Textilfabriken: Die Krux mit der Verantwortung

Rezension12. Mai 2013, 18:23
3 Postings

Wie ließe sich der Teufelskreis aus Billigstproduktion und Billigstkonsumation im Textilbereich durchbrechen? Ein neues Buch zeigt Wege auf

Als Konsument ist man angesichts der vielen Todesfälle beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch oder bei den immer wieder bekannt werdenden Selbstmorden in chinesischen Foxconn-Fabriken ratlos: Wie ließe sich dieser Teufelskreis aus Billigstproduktion und Billigstkonsumation durchbrechen? Das Buch "Arbeitskämpfe in China" gibt keine eindeutigen Antworten, aber es schärft den Blick auf die Vielschichtigkeit der Problematik - und zeigt damit Wege auf, wo ein reicher Abnehmerblock wie die EU ansetzen könnte, um anderswo zumindest minimale Arbeitsstandards zu erreichen.

Denn die Sache, das zeigt dieses Buch, ist die: Die westlichen Markenkonzerne, die die Waren abnehmen, lassen stillschweigend zu, dass Verantwortlichkeiten immer weiter über Subfirmen ausgelagert werden. So werden Zuständigkeiten unkenntlich gemacht. Verantwortung wird auf das schwächste Glied der Kette - den vergleichsweise "armen" Produktionsbetrieb" - abgeschoben. Und dann wird von den westlichen Markenfirmen behauptet, man poche natürlich bei den Zulieferern strikt auf ethisches Handeln.

2011 fand in Wien ein Kongress über "Workers' Struggles from East to West: New Perspectives on Labour Disputes" statt. Die damaligen Beiträge, die sich mit der Situation in China beschäftigten, sind in diesem Buch gesammelt. Nicht alles ist dabei negativ zu sehen, zeigen die Autoren. Der Zug Chinas zu Forschung und entwicklungsintensiverer Produktion stärkt die Stellung der Arbeiter. Es gibt eine kreative, vernetzte Streikkultur, die die Informationen über Erfolge in dem Riesenland schnell verbreitet. Ob diese positiven Trends stark genug sind, dass in absehbarer Zeit vernünftige Arbeitnehmerregeln entstehen - man muss es bezweifeln. Ohne multilaterale Vorgaben (warum nicht im Rahmen der Welthandelsorganisation?) wird es nicht gehen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 13.5.2013)

Georg Egger, Daniel Fuchs, Thomas Immervoll, Lydia Steinmassl (Hg.)
Arbeitskämpfe in China
Berichte von der Werkbank der Welt
Promedia-Verlag
280 Seiten, 19,90 Euro

Share if you care.