Pro Fekters Vorgehen in Brüssel: Härte ist angebracht

Kommentar12. Mai 2013, 18:12
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Fekter tat das, was jeder österreichische Finanzminister tun müsste: Die (finanziellen) Interessen des Landes, auch den Standort, verteidigen

Es ist ein Dauerbrenner geworden, fast schon schick, Maria Fekter zur unmöglichsten Person in der Regierung zu erklären. Was immer die Finanzministerin tut oder sagt, ihre Kritiker und politischen Gegner (und nicht wenige Parteifreunde in der ÖVP) scheinen sich einig zu sein: Fekter kann es nicht, sie schade dem Land.

Zugegeben: Fekters Auftreten mag gewöhnungsbedürftig sein, ihre Ausdrucksweise hin und wieder eher "resch", wie man in ihrer Heimat wohl sagen würde. Aber das sind Stilfragen. Auffällig ist, dass die Kritik an ihr (meist von Männern) kaum inhaltlich, oft mit einem Schuss Frauenverachtung vorgetragen wird: Sie sei "schrill", heißt es dann, eine "Provinzlerin" mit "losem Mundwerk", eine "Hexe aus dem Süden" gar. Wer redet so über Politiker?

Es gibt (leider) nicht so viele starke Politikerinnen, die die Männerdomänen stören. Das ist besonders der Fall bei den EU-Finanzministern, deren Ausbauplänen gegen Steuerbetrug. Fekter tat das, was jeder österreichische Finanzminister tun müsste: die (finanziellen) Interessen des Landes, auch den Standort, verteidigen. Sie will Garantien dafür, dass die Schweiz vereinbarte Zahlungen für Zinsgewinne (eine Milliarde Euro!) nicht unterlaufen kann. Sie machte deutlich, dass Steuerflucht via Österreich läppisch ist im Vergleich zu den Steuervermeidungsparadiesen etwa unter britischem und niederländischem Einfluss. Das soll schlecht sein? Nein, in Brüssel ist Härte angebracht. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 13.5.2013)

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