Wiener ÖVP kritisiert Verfall der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten

13. Mai 2013, 19:54
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Planungssprecher kritisierte Untätigkeit der Stadt - Forstdirektor: Derzeit wird Finanzierungskonzept auf die Beine gestellt

Wien - "Es brennt der Hut." So hat der Planungssprecher der Wiener ÖVP, Bernhard Dworak, am Montag vor Journalisten den Zustand der Hermesvilla in Wien beschrieben. Das historische Gebäude sei dem Verfall preisgegeben und die Stadt unternehme nichts dagegen. Dabei warnte er vor steigenden Sanierungskosten: Seien in einem 2012 publizierten Kontrollamtsbericht noch von 2,8 Mio. Euro die Rede gewesen, müsse man nun bereits mit 4,2 Mio. Euro rechnen, berief er sich auf die Schätzung eines Experten des Bundesdenkmalamts.

Forstdirektor Andreas Januskovecz, der für die Immobilie zuständig ist, kann diese Steigerung nicht nachvollziehen und unterstrich, dass derzeit ein Finanzierungskonzept erarbeitet werde.

Kaiserlicher Jagd- und Wohnsitz

Die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten wurde in den Jahren 1882 bis 1886 als kaiserlicher Jagd- und Wohnsitz errichtet. Kaiser Franz Josef entschloss sich zum Bau, unter anderem in der Hoffnung, seine reiselustige Frau "Sisi", Kaiserin Elisabeth, damit öfter in Wien halten zu können. Die Immobilie befindet sich nun im Besitz der städtischen MA 49 (Forstamt und Landwirtschaftsbetriebe) und dient als Außenstelle des Wien Museums. Der denkmalgeschützte Bau wird für Sonderausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen verwendet.

"Das Gebäude verfällt", bedauerte Dworak. Dabei handle es sich bei der Hermesvilla um ein wichtiges historisches Gebäude, das zu Unrecht ein Schattendasein friste. Denn für viele Touristen seien imperiale Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Schönbrunn Fixpunkte bei einem Besuch: "Man schaut sich Wien nicht wegen Neubauten jenseits der Donau an."

Attraktion unter dem Titel "Sisis Home

Geht es nach der ÖVP, so soll die Villa als "Sisis Home", als Originalwohnstätte der Kaiserfamilie präsentiert und so für Besucher attraktiver gemacht werden. Auch die dort vorhandenen Stallungen könnten in die Nutzung miteinbezogen werden: "Man könnte dort ein Erlebnisprojekt machen." Das wäre sogar interessanter als ein "rein musealer Betrieb". Aber eigentlich sei es Aufgabe der Stadt, sich über die Zukunft der Hermesvilla Gedanken zu machen, ärgerte sich der VP-Politiker: "Wir wollen hier Anregungen geben."

Die Hermesvilla solle außerdem aus dem Wien Museum ausgegliedert werden, lautete ein weiterer Vorschlag. Vielmehr solle eine eigene Gesellschaft gegründet und die Schloss Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH (SKB) als Betreiber gewonnen werden.

Wichtig sei außerdem, das Gebäude umfassend zu sanieren, forderte Dworak außerdem mit einem Verweis auf den Kontrollamtsbericht, welcher den desolaten Zustand des Bauwerks kritisiert hatte. Die Kosten dafür seien damals auf 2,8 Mio. Euro geschätzt worden. Einem Experten aus dem Bundesdenkmalamt zufolge müsse man nun von 4,2 Mio. Euro ausgehen. Es sei nicht zu erwarten, dass es billiger werde umso länger man zuwarte, mahnte der Planungssprecher.

Generalsanierung der Immobilie notwendig

Forstdirektor Januskovecz erklärte, dass notwendige kleinere Sanierungsmaßnahmen an der Hermesvilla durchgeführt wurden bzw. werden, damit nicht noch mehr Schäden entstünden. Eine Generalsanierung der Immobilie sei notwendig, würde aber die budgetären Möglichkeiten seiner Abteilung völlig übersteigen. Deswegen sei er derzeit dabei, ein "Finanzierungskonzept in der Stadt" auf die Beine zu stellen, was aber nicht einfach sei. Wann dieses stehen soll, konnte Januskovecz heute nicht sagen.

Dass die Sanierung inzwischen bereits 4,2 Mio. Euro kosten soll, kann der Direktor nicht nachvollziehen: "Das stelle ich unter ein Fragezeichen." 2009 sei gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt errechnet worden, dass 2,4 Mio. Euro dafür notwendig seien. Später habe das Kontrollamt den Betrag mit 2,8 Mio. Euro beziffert. Berücksichtige man den Baukostenindex, dann wären es jetzt rund 3,4 Mio. Euro. Was die Nutzung der Hermesvilla anbelangt: Diese solle in den nächsten Jahren wie schon bisher erfolgen, stellte er klar. (APA, 13.5.2013)

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    Unter dem Namen "Sisis Home" möchte die ÖVP das ehemalige Jagdschloss von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph (Archivbild) vermarkten.

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