Toni Linhart 70-jährig verstorben

Porträt13. Mai 2013, 18:20
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Der frühere Sportclub-Spieler und spätere Profi-Kicker in der NFL erlag einem Krebsleiden

"Der Ball schnitt durch den dichten Nebel, passierte die Torstangen des Memorial-Stadions und die Baltimore Colts fixierten einen 10:7-Sudden-death-Erfolg in der Nachspielzeit", schreibt die "Baltimore Sun", über jenes legendäre 31-Yard-Field-Goal, das der gebürtige Steirer Toni Linhart 1975 im Spiel gegen die Miami Dolphins erzielte und damit den Colts den ersten von drei AFC-Titeln einbrachte. Die Fans stürmten das Spielfeld und Linhart wurde auf Schultern thronend umjubelt.

Es sollte das Field-Goal seines Lebens gewesen sein, Toni Linhart verstarb am Sonntag im Alter von 70 Jahren im Stella Maris-Hospiz in Timonium, Maryland (USA) an Krebs.

Linhart war einer von sechs Österreichern, die in der US-Football-League NFL zum Einsatz kamen. Der bekannteste von ihnen war natürlich Anton "Wembley-Toni" Fritsch, der nach seiner glorreichen Zeit bei Rapid ab 1971 ebenso erfolgreich in den USA spielte, mit den Dallas Cowboys 1972 den Super Bowl gewann und 2005 in Wien verstarb. Fritsch war es zu verdanken, dass NFL-Vereine in Europa Ausschau nach Spielern hielten, die den "Kicking-Style" beherrschten. Und so kam es, dass Linhart 1972 zu den New Orleans Saints wechselte.

Zweimal bei der Pro Bowl

Zunächst aber wurde er nur sporadisch eingesetzt und heuerte in der Folgesaison mangels US-Engagement noch einmal in Österreich beim Badener AC in der Regionalliga Ost an. 1974 allerdings schaffte er bei den Baltimore Colts den Durchbruch. In den drei folgenden Saisonen kamen die Colts als Divisions-Sieger in die Play-offs, scheiterten aber jeweils in der ersten Runde. 1976 war Linhart mit 109 Punkten der erfolgreichste Scorer der gesamten NFL und er schaffte es zweimal en suite in die Pro Bowl, das All-Star-Spiel der NFL. Für die Colts erzielte er 70 Field-Goals bei 117 Versuchen (60.3 Prozent) und 184 von 194 möglichen Extrapunkten (94,8 Prozent).

"Er entwickelte spezielle Übungen mit Medizinbällen und elastischen Bändern für sich, ging sehr methodisch vor, war stets gut organisiert und seiner Zeit voraus", sagt der frühere Colts-Quarterback Marty Domres über Linhart. Er beeindruckte die Teamkollegen mit seiner Athletik, zumal Kicker zu dieser Zeit nicht gerade als Fitness-Freaks galten. Als passionierter Läufer kreierte Linhart in einem Trainingscamp einen anspruchsvollen Hindernisparcour, den auch seine Teamkollegen auskosten durften. "Das haben wir ihm nie verziehen", sagte Colts-Safety Bruce Laird.

Ab 1978 ging es mit den Colts rasant bergab, im Jahr darauf wurde Linhart entlassen. Seine Karriere beendete er 1979 bei den New York Jets. Danach betrieb der gelernte Ingenieur ein Direktmarketing-Unternehmen und leistete auch gemeinnützige Arbeit. So engagierte er sich zum Beispiel für das "St. Vincent's Child Abuse Center".

Wiener-Sportclub- und ÖFB-Team-Spieler

Linhart wurde 1942 in Donawitz geboren und spielte ab 1962 für den Wiener Sportclub mit dem er 1969 und 1970 zwei Vizemeistertitel hinter der Wiener  Austria feiern durfte. Danach wurde der vor allem als Verteidiger eingesetzte Spieler für zwei Saisonen von der Vienna engagiert und spielte dort neben seinem Cousin Peter Persidis. Auch das Nationalteam zählte zu seinen Stationen. 1963 gab er das Debüt unter Teamchef Karl Decker, beim 3:1 gegen die damalige Tschechoslowakei agierte er neben Erich Hof als Rechtsaußen. Im Skandalspiel wenige Wochen später gegen Schottland gelang ihm der Ehrentreffer zum 1:4, danach allerdings blieb er nach einer Auseinandersetzung mit Denis Law verletzt liegen und der Schiedsrichter brach das Spiel wegen überharter Gangart in der 83. Minute ab. Sechs Jahre später wurde er von Teamchef Leopold Šťastný noch zweimal ins ÖFB-Team berufen.

Linhart wurde von Kollegen als zäher Typ beschrieben bei dem allerdings auch Mitgefühl und Anteilnahme nicht zu kurz kamen. Er war ein "Weltklasse-Athlet, der sich stets gewissenhaft auf den nächsten Wettkampf vorbereitete. Den Kampf gegen den Krebs nahm er an, gewinnen konnte er ihn nicht. Er ging damit um, "wie ein stoischer Österreicher", sagte Laird. (Thomas Hirner, derStandard.at, 13.5.2013)

  • Toni Linhart, 1942-2013.

    Toni Linhart, 1942-2013.

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