Göttliche Sorgenträger

13. Mai 2013, 17:41
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Wagners "Rheingold" an der Wiener Staatsoper. Franz Welser-Möst ließ ebenso prägnant wie packend musizieren

Wien - Zum Wagner-Jahr also ein neuer Tristan (im Juni) und zum Aufwärmen nun ein Ring in der Art von Sven-Eric Bechtolf: In der Ära Ioan Holender geschmiedet, hält er sich als Mix aus Modernität, Archaik und geradliniger Erzählkunst wacker, wobei Rheingold zum Stringentesten zählt, was der Personenformer Bechtolf an der Wiener Staatsoper zuwege gebracht hat.

Die Grundzüge der Arbeit sind noch erkennbar - in der 10. Aufführung: Zwar wirkten die göttlichen Sorgenträger nicht mehr durch die ursprüngliche Genauigkeit ins Verhältnis gesetzt. Und es hat etwas Klamaukhaftes, wie Caroline Wenborne (als Freia etwas schrill) und Norbert Ernst (als Loge stimmlich überzeugend) agieren. Da hat ein Adrian Eröd Loge mehr Schärfe verpasst, Ernst betont eher das Clowneske. Dennoch eine tragfähige Aufführung: Wolfgang Bankl (als Alberich) und Gerhard A. Siegel (als Mime) verfügen über Intensität; ein ewiger Hit sind nicht nur optisch Sorin Coliban (als Fasolt) und Ain Anger (als Fafner). Und entscheidend: Tomasz Konieczny (als Wotan) ist stimmlich zwar nicht gewaltig, aber klar, präsent, wodurch er zum Dreh- und Angelpunkt des Abends wird (solide Mihoko Fujimura als Gattin Fricka).

Franz Welser-Möst, nach seiner Verletzungspause erstmals wieder aktiv, ließ ebenso prägnant wie packend musizieren. Das Orchester entwickelt sich zum dramatischen Beschleuniger mit scharfen Konturen und hammerschlagartigen Effekten. Der bisweilen atemlosen Kraftentfaltung stand in ruhigen Passagen ein stellenweise zaghaftes Blech entgegen. Applaus. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 14.5.2013)

15. Mai: Walküre, 17.30

  • Gutes Rollendebüt: Tomasz Konieczny (als Wotan).
    foto: wiener staatsoper / michael pöhn

    Gutes Rollendebüt: Tomasz Konieczny (als Wotan).

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