Amazon nimmt Kurs auf und um Österreich

13. Mai 2013, 18:09
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Ein Logistikzentrum des Online-Riesen mit rund 2000 Mitarbeitern gilt als eines der heißesten Ansiedlungsprojekte

Die Waren kommen vor allem aus Süddeutschland, wo Amazon Logistikzentren in Bayern und Baden-Württemberg unterhält. Von dort rollen die Lkws auch nach Österreich, das mit circa 300 Millionen Euro Umsatz einen zwar kleinen, aber stark wachsenden Umsatz zu den Erlösen des Online-Riesen beisteuert. Das hat bei Amazon zu recht intensiven Überlegungen geführt, hierzulande ein eigenes Logistikzentrum zu errichten.

Standort

Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, waren zuletzt je ein Standort im Burgenland und in Niederösterreich im Rennen um die begehrte Investition: Mit rund 2000 neuen Jobs sei bei einer positiven Entscheidung zu rechnen, wollen Eingeweihte wissen. Vergleichbare Verteilzentren nehmen eine Fläche von 100.000 und mehr Quadratmetern ein.

Der Geschäftsführer der niederösterreichischen Ansiedlungsagentur Ecoplus, Helmut Miernicki, will keine Details nennen, bestätigt aber Gespräche mit Amazon seit zwei bis drei Jahren. Es gehe um einen Standort zur Belieferung des zentraleuropäischen Raums. Derzeit warte man auf eine Rückmeldung des US-Konzerns, der seine Europa-Aktivitäten vom Niedrigsteuerland Luxemburg aus lenkt.

Amazon hüllt sich zu den Logistik-Plänen generell in Schweigen

Während Miernicki den Ausgang der Gespräche abwarten will, berichten andere Quellen, dass eine Entscheidung bereits gefallen sei: Amazon habe seine Investitionspläne für Österreich eingestampft und werde das Verteilzentrum weiter östlich bauen. Wo genau, ließ sich am Montag nicht eruieren. Amazon hüllt sich zu den Logistik-Plänen generell in Schweigen.

Somit gibt es auch keine Aussagen zu Vermutungen in der Branche, wonach die Berichte über katastrophale Arbeitsbedingungen einen Einfluss auf die Investitionsentscheidung hätten. Wie berichtet brachte eine ARD-Reportage massive Überwachungen und schlechte Unterbringung der Arbeiter im Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld ans Tageslicht – das gewaltige internationale Medienecho hat dem Konzern einen schweren Imageschaden zugefügt. Für besonderen Unmut sorgte der inzwischen gefeuerte Sicherheitsdienst, dessen Mitarbeiter teilweise mit der Hooligan- und rechtsradikalen Szene in Verbindung stehen sollen.

Streikdrohungen

Der für zahlreiche Leiharbeiter zuständige österreichische Zeitarbeit-Konzern Trenkwalder wurde wegen arbeitsrechtlicher Verstöße abgemahnt. Überdies stehen die Zeichen an einigen deutschen Standorten auf Streik, die Gewerkschaft Verdi bezeichnet Amazon als „Lohndrücker der Branche".

Nun wird hinter den Kulissen spekuliert, dass Amazon der hohe gewerkschaftliche Organisationsgrad in Deutschland und Österreich ein Dorn im Auge sei. Daher werde lieber in osteuropäischen Ländern expandiert, in denen die Arbeitsbedingungen lockerer seien und nicht so streng überwacht würden, lautet die These. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 13.5. 2013)

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