Zwischen Finanzkrise und Fokussierung der Forschung

13. Mai 2013, 20:06
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Scheidendes ÖAW-Präsidium legt gemischte Bilanz vor

Wien - Eine gemischte Bilanz über seine Ende Juni zu Ende gehende Amtszeit und den Reformprozess der vergangenen Jahre hat das scheidende Präsidium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Montag vorgelegt. Die Amtsperiode sei durch Finanzkrise und Probleme wie Sparprogramm und budgetäre Konsolidierung geprägt gewesen, sagte ÖAW-Präsident Helmut Denk, der aber auch zahlreiche erreichte Ziele wie die Fokussierung der Forschung nannte. ÖAW-Vizepräsident Arnold Suppan verwies auf den "Budgetdeckel", an dem die Akademie "zu kauen hat", und hofft auf wieder steigende Forschungsbudgets unter der neuen Regierung ab Herbst.

Unter "erreicht" nannte Denk u.a. die Reorganisation des Forschungsbereichs, die dreijährige Budget- und Planungssicherheit durch die erstmalige Leistungsvereinbarung zwischen ÖAW und Wissenschaftsministerium, die leistungsgerechte Finanzierung der Institute und die Professionalisierung der Finanzen. Die Neustrukturierung der Forschungsträgereinrichtung ÖAW "bei stagnierenden Budgets war ein Kraftakt", betonte die Präsidentin der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW, Sigrid Jalkotzy-Deger.

Übertragungen und Zusammenlegungen

13 Forschungseinrichtungen der Akademie sind im vergangenen Jahr an Unis übertragen worden, "auch solche, die wir gerne weiter an der ÖAW gehabt hätten", so Denk. Weitere Bereiche sind durch interne Zusammenlegungen zu größeren Instituten zusammengefasst worden.

So sind derzeit unter dem Dach der ÖAW 28 Institute vereint. Diese würden in Summe "gut dastehen" und seien "wesentliche Leistungsträger im Land", sagte der Präsident der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, Georg Stingl. Er warnte aber davor, sich zurückzulehnen und "auf Glanz und Glorie" von Einrichtungen wie dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) oder dem Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA) zu schielen. Akademieinstitute müssten Vorboten neuer Entwicklungen sein, die ÖAW immer wieder prüfen, welche neuen Wissensfelder sich am Horizont abzeichnen.

Budget für die Forschung

In Summe stand der ÖAW 2012 ein Basisbudget in Höhe von 96 Mio. Euro zur Verfügung. Zieht man davon die Mittel ab, die vom Wissenschaftsministerium über die ÖAW ausgeschüttet werden, standen der ÖAW für die eigene Forschung 75 Mio. Euro zur Verfügung, eine Summe, die jeweils auch für das laufende Jahr und für 2014 in dieser Höhe fixiert ist.

Angesichts von Drittmitteln in Höhe von 28 Mio. Euro hofft Denk weiterhin auf eine Verdoppelung solcher im Wettbewerb eingeworbener Mittel, wie dies etwa am Institute of Science and Technology (IST) Austria der Fall ist. Und Suppan erachtet eine Erhöhung des jährlichen Budgets um 10 Mio. Euro in der nächsten Leistungsvereinbarungsperiode (2015-2017) als notwendig, "damit wäre uns schon sehr geholfen".

Altersstruktur und Frauenanteil

Mit mehreren Statistiken wollte das ÖAW-Präsidium dem oft gehörten Vorurteil begegnen, die ÖAW sei ein "Old-Boys-Network". Bei der Altersstruktur dürfe man nicht nur auf das Alter der Mitglieder sehen, sondern auch auf jenes der wissenschaftlichen Mitarbeiter - und dort liege der Schwerpunkt etwa im Naturwissenschaftlichen Bereich zwischen 25 und 34 Jahren. Auch bei der Neubestellung von Direktoren habe man "bewusst auf jüngere Köpfe gesetzt".

Der Frauenanteil unter den ÖAW-Mitgliedern sei nicht hoch, räumte Jalkotzy-Deger ein, man bemühe sich aber, diesen zu heben. So seien 2009 nur elf Prozent der neugewählten Mitglieder weiblich gewesen, mittlerweile habe sich dieser Wert bei 30 Prozent eingependelt. (APA, 13.5.2013)

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