Pakistan: Wahlsieger Sharif streckt Erzfeind Indien die Hand aus

13. Mai 2013, 18:37
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Sharif will innerhalb von hundert Tagen Konzepte liefern, um die Wirtschaft zu beleben und den Terror einzudämmen. Und er will das Verhältnis zu Erzfeind Indien entspannen

Islamabad/Neu-Delhi - Pakistans neuer starker Mann verliert keine Zeit. Die letzten Stimmen sind kaum ausgezählt, da hat Nawaz Sharif schon Gespräche begonnen, um eine Regierung zu bilden. "Ich appelliere an alle Parteien, sich mit mir an einen Tisch zu setzen, um die Probleme des Landes zu lösen", sagte der 63-Jährige, der zum dritten Mal Premier der Atommacht werden will, nachdem seine konservative Muslim-Liga einen Erdrutschsieg holte.

Sharif weiß, dass die Menschen schnelle Erfolge bei den zwei größten Problemen sehen wollen: der Wirtschaftskrise und dem Terror. Und er will liefern. Binnen hundert Tagen werde seine Regierung Konzepte erarbeiten, kündigte er am Montag an. Dabei habe die Wiederbelebung der Wirtschaft oberste Priorität. Auch werde seine Regierung einen nationalen Plan entwickeln, um den Terrorismus einzudämmen.

Sharif will Indiens Premier einladen

Ungeachtet möglicher Widerstände in Pakistan streckte er dem Erzfeind Indien die Hand aus. Laut Medien kündigte er an, Indiens Premier Manmohan Singh zu seiner Amtsvereidigung einladen zu wollen. In Indien stieß Sharifs Sieg auf ein ausnehmend positives Echo. Delhi traut ihm mehr als der schwachen Regierung der Bhutto-Partei PPP zu, den Friedensprozess zwischen den Erzfeinden voranzubringen.

Der Spross einer Industriellen-Familie, der als Wirtschaftsliberaler und Reformer gilt, muss beweisen, dass er dazugelernt hat. In den 1990er-Jahren war er bereits zwei Mal Premier. Doch er regierte so schlecht, dass ihm kaum jemand nachweinte, als er gestürzt wurde.

Viel wird davon abhängen, wie Sharif mit dem Militär zurecht kommt. Der " Löwe des Punjab", wie er sich selbst nennt, pocht darauf, den außenpolitischen Kurs vorzugeben, der bisher entscheidend vom Militär bestimmt wird. 1999 hatte ihn der damalige Armeechef Pervez Musharraf unblutig aus dem Amt geputscht, als Sharif ihn absetzen wollte.

Rechtsruck im Land

Obwohl Sharifs Muslim-Liga (PML-N) nach Trendzahlen mit 130 Stimmen einen Erdrutschsieg holte, könnte sie die alleinige Mehrheit, wenn auch knapp, verfehlt haben. Derweil liegt die PTI von Kricketidol Imran Khan ähnlich wie die bisher regierende PPP bei etwa 30 Mandaten. Der Wahlausgang spiegelt einen Rechtsruck im Land wider. Sowohl Sharif als auch Khan stehen den Religiösen näher als die PPP. Beide fangen damit aber auch Wähler ein, die andernfalls zu den islamistischen Parteien abdriften könnten, die nach der Scharia schreien.

Der Westen scheint den künftigen Regierungschef noch abwartend zu beäugen. Sharif hat angekündigt, er wolle Gespräche mit den pakistanischen Taliban suchen, um den Bürgerkrieg zu beenden. Seine Nähe zu den Religiösen könnte den USA aber auch dienlich sein. Gelingt ihm ein Deal, könnte das auch die Gespräche in Afghanistan neu beleben.

Streitpunkt Drohnenangriffe

Sharif gilt als Pragmatiker. Er steht der US-Politik kritischer gegenüber als die von der Bhutto-Partei PPP geführte bisherige Regierung, die in Pakistan als Büttel Washingtons galt. Er will aber auch mit den USA zusammenarbeiten - wohl vor allem, weil er die Milliardenhilfen aus Washington braucht. US-Präsident Barack Obama gratulierte Pakistan zu den erfolgreichen Wahlen.

Für Konflikte könnten die Drohnenattacken der USA auf Pakistans Stammesgebiete sorgen. Das höchste Gericht von Peschawar verurteilte die Bombardierung jüngst als Kriegsverbrechen und Verletzung der Souveränität des Landes. Bei den Angriffen seien seit 2004 "mindestens 400 Zivilisten", darunter Kinder und Frauen, gestorben. Das Gericht forderte die Regierung auf, die Drohnenangriffe zu unterbinden und die Vereinten Nationen anzurufen.

Unterdessen werteten die EU-Wahlbeobachter die Wahlen trotz Gewalt und Unregelmäßigkeiten als einen positiven Schritt hin zu mehr Demokratie. Besonders die hohe Wahlbeteiligung stimme hoffnungsvoll. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 14.5.2013)

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    Nawaz Sharif, im Bild bei einer Pressekonferenz am Montag nach seinem Wahlsieg, möchte in Zukunft auch außenpolitisch den Kurs vorgeben. Das könnte zu Konflikten mit dem Militär führen.

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