Leichtsinn auf Reisen oder das Ende der Vernunft

22. Mai 2013, 17:00
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Wo das Abenteuer aufhört und die Dummheit beginnt, weiß man instinktiv selber. Toleranz, Respekt und die Beachtung lokaler Eigenheiten helfen

Als die großen Entdecker von den europäischen Häfen ohne genaue Vorstellungen ihres Reiseziels in See stachen, mussten die Angehörigen der Besatzungen damit rechnen, ihre Liebsten nicht mehr zu Gesicht zu bekommen. Heute, in Zeiten des interkontinentalen Tourismus, bei dem man selbst in die entlegensten Winkel des Planeten reisen kann, ist das etwas anders geworden. Ein Slogan gilt allerdings immer noch: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Das unterschätzte Meer

Von den beiden Touristen, die die Strömung aufs offene Meer hinaus gezogen hat, hat man am Ende nur das Boot gefunden, das am Ufer des kleinen Eilands lag. Eine Situation, die ein Polizist auf den Cook Inseln so schildert: "Viele Fremde kennen die Kraft des Meeres nicht. Sie haben keine Ahnung, wie stark die Strömung ist, die bei Ebbe das Wasser aus der Lagune zieht. Wenn man bei der Rifföffnung, wo es natürlich die schönsten Fische und Korallen gibt schnorchelt und dabei die Ratschläge der lokalen Bevölkerung missachtet, ist man schnell verloren."

Ähnliche Vorfälle gibt es jedes Jahr - nicht nur in der Südsee, sondern auch in Südostasien, in der Karibik und selbst im Mittelmeer. Ratsam ist es, den Rat der Einheimischen vor dem Schwimmen einzuholen. Zu gefährlich sind Strömungen, die einen im Wasser sehr schnell ermüden lassen.

Wasser ist eine vielfach unterschätzte Gefahr. Dass ein kleines Bächlein in kurzer Zeit zu einem reißenden Strom werden kann, davon wissen auch Wildwasser-Experten nur zu gut Bescheid. Zu einer besonders heimtückischen Tragödie kam es vor einigen Jahren im Antelope-Canyon in Arizona, wo ein ausgetrockneter Flusslauf innerhalb weniger Minuten zum reißenden Bach wurde und Touristen im schmalen Canyon wie in einer Waschmaschine durchgewirbelt hat. Einige von ihnen überlebten den Unfall nicht. Ein Opfer wurde erst Tage später tot in der Wüste aufgefunden.

Eine Faustregel bei all diesen Aktivitäten ist, vorher mit einheimischen Experten Kontakt aufzunehmen und ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Das gleiche gilt natürlich auch beim Bergwandern und Klettern. Unerfahrenheit gepaart mit schlechter Ausrüstung, sowie Selbstüberschätzung zählen zu den häufigsten Unfallursachen.

Restrisiko bleibt immer bestehen

Alle Risiken kann man natürlich nicht ausschließen, das bestätigen erfahrene Alpinisten und Reisende. Doch mit einigen Vorsichtsmaßnahmen kann man das Risiko zumindest deutlich reduzieren. Ausflüge in unbekanntes Terrain - sei es ein abgelegener Nationalpark oder ein Berg - sollten in aller Regel mit einem lokalen Führer durchgeführt werden. So ist beispielsweise die Wanderung zum Boiling Lake auf der Karibikinsel Dominica kein besonders schwieriges Unterfangen - dennoch sollte man hier einen lokalen Guide buchen, der den Weg kennt, auf allfällige Gefahren hinweist und natürlich auch erste Hilfe leistet, wenn man stürzt.

Das gleiche gilt auch für den Abstieg in den Grand Canyon in Arizona. Nicht zu unterschätzen sind auch Gefahren durch Wildtiere in den großen US-Nationalparks. Obwohl das Sicherheitsdenken der US-Behörden so weit fortgeschritten ist, dass die Vielzahl der Hinweistafeln und Schilder gute Ratschläge gibt, stellen Begegnungen mit Klapperschlangen oder Braunbären doch ein Risiko dar. Richtiges Verhalten kann hier lebensrettend sein.

Zu guter Letzt sollte auch daraufhingewiesen werden, dass Campieren oder Picknicken in tropischen Ländern - auch rund um das Lagerfeuer - zahlreiche unerwünschte Zaungäste wie etwa Skorpione anlockt. Wer sich im Freien aufhält, sollte sich erkundigen, welche Tiere einem in dem Land, in dem man sich befindet, gefährlich werden können.

Gutes Schuhwerk auch am Traumstrand

Wer mit Flipflops in die Savanne geht, ist sehr unklug – sagte einmal ein Wildhüter in Südafrika. "Hier gibt es Dornen, die mehrere Zentimeter lang sind und ziemlich böse Verletzungen hervorrufen können." Eine einfache Regel, die viel Ärger ersparen kann. Mancherorts schauen Wildhüter und Guides auch auf das Equipment ihrer Schützlinge und verweigern die Mitnahme von leichtsinnigen Touristen. Kein Wunder: Die medizinische Notversorgung in den Camps ist mühsam und teuer.

Das gleiche gilt auch an so manchen tropischen Traumstränden, in deren Untiefen sich nicht nur sehr scharfe Korallenbrocken, sondern auch bissige und giftige Meerestiere verstecken. Vor allem in den subtropischen und tropischen Ozeanen sei davor gewarnt, auch nur irgendetwas anzufassen. Steinfische, Feuerkorallen und Kegelschnecken, die über einen sehr effektiven Giftapparat verfügen, können böse Verletzungen verursachen. Einige der Kegelschnecken-Arten können Menschen sogar töten. Die gute Nachricht dabei: wer sie nicht angreift, riskiert auch keinen Stich. Strandschuhe mit Gummisohle sind ein relativ effektiver Schutz.

Wer Köpfchen hat, sollte es auch schützen

Nicht nur auf Kreta, sondern auch in Thailand und auf den Cook-Inseln nennt man Aufschürfungen an Armen und Beinen durch Mopedstürze "Local Tatoos". Es mag schon wahr sein, dass die angenehmen Temperaturen dazu animieren helmlos, kurzärmelig und nur mit Flipflops bekleidet Moped zu fahren - unangenehm ist allerdings jegliche unsanfte Bodenberührung.

Der Straßenverkehr stellt vielerorts eine Gefahrenquelle dar. Jeder Reisende, der einmal in Indien oder in einem afrikanischen oder südamerikanischen Land unterwegs war, merkt das schnell. Verkehrsregeln mögen zwar am Papier international gleich sein – in der Praxis gilt das nicht. Vielfach ist man den Transportmitteln und ihren waghalsigen Fahrern ausgeliefert. Der Griff zu Sturzhelm und langer Hose beim Zweiradfahren kann jedoch selbst bestimmt werden und sollte selbstverständlich sein.

Cook it, peel it or leave it!

Auch bei der Nahrungsaufnahme in diversen Ländern kann man als Reisender Probleme bekommen. Straßenküchen gehören in Asien zu den schönsten kulinarischen Erlebnissen, dennoch sollte man auf ein paar Dinge achten. Dazu gehört, wie es im Lonely Planet geschrieben steht: "Wenn der Eigentümer gesund und munter und sein Stand gut frequentiert ist, ist man eher auf der sicheren Seite."

Dennoch sei vor allem in tropischen Ländern, in denen die Wasserqualität mangelhaft ist, vor dem Verzehr von ungeschälten und rohen Lebensmitteln wie Salaten oder bereits geschältem Obst gewarnt. Die alte Regel vor und nach dem Essen Schnaps zu trinken, wird von manchen Reisenden als guter Ratschlag angenommen, andere hingegen sehen darin kaum einen Vorteil. Gut beraten ist man, wenn man vor dem Reiseantritt einen Arzt aufsucht und eine gut sortierte Reiseapotheke mitnimmt. Lokale Gewürze wie etwa Ingwer können übrigens wahre Wunder wirken, wenn kleinere Probleme mit der Verdauung auftreten.

Sollte man jedoch länger als drei Tage an Durchfall leiden, ist der Besuch einer Apotheke oder eines Arztes dringend angesagt, denn die einhergehende Dehydration kann vor allem in heißen Ländern zu massiven Problemen führen. Auch hier ist ein gesundes Maß an Vernunft unerlässlich und schon vor Reiseantritt sollten Informationen über allfällige Gesundheitsrisiken eingeholt werden. Natürlich lässt sich nicht jedes Risiko ausschließen, aber deutlich minimieren, wenn man mit lokalen Gegebenheiten vertraut ist. Alternativ-Reiseführer bieten in den meisten Fällen sehr umfangreiche Informationen darüber, was man tun und lassen soll.

Bitte um Respekt!

Toleranz gegenüber der Andersartigkeit und Respekt gegenüber den Eigenheiten des Gastlandes sind gute Voraussetzungen für ein freundliches und friedliches Miteinander auf Reisen.

Die Lektüre von Reisefachbüchern der jeweiligen Destination gibt zudem weitere Informationen über "Was man sicher nicht tun soll" und "Was ortsüblich ist". Fremdenverkehr ist ein Wirtschaftsfaktor und kann der lokalen Bevölkerung Einkommen bescheren, daher ist es ratsam bei Einheimischen einzukaufen oder ihre Dienste - sei es als Taxifahrer, Fremdenführer oder Gastgeber - in Anspruch zu nehmen. Man sollte bei allem Tun immer daran denken, den anderen respektvoll zu behandeln. Dazu gehört auch, dass man um Erlaubnis fragen soll, ehe man Menschen fotografiert - auch Kinder! (Wolfgang Weitlaner, derStandard.at, 22.5.2013)


Weltweite Reiseinformationen finden sich auf der Homepage des Außenministeriums.

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