Prinz Harry der Bayern

12. Mai 2013, 20:24
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Der FC Bayern ist - nach traumatischen Zweitplatzierungen - endlich wieder da, wo er hingehört

Man hat noch die ergreifenden Bilder der niederländischen Königskrönung vor Augen, da übertrug der Bayerische Rundfunk am Samstag schon die nächste Balkonszene:

Der FC Bayern ist - nach traumatischen Zweitplatzierungen - endlich wieder da, wo er hingehört, nämlich ganz oben in der Bundesligatabelle. Das feierte man wie gewohnt in Lederhosen und mit der großzügigen Verteilung des Inhaltes monströser Weißbierhumpen auf dem Münchner Rathausbalkon.

Das rotgewandete Volk vor dem Rathaus hatte die Alkoholika nicht aus-, sondern in sich hineingeschüttet, schwenkte beherzt seine "Mia san mia"-Fahnen und stimmte die unvermeidlichen Hymnen an. Das Ganze mutete an wie die säkulare Version des royalen Geweses, das in den verbliebenen europäischen Monarchien betrieben wird. Natürlich kein Zufall: In Bayern gedenkt man immer noch liebevoll der kleinen Geistesschwächen des "Kini" Ludwig II. Höher steht nur der Kaiser himself - Franz Beckenbauer Lichtgestalt.

Entsprechend gerierten die Fernsehberichterstatter sich wie Untertanen. Die kleinen (Steuer-)Sünden von Uli Hoeneß (aktuell so etwas wie der Prinz Harry der Bayern) wurden einfach wegignoriert, ebenso demonstrative "Uli, Uli, Uli"-Rufe bierseliger Fans. Stattdessen stellte man die sündteure Vereinschronik ("für den größeren Geldbeutel") vor und warf den Spielern enervierend anbiedernde Nichtigkeiten zu.

Nicht ganz zurecht im Huldigungsprotokoll fand sich David Alaba. Franck Ribéry überreichte ihm das Mikro - aber was tun? Nach kurzer Mannschaftsbesprechung wusste er es. Einfach "Super Bayern, super Bayern, hey, hey, hey" anstimmen - und das Volk folgt. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 13.5.2013)

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    Dante, David Alaba und Franck Ribéry beim Feiern.

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