Der Löwe des Punjab ist wieder an der Macht

Kopf des Tages12. Mai 2013, 18:05
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Ein Lächeln umspielt seine Lippen, als er vor die jubelnde Menge tritt, die vor seiner Villa in Lahores Viertel Model Town längst wild mit Böllern und Feuerwerk feiert. "Gott hat uns mit diesem Sieg gesegnet", verkündet er seinen Anhängern. Lange hat Nawaz Sharif auf diesen Moment, diesen Triumph hingearbeitet - nun ist er da. 14 Jahre nach seinem Sturz schickt sich der "Löwe des Punjab" - wie er sich nennt, obgleich das Parteisymbol ein Tiger ist - an, zum dritten Mal die Macht in Pakistan zu übernehmen.

Bereits zweimal hat Sharif das Land regiert - von 1990 bis 1993 und von 1997 bis 1999. Beide Male wurde er vorzeitig aus dem Amt gedrängt, weil er sich mit der Justiz oder dem Militär angelegt hatte.

Der frühere Militärherrscher Pervez Musharraf ließ Sharif sogar ins Gefängnis werfen - eine tiefe Demütigung, die Sharif ihm bis heute nicht verziehen hat. Danach lebte Sharif jahrelang im Exil, bevor er 2007 nach Pakistan zurückkehren durfte. Vorwürfe gegen ihn wegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrugs wurden nie bewiesen.

Bereits 2008 hätte der Vater dreier Kinder mit seiner Muslim-Liga beinahe den Sieg geholt. Doch dann wurde Benazir Bhutto ermordet. Ihre PPP schwamm auf einer Sympathiewelle, Sharif zog den Kürzeren. Doch in der Versenkung verschwand er nie. Zusammen mit seinem Bruder Shahbaz regierte er die mächtige Provinz Punjab und arbeitete zielstrebig darauf hin, an die Macht zurückzukehren.

Der heute 63-Jährige entstammt einer Industriellenfamilie in der Millionenstadt Lahore. Nach dem Studium trat er zunächst in das Stahlgeschäft des Vaters ein, bevor der damalige Militärherrscher Zia-ul Haq ihn förderte und zum Widersacher der politisch dominanten Bhutto-Dynastie aufbaute.

Im Wahlkampf wucherte er vor allem mit seiner Kompetenz als Geschäftsmann. Er versprach, die am Boden liegende Wirtschaft zu reformieren. Sharif, der das Essen liebt und sich meist in einfacher Landestracht kleidet, gilt als konservativ und religiös. Er pflegt enge Kontakte zu Saudi-Arabien, das ihm auch Exil gewährte.

Im Wahlkampf distanzierte er sich vom Antiterrorkrieg des Westens und deutete an, er wolle Friedensgespräche mit den Taliban suchen und die Drohnenangriffe der USA überdenken. Obgleich Sharif als Pragmatiker und Realpolitiker gilt, könnte er für den Westen daher ein schwieriger, nicht leicht zu berechnender Partner sein. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 13.5.2013)

  • Nawaz Sharif wird zum dritten Mal Premier in Pakistan.
    foto: epa/rahat dar

    Nawaz Sharif wird zum dritten Mal Premier in Pakistan.

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