Spock's Beard: Rokoko-Rock in der Szene Wien

13. Mai 2013, 18:09
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Das kalifornische Quintett spielt am Dienstag in der Szene Wien sein einziges Österreich-Konzert

In den frühen 1970ern galt das Wort "progressiv" weder in seiner politischen noch musikästhetischen Verwendung als Schimpfwort. Es stand für alle ungewöhnlichen Sounds sowie die Kritik an eingefahrenen Gewohnheiten, mit Experimenten und spieltechnischer Virtuosität sollte die "triviale" Rockmusik im seriösen Kunstkontext verortet werden. Der Punkrock machte dann erst einmal Schluss mit artifiziell-bombastischem Pomp. Spätestens in den 1990ern kam dann ein Prog-Revival mit Metalbeigeschmack. Damals gründeten die Brüder Neal und Alan Morse in Los Angeles die Band Spock's Beard. Das Quintett versuchte die obligatorische Verspieltheit und Komplexität, den Hang zu ausufernden Soli und orchestralen Klangbildern mit Pop-Sensibilität zu verbinden.

Kein Wunder, denn schon der von einer Raumschiff Enterprise-Episode entlehnte Bandname suggeriert Popappeal. Sänger Neal Morse verließ 2002 die Combo, bei den Aufnahmen zum heuer veröffentlichten elften Studioalbum Brief Nocturnes and Dreamless Sleep half er aber wieder aus. Mit von der Partie sind neben Gitarrist, Sänger und Cellist Alan Morse, Bassist Dave Meros und Keyboarder Ryo Okamoto erstmals Vokalist Ted Leonard und der frühere Tourschlagzeuger Jimmy Keegan. Referenzen an die Genregiganten Genesis und Yes gehören ebenso zur Bandfolklore wie Songs mit A-cappella- oder Walzer-Mittelteilen. Zum Symphonischen gesellt sich bisweilen der Groove, dazu Stadionrock mit Ohrwurmqualitäten, ab und zu wird der Hardrockhammer ausgepackt oder an die Beatles erinnert. Einzige Österreich-Show. (dog, DER STANDARD, 14.5.2013)

Wien, Szene, 14.5., 20.00, 01/332 46 41-25

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