto: redwell-gunners/w. steflitsch

    Seamus Boxley (in weiß) ist ein Albtraum für jeden Verteidiger und macht im Normalfall einen Bogen um die österreichische Liga.

  • Oberwart hat im Gegensatz zu Wien eine recht schmucke Halle.
    foto: redwell-gunners/w. steflitsch

    Oberwart hat im Gegensatz zu Wien eine recht schmucke Halle.

  • In den letzten vier Duellen der beiden Teams setzte sich der BC Vienna dreimal durch.
    foto: redwell-gunners/w. steflitsch

    In den letzten vier Duellen der beiden Teams setzte sich der BC Vienna dreimal durch.

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