Windows-Experte Paul Thurrott: Windows-8-Kritiker haben recht

13. Mai 2013, 09:55
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Thurrott: "Kritiker an den Pranger zu stellen macht nur Sinn, wenn sie falsch liegen"

Mit teilweise deutlichen Vergleichen und harter Kritik an Windows 8 haben sich die Medien Kritik aus dem Hause Microsoft zugezogen. Die "Financial Times" verglich das Betriebssystem mit Coca-Colas vor rund 30 Jahren gescheitertem Versuch, die Rezeptur des weltweit konsumierten Softdrinks zu ändern. Der "Economist" wiederum hielt fest, dass das Feedback der Kunden auf Windows 8 so schlecht sei, dass Microsoft mit Version 8.1 "Blue" nun eine völlige Kehrtwende versuche.

"Haben das Kernproblem von Windows 8 erfasst"

Diesen Aussagen trat Marketingvize Frank Shaw entschieden entgegen und warf den beiden in einem Blogpost Schwarzmalerei zugunsten ihrer Zugriffszahlen vor. Das wiederum sieht der langjährige Microsoft-Beobachter Paul Thurrott anders und meint: "Die Kritiker an den Pranger zu stellen macht nur Sinn, wenn sie falsch liegen."

Und in diesem Fall hätten beide das Kernproblem von Windows 8 korrekt erfasst. In einem Podcast bezeichnete Thurrott "Blue" halbernst als "eine Entschuldigung". Die von ihm eigentlich als Scherz gedachte Anmerkung ist seiner Meinung nach aber zutreffend.

Hat Microsoft nicht zugehört?

"Es gab einst eine Zeit, in der man es als positiv erachtete, Feedback zuzuhören und danach zu handeln", schrieb Shaw in seinem Blogeintrag für Microsoft in Bezug auf die Arbeiten an "Blue". "Windows 8 ist ein gutes Produkt, und es wird jeden Tag besser." Dem hält Thurrott entgegen, dass das Windows-Team offenbar sechs Jahre gearbeitet habe, ohne auf Rückmeldungen zu hören. Denn diese seien von Beginn an dieselben gewesen.

Während Shaw sich über 100 Millionen verkaufte Windows-8-Lizenzen freut, wird nach wie vor gerätselt, ob und in welcher Form der Start-Button nun mit dem großen 8.1-Update zurückkehren wird. Ebenso steht noch nicht fest, ob es für den klassischen Desktop in Form einer direkten Startoption ein Comeback geben wird.

Dilemma

Wie Heise herausstreicht, hat sich Microsoft auf diese Weise in ein Dilemma manövriert. Kehren Startbutton und der Desktopstart zurück, dürften sich viele Desktop-User zwar freuen, jedoch werden manche Kritiker dann Rückwärtsgewandtheit monieren. Verzichtet man auf die Reimplementation der beiden Elemente, wird man sich in Redmond weiter anhören müssen, dass man dem Feedback der eigenen Kundschaft kein Gehör schenkt. (red, derStandard.at, 13.5.2013)

  • Hat Microsoft bei der Entwicklung von Windows 8 vergessen, auf seine Kunden zu hören?
    foto: derstandard.at

    Hat Microsoft bei der Entwicklung von Windows 8 vergessen, auf seine Kunden zu hören?

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