Die harte Prinzessin

13. Mai 2013, 17:40
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Artes-Homestory über den 66-jährigen Rock-Opa Iggy Pop im Schrebergarten

Ob Udo Jürgens an jemanden wie Iggy Pop gedacht hatte, als er davon sang, dass das Leben mit 66 erst beginnen würde, muss bezweifelt werden. Und auch wenn der Godfather des Punkrock heute 66 Jahre zählt, würde er das wohl nur bedingt unterschreiben. Die im Vorjahr entstandene Doku "They Call Me Iggy" präsentierte am Wochenende bei Arte einen mit sich zwar halbwegs im Reinen scheinenden Punk-Opa, aber auch einen, dessen Körper zeigt, was nötig war, um als Iggy Pop zu überleben. Dass er am Stock geht und selbst die Flipflops orthopädisch nachgebessert sind, ist da das Geringste.

Als Home-Story ist das Treffen mit dem als James Osterberg geborenen Rockstar angelegt. Doch nicht im Herrenhaus findet es statt, sondern im Schrebergarten, in einem kleinen Häuschen an einem Flussarm in den Sümpfen von Florida, in dem Pop diverse Trophäen des Popstarlebens herumstehen hat. Hierher kommt er zum Nachdenken, und da ist das eben erschienene Album von Iggy & The Stooges entstanden, das den hoffnungsfrohen Titel "Ready To Die" trägt. Irgendwie ein Scherz, aber halt auch nicht.

Doch die Musik steht nicht im Vordergrund des Porträts. Pop erzählt von den wichtigsten Stationen seines Lebens, verliert sich ins Familiäre und grinst bei Anekdoten mit seinem 100.000 Dollar-Gebiss, das im Gegensatz zum stets präsentierten, faltigen Oberkörper des Bühnenkriegers steht.

Der gönnt sich heute einen Ferrari, mit dem er mittags in den Plattenladen fährt und dabei darauf Obacht gibt, dass die Reifen nicht vom frischen Teer einer Straßenbaustelle verunreinigt werden. Auch Punk­rocker sind mitunter kleine Prinzessinnen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 14.5.2013)

  • Auch Punk­rocker sind mitunter kleine Prinzessinnen.
    foto: epa

    Auch Punk­rocker sind mitunter kleine Prinzessinnen.

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