Wien: Prozess gegen mutmaßlichen Rotlichtboss eröffnet

13. Mai 2013, 10:39
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Sechs Personen wegen Nötigung, Erpressung, Freiheitsentziehung und Körperverletzung vor Gericht

Wien - Am Wiener Landesgericht ist Montagfrüh der Prozess gegen den mutmaßlichen Rotlichtboss Richard St. und fünf Mitangeklagte eröffnet worden. Sie sind der Bildung einer kriminellen Organisation, der Erpressung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung, mehrerer teils versuchter, teils vollendeter schwerer Körperverletzungen, schwerer Sachbeschädigungen und betrügerischer Krida angeklagt. Vor Richter Stefan Erdei liegt ein Riesenverfahren: Er hat 43 Verhandlungstage anberaumt, mehr als 100 Zeugen sollen aussagen. Mit einem Urteil ist frühestens Mitte August zu rechnen.

Der Hauptangeklagte St. und die anderen Angeklagten werden sich größtenteils nicht schuldig bekennen. Daher wird die Verhandlung wohl ein langwieriges Indizienverfahren, das sich nicht zuletzt auf die Resultate eines großen Lauschangriffs stützt, der vor der Verhaftung des Hauptangeklagten und seiner mutmaßlichen Komplizen im April 2010 durchgeführt worden war.

Ruf als brutaler Fremdenlegionär

Laut Anklage hatte St. ab 1998 die Kontrolle der Rotlichtlokale vor allem am Gürtel in Wien erlangt. Sein Ruf, als Söldner der Fremdenlegion schwere Gewalttaten verübt zu haben, soll ihm dabei ebenso geholfen haben wie die Bereitschaft zu brutaler Gewalt in der Wiener Rotlichtszene. St. soll sich eine weit verzweigte Machtstruktur aufgebaut haben, wobei ihm unter anderem die Mitangeklagten Peter A., ein hünenhafter Wiener, und Dusko R. als Handlanger und Mittäter behilflich gewesen sein sollen.

Die mutmaßlichen Mitarbeiter von St. sollen tätliche Auseinandersetzungen provoziert, Lokale beschädigt und Opfer teils schwer verletzt haben. Neben dem materiellen Schaden sollen in den betroffenen Betrieben auch die Gäste aus Angst vor solchen Auseinandersetzungen ausgeblieben sein. In den betroffenen Lokalen dürfte die unter dem Namen "Nokia-Club" in informierten Kreisen bekannte Organisation Schutzgeld kassiert haben. Im Preis inbegriffen soll auch der Schutz vor randalierenden Gästen gewesen sein. Die Angeklagten sollen daraus ein regelmäßiges Einkommen bezogen haben.

Entführung und schwere Körperverletzungen

Zudem soll St. dafür gesorgt haben, dass ein Mann, der Gelder veruntreut hatte, in einem Pkw entführt und während einer 25 Kilometer langen Fahrt grün und blau geschlagen wurde. Weiters erwähnt die Anklage zwei Buttersäureanschläge auf Lokale missliebiger Konkurrenten.

Eine im Rotlicht tätige Geschäftsfrau aus dem Bezirk Ried im Innkreis, die St. offenbar in die Quere gekommen war, wurde laut Anklage im Juli 2004 nachts von einem mit schwarzem Vollvisierhelm getarnten Mann überfallen, der so lange mit einem Baseballschläger auf sie einschlug, bis sie sich tot stellte. Die Frau leidet seither an einer posttraumatischen Belastungsstörung, weshalb das Delikt als absichtlich schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen angeklagt ist.

Zudem war laut Anklage eine Vergeltungsaktion gegen eine Ex-Lebensgefährtin eines Mitangeklagten geplant, die man Anfang 2010 mit Chloroform betäuben, auf die Donauinsel bringen, entkleiden und ins Wasser werfen wollte. Obwohl die Frau wochenlang ausgekundschaftet worden sei, sei die Tat nicht ausgeführt worden. (APA, 13.5.2013)

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    Die Angeklagten sollen in der Rotlichtszene am Wiener Gürtel ein Schutzgeld-System betrieben haben.

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