Marc Minkowski: Stürmischer Brückenbauer

12. Mai 2013, 19:29
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"Eroica", "La Reine" und "Don Juan ou Le festin de Pierre"

Wien - Die Wiener Philharmoniker und die Originalklangbewegung, das war lange Zeit ein von profunder Skepsis geprägtes Nebeneinander. 1984 luden die Vereinsmitglieder Nikolaus Harnoncourt erstmals ein, das Orchester zu dirigieren (und sie tun es bis heute), ab Mitte der 1990er-Jahre arbeitete man mehrmals mit John Eliot Gardiner, Roger Norrington und Trevor Pinnock zusammen.

Nun durfte Marc Minkowski erstmals vor die musizierenden Damen und Herren treten. Der Leiter der Salzburger Mozartwoche, bei der die Philharmoniker traditionell gastieren, wollte mit seinem Programm "eine Brücke zwischen Paris und Wien" bauen, wie er in einer Ansprache erläuterte.

Bei Beethovens ursprünglich Napoleon gewidmeter "Eroica" setzte Minkowski oft auf schnell in lautstarke Gefilde fahrende revolutionäre Stürme. Bei Haydns Symphonie "La Reine", angeblich ein Lieblingswerk Marie Antoinettes, verblüfften die Philharmoniker mit einem wundervoll kompakten, kernigen Spielverhalten: Grenzruppig dahingeschrubbte Sechzehntelläufe kontrastierten mit der lichten Poesie kurzer Holzbläsersoli. Vollends wie ein anderes Orchester klangen die Philharmoniker bei Glucks "Don Juan ou Le festin de Pierre": Mit kraftvoller Frische fegten emotionale Wirbelstürme durch den Konzerthaussaal, die tiefen Streicher attackierten mit heftigen Pizzicati die Gehörgänge der Zuhörer genauso wie die knallharten Schläge der Großen Trommel: Drama, Baby. Und Philharmonische Originalklang-Weltklasse. (Stefan Ender, DER STANDARD, 13.5.2013)

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