Niedrigstpreise bei CO2-Zertifikaten

13. Mai 2013, 18:41
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Preis für Verschmutzungsrechte der Industriebetriebe sinkt immer mehr, Österreichs Firmen bekommen sie gratis

Wien - Der Preis für Verschmutzungsrechte der Industriebetriebe - das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) betreffend - sinkt immer mehr. Mittlerweile grundeln die Preise der Zertifikate, die den europäischen Unternehmen die Emission von jeweils einer Tonne CO2 erlauben, bei der Drei-Euro-Marke herum.

Dies hängt, wie berichtet, mit dem großen Überschuss an Zertifikaten zusammen, die am Markt zirkulieren. Der Wunsch der zuständigen EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard, eine ordentliche Zahl an Emissionszertifikaten aus dem Markt zu nehmen und den Preis damit in die Höhe zu treiben, wurde aber selbst vom EU-Parlament nicht goutiert.

An der Überschusssituation wird sich in der neuen Handelsperiode für die Zertifikate, die 2013 gestartet ist und bis 2020 andauert, nicht viel ändern, prognostiziert Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. Auch nicht in Österreich. Das Umweltbundesamt hat erst dieser Tage die vorhergehende, zweiten Handelsperiode für EU-Emissionszertifikate abgeschlossen und die Abrechnung dazu nach Brüssel geschickt.

Nach den von der EU-Klimaschutzkommission publizierten Daten wurden für die gut 200 Werke/Anlagen in Österreich, die beim Emissionshandel mitmachen müssen, zwischen 2008 und 2012 jährlich Zertifikate für etwa 33 Millionen Tonnen CO2 verteilt. In dem Zeitraum wurden aber jährlich zumeist nur rund 28 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen.

Keine Entspannung in Sicht

Da die übrig gebliebenen Verschmutzungsrechte aus der nun abgeschlossenen Handelsperiode in den derzeit anlaufenden Abrechnungszeitraum übertragen werden können, wird es kaum zu einer Entspannung - sprich zu höheren Preisen - kommen. Das adaptierte Handelssystem ab 2013 weist zwar ein paar Verschärfungen auf. Diese würden aber für österreichische Firmen eher einen "Wettbewerbsvorteil" mit sich bringen, erläutert Schneider.

Seit heuer obliegt die Verteilung der Zertifikate nämlich nicht den EU-Mitgliedsstaaten, "die immer nationale Industriepolitik mit ihren Zuteilungen" gemacht hätten, wie es Schneider formuliert.

Stattdessen teilt die EU-Kommission die Zertifikate zu, und zwar nach einem komplizierten Bewertungssystem, das sich aus "Carbon Leakage" (der Gefahr, dass die EU-Firmen mit Waren konkurrieren müssen, die im Ausland ohne Klimaschutz-Auflagen hergestellt wurden, Anm.) sowie einem Benchmark-System zusammensetzt. Bei Benchmark werden die Firmen belohnt, eine hohe Klimaeffizienz aufweisen.

Dabei schneiden die österreichischen Firmen im Vergleich zum EU-Mitbewerb so gut ab, dass sie die neue Emissionsberechtigungen gratis bekommen - so wie in der vorhergehenden Handelsperiode auch. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 14.5.2013)

  • Seit heuer obliegt die Verteilung der Zertifikate nicht den EU-Mitgliedsstaaten.
    foto: epa/pleul

    Seit heuer obliegt die Verteilung der Zertifikate nicht den EU-Mitgliedsstaaten.

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