Yamaha Offroad: Ein Schattenplatz in Bulgarien

Reportage13. Mai 2013, 18:31
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Rallye-Profi Helly Frauwallner bietet mit der Offroad Experience Touren in Kroatien und Bulgarien an. Bei letzterer zeigt er die schönsten Seiten des Landes

Über mir raschelt das Laub der Bäume sanft im Wind. Die Sonne scheint, es hat angenehme 25 Grad im Schatten, und ich bin fern der Heimat. Urlaub mit dem Motorrad. Was kann es Schöneres geben? Kotzen, fällt mir als erstes ein. Aber ich reiß mich z'samm. Ich schaffe es zwar nicht, mit einem sanften Lächeln hier zu liegen, aber ich will einen Rest Contenance behalten. Röcheln reicht.

Ein Mann, der sich selbst als der Erfinder der Ohren bezeichnet, beugt sich über mich und fragt: "Warum hast denn einen so roten Kopf?" Und bevor ich antworten kann, lacht er los.


Offroad Experience: Für einige ging es mitunter langsam voran. Sehr langsam.

Bravo Maxa, eine der Speerspitzen des Reitwagen, hat die Teufelsklamm, den Höllengraben, oder die Hexenküche, wie auch immer die letzten 20 Kilometer geheißen haben, ohne Probleme passiert. Ich nicht. Wir sind mit der Yamaha Offroad Experience in Rumänien, "ein bisserl Enduro fahren und Spaß haben". Was ich die letzte Stunde gemacht habe, war Moped zahn und nicht Enduro fahren – und Spaß, ja, den haben die anderen. Mit mir. Oder wegen mir. Wurscht. Das kümmert mich im Moment nicht. Die anderen, das sind eben der Herr Maxa und die beiden Tourguides Stefan Rosner und Helly Frauwallner.

Helly Frauwallner ist ja nach seinem Sieg der Raid de Himalaya 2011, der höchsten Rallye der Welt, dem zweiten Platz der Heroes-Legend von Paris nach Dakar 2009 und dem Sieg bei der Rallye Mongolia 2008 kein Unbekannter in der Motorradszene. Stefan Rosner steht da schon tiefer im Schatten – und zwar in dem von Helly Frauwallner – aber zu unrecht. Denn auch er hat mehr als ausreichend Rallye-Erfahrung und die dazu passenden Erfolge.


Souveränes Posing: der Glu (li.) Helly Frauwallner (Mitte) und Stefan Rosner (re.)

Mit den beiden auf Enduro-Tour zu gehen, ist ein wenig wie eine Jagd. Das schwächste Tier muss sterben. Und das bin heute ich.

Gestern war noch Franz Zechmeister dabei. Morgen wird er wieder mitfahren. Warum er heute ausgelassen hat, weiß ich, jetzt, wo ich da im Schatten, nach der Wasserdurchfahrt um Luft ringe. Alter und Weisheit gehen also doch Hand in Hand. Franz ist viele Jahre älter als mein Vater. Er war in seiner Jugend Motocrosser und fährt bis heute Motorrad. Auch mit den schweren Jungs wie Helly und Stefan. Trotzdem taten sich für ihn gestern Fragen auf, die ich mir heute auch stelle: "Du, warum haut's mich so leicht vom Moped?"


Im Süden Bulgariens begegnen einem vielerlei Wege. Man darf überall fahren.

Gestern, da war die Welt noch in Ordnung, hier in Kardjali, in Bulgarien. Rund um die Stadt mit den rund 50.000 Einwohnern heben Hügel den Wald für die schöne Kulisse in die Höhe. Und alle diese Hügel sind Enduro-Gelände. Man darf überall fahren. Man wird überall freundlich gegrüßt. Und oben, auf den Gipfeln, genießt man eine herrliche Aussicht über das Land. Auf dem einen Berg steht eine Ruine, auf dem anderen ist eine besondere Felsformation, der nächste bildet eine atemberaubende Natur-Aussichtsplattform. Und die Wege dorthin sich erdig, felsig, steinig, waldig – einfach nur schön.

Aber die Höllen-, Teufels-, Hexenschlucht, die ist furchtbar. Die Yamaha WR 250 F, die ich hier fahren sollte, stellte sich schon gestern als YZ 250 heraus. Motocross statt Hard-Enduro. Mit der Maschine will Helly Frauwallner demnächst ein paar Heimrennen fahren – so sie nach der Tour noch dafür zu gebrauchen ist. Ich hab mich ja schon immer gefragt, ob es für das bisserl Endurieren, das ich mach, überhaupt eine WR sein muss, oder ob es nicht auch eine günstigere YZ tut.


Kontemplativer Moment vor einer Querung.

Jetzt hab ich endlich die Antwort darauf, dass ich gut daran getan habe, dem Supermoto-, Enduro- und Motocross-Crack Martin Sulzbacher einen Haufen Geld für seine Ex-Renn-WR in den Rachen zu werfen. Der fehlende E-Starter auf der Crosser nervt normalerweise nicht – aber wenn du eh schon aufpassen musst, dass dir die Zunge nicht in die Kette kommt, dann brauchst du das Kicken im Steilhang wie ein Gewitter im Abendanzug.

Wirklich mühsam ist aber der viel zu lange erste Gang im harten Offroad-Gelände. Der geht übrigens mit der Kickerei Hand in Hand. Denn fünfmal öfter, als ich in der teuflischen Klamm die YZ abwürge, springe ich auf den Kickstarter.


Ein weniger kontemplativer Moment.

Der Major de Ohr hat da leicht Lachen. Seine Beta ist leicht und lässt sich mit einem Knopfdruck starten. Zum anderen ist der Hund – man verzeihe mir die derbe Ausdrucksweise, die im Schatten sogar noch deftiger ausfiel – ein so guter Endurist, dass er nicht einmal den E-Starter braucht, sondern einfach durchfährt. Während ich um Luft ringe, fragt er sich, wann es endlich wieder weiter geht und was er am Abend essen und trinken soll.

Aber am nächsten Tag wird es wieder fesch. Der Franz fährt auch mit – ja, der hat gewusst, wann es schön wird und wann nicht – und wir haben ausreichend Zeit, die Aussicht zu genießen, fahren über Wiesen, Singletrails und ausnahmsweise sogar über zwei oder drei Kilometer Asphalt. Auf einem der Hügel erzählt Helly von der Rallye, die er hier gefahren ist. Und Stefan davon, wie er bei der gleichen Rallye an der Grenze wieder umkehren musste, weil er seinen Pass im Hotel vergessen hat und trotzdem noch eine passable Platzierung herausfahren konnte.


Nachbesprechung. Nicht nur im Hotel sondern auch bei den Kiebitzen am Straßenrand.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist Bravo Maxa schon wieder in Bulgarien. Zwei Tage nach seiner Rückkehr in Wien hat er sich wieder in den Flieger gesetzt und ist für eine weitere Tour mit den Jungs nach Bulgarien geflogen – die Touren, die Helly und Stefan anbieten sind rar. Da muss man jede Gelegenheit nutzen.

Rund drei Stunden dauert die Fahrt vom Flughafen in Sofia zum Hotel. Klingt wild, ist es im Endeffekt aber gar nicht. Den Transport des Motorrades organisieren Stefan und Helly, wenn es ist. Die meisten Tourteilnehmer fahren aber selbst die rund 12 Stunden mit dem eigenen Auto und nehmen die Enduro mit.


Treppen-Trial zur allgemeinen Entspannung.

Bei der Yamaha Offroad Experience sind auch Fremdmarken willkommen – mit etwas Glück bekommt man aber auch die Gelegenheit, einen Teil der Tour auf einer von Hellys Renn-Motorräder zu fahren. Und die sind natürlich alle Yamahas. Die Balkan-Tour rund um die Gegend von Kardjali startet in rund 12 Monaten wieder. Davor bietet die Yamaha Offroad Experience zwei Touren in Kroatien an. Im Juli geht es über Asphalt, im September fast ausschließlich über Schotter.

Von dem hab ich nach dem Schattenplatzerl auch noch ein paar Kilometer vor mir, wie ich das sehe. "Am Abend wirst unheimlich stolz sein, dass du da durchgefahren bist", motiviert mich der Herr Maxa. "Jetzt kommt nix Schweres mehr", schwindelt mich der Helly an. Eine wirkliche Hilfe ist mir der Stefan.


Bulgarien: schönes Land, vor allem viel Land.

Er tauscht meine YZ gegen seine Rallye-WR. Das butterweiche Fahrwerk der E-Starter und der endurotaugliche erste Gang versöhnen mich wieder. Einen Muskelkater hab ich mir bis zum Abend aber trotzdem aufgerissen.


Schiebt erschöpft aber glücklich den Buckel auf: der Glu.

Diesen genieße ich dann am nächsten Tag, als wir wieder auf einem der Berge stehen und runter schauen auf die Stadt, und die Strecken, die wir in den letzten beiden Tagen passiert haben. Mit dem Herrn Maxa habe ich mich auch wieder versöhnt. Er hat letzte Nacht schlecht geschlafen und schaut heute ein wenig so aus, wie ich gestern, im Schatten eines Baumes. Kein freches Wort kommt ihm mehr über die Lippen. Nur ein leises Greinen lässt er von sich hören. So mag ich ihn am Liebsten. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 13.5.2013)

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Yamaha Offroad Experience

Die nächsten Termine:

Motorradfahren mit Freunden: Straßen-Partie in Kroatien von 11. bis 14.07.2013, Preis: 349 Euro

Endurowandern entlang der Adria: Leichte Offroad-Partie, die auch mit Big-Enduros gefahren werden kann. In Kroatien von 19. bis 22.09.2013, Preis 349 Euro

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