Berlusconis TV-Kanal sendet Doku zum Fall Ruby

12. Mai 2013, 19:06
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Interviews mit junger Marokkanerin und Medienzaren - Urteil im Prozess naht

Rom - Kurz vor dem Urteil im sogenannten Ruby-Prozess, bei dem Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi wegen Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin und Amtsmissbrauch angeklagt ist, sendet Canale 5, der größte TV-Kanal des Medienzaren, einen Dokumentarfilm zum heiklen Fall. Darin verteidigt sich der Großunternehmer vor den Vorwürfen der Justizbehörden. Der Dokumentarfilm wird am Sonntagabend um 21.10 Uhr gesendet und enthält unter anderem Interviews mit Berlusconi und der Marokkanerin Karima al Marough, alias Ruby, die jeglichen sexuellen Kontakt zum Ex-Premier bestreitet.

Im Dokumentarfilm werden unter anderem die Säle von Berlusconis Luxusresidenz in Arcore gezeigt, in dem der TV-Tycoon laut den Staatsanwälten wilde Partys mit Dutzenden von jungen Frauen organisiert haben soll. Außerdem wird der Journalist und Berlusconi-Freund Carlo Rossella interviewt, der selber an den Abenden mit jungen Showgirls in Berlusconis Villa teilgenommen haben soll.

15 Jahre Haft drohen

Der sogenannte Ruby-Prozess, bei dem Berlusconi bis zu 15 Jahren Haft drohen, ist in die Endphase getreten. Am Montag soll Ruby von den Richtern befragt werden. "Ich bin keine Prostituierte. Ich habe nie bezahlten Sex und keine sexuelle Beziehung zu Berlusconi gehabt", versicherte Ruby zuletzt. In einer Presseaussendung, die sie im April vor dem Justizpalast in Mailand verlesen hatte, betonte Ruby, sie habe bei Vernehmungen durch die Mailänder Ermittler eine "psychologische Tortur" erdulden müssen. "Das scheinbar freundschaftliche Verhalten der Ermittler hat sich plötzlich geändert, als ich Berlusconi nicht beschuldigt habe", protestierte die junge Marokkanerin. Sie sei verfolgt worden, um Berlusconi zu schaden.

Ein Mailänder Berufungsgericht hatte am Mittwoch das erstinstanzliche Urteil gegen Berlusconi wegen Steuerbetrugs beim Erwerb von TV-Rechten für seine Fernsehgruppe Mediaset bestätigt. Bereits im Oktober war der Politiker zu vier Jahren Haft verurteilt worden, hatte jedoch Berufung eingelegt. Der Chef der italienischen Mitte-rechts-Allianz wurde zudem für fünf Jahre von allen politischen Ämtern ausgeschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es wird erwartet, dass Berlusconi Berufung beim Kassationsgericht einlegt. Der Präsident von Mediaset, Fedele Confalonieri, wurde wie in erster Instanz freigesprochen.

Solidaritätsdemonstration

Hunderte Anhänger Berlusconis hatten sich am Samstag an einer Solidaritätsdemonstration mit dem Mitte-rechts-Chef in der norditalienischen Stadt Brescia beteiligt. Dabei war es zu spannungsgeladenen Momenten gekommen. Kurz vor einer auf dem Domplatz geplanten Ansprache Berlusconis wurden Mitte-rechts-Parlamentarier von Linksaktivisten und Anhängern der Protestbewegung "Fünf Sterne" beschimpft und ausgepfiffen. Vor allem der Fraktionschef der Berlusconi-Partei im Senat, Maurizio Gasparri, geriet ins Visier der Demonstranten. Die Linksaktivisten skandierten Slogans gegen Berlusconi. "Ins Gefängnis!", riefen die linken Demonstranten Die Polizei musste eingreifen, um Anhänger Berlusconis von den Linksdemonstranten zu trennen. Dabei wurden auch einige Personen leicht verletzt, berichteten italienische Medien.

In seiner Ansprache vor seinen Anhängern in Brescia versicherte Berlusconi, er wolle die Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta trotz des Ärgers wegen seiner Probleme mit der Justiz nicht infrage stellen. "Wir werden diese Regierung weiterhin unterstützen", versicherte der Ex-Regierungschef am Samstag bei einer Veranstaltung in der norditalienischen Stadt Brescia. Obwohl er von einigen von der Linken beeinflussten Richtern verfolgt werde, wolle er die Regierung Letta nicht aufs Spiel setzen. Seine Verurteilung werde sein politisches Engagement nicht bremsen, versicherte Berlusconi. "Trotz der Gewalt in der vergangenen Woche gegen mich, bin ich immer noch hier. Niemand wird mich einschüchtern, auch wenn mich die Justiz eliminieren will", betonte Berlusconi. Seine Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit" (PdL) ist an der neuen Großen Koalition beteiligt, die die Regierung Letta unterstützt. Berlusconi selbst sitzt nicht in der Regierung, er könnte jedoch mit dem Entzug seiner Unterstützung das Kabinett stürzen. (APA, 12.5.2013)

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