Willenskraft und Huchen kauft man nicht

    Porträt12. Mai 2013, 17:54
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    Erich Amplatz strebte als Tischtennisspieler nach Perfektion. Er ist weit gekommen, aber erst als Guide für Fliegenfischer wird er seinen Ansprüchen vollkommen gerecht

    Langenlois - Ein Fachgeschäft für Fliegenfischerei stellt man sich anders vor. Die Räumlichkeiten von "Amplatz Excellent Fishing" in Langenlois mit ihren Vitrinen mit kunstvoll gebundenen Fliegen, mit sündteuren Ruten an den Wänden und den Fotos, die von oft und oft geglücktem Fischwaidwerk zeugen, sind allerdings auch nicht auf Laufkundschaft ausgelegt. Der ­53-jährige Hausherr empfängt nur gegen Voranmeldung. Dafür genießt der Besucher seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

    Erich Amplatz wirkt größer als die 1,83 Meter, die er sich gibt. Vielleicht auch, weil er sein Haar seit einigen Jahren stets offen trägt, erinnert nichts mehr an den Tischtennisspieler, der mehrere Jahre Österreichs unumstrittene Nummer eins war, der viermal Einzelstaatsmeister, mehrmals WM- und EM-Starter sowie 1992 Olympia-Teilnehmer in Barce­lona war. "Mit dem Tischtennis habe ich völlig abgeschlossen." Auf einen Status als Ehemaliger, auf Jubiläumsempfänge und dergleichen legt der Vorreiter für Werner Schlager keinen Wert. "Das war nie meines."

    Früh lädiert

    Der Judenburger Erich Amplatz, der sich ständig mit gesundheitlichen Problemen herumzuschlagen hatte - "Meine Knie waren schon früh kaputt" -, beendete 1999 nach fast 30 Jahren seine Karriere an der Platte. Im Tischtennis fand er nie das Profitum, das er sich nach seiner Ausbildung zum Werkstoffprüfer bei der Vereinigten Edelstahlwerke AG und seinem Wechsel vom Verein Atus Judenburg zum UTTC Langenlois vorgestellt hatte.

    Erich Amplatz hat diesen Sport betrieben, wie er später alles andere betreiben sollte - mit einem gewissen Hang zur Perfektion. Ausreden hat er nie gesucht, schon nicht, als er neben der Lehre noch in der Staatsliga spielte und ein Spielverhältnis von 0:22 aufwies, weil er wegen der Arbeit an einem Werkstück, an einem Schraubstock, schwer gehandicapt war. "Wegen des tagelangen Herumfeilens habe ich meine Hände kaum gespürt."

    In den Spiegel schauen

    Erich Amplatz galt stets als besonders fairer Spieler, der auch Schiedsrichter zu seinen Ungunsten korrigierte. Vom Gegner wurde ihm das nicht immer vergolten. "Aber ich habe mich immer in den Spiegel schauen können."

    Ernährt hat ihn das Tischtennis auch dann nicht ausreichend, als er am Zenit stand. Er arbeitete neben dem Sport als Fahrlehrer in Langenlois. Und er frönte die ganze Zeit über einer Leidenschaft, die ihm sein inzwischen 83-jähriger Vater Oswald vermittelte - der Fischerei. Auf der zweiten Seite einer Hochglanzbroschüre, die der werten Kundschaft sein berufliches Wirken näherbringt, ist Erich Amplatz als kleiner Bub auf dem Roller zu sehen. Vom Lenker baumelt ein Fisch, fast so lang wie Klein Erich selbst - ein Huchen.

    Huchen sind die größten ständig im Süßwasser lebenden Fische aus der Familie der Salmo­niden. In Österreich nicht mehr wirklich weit verbreitet ist die Unterart Hucho hucho, und auch eher nicht mehr dort, wo sie der Vulgoname Donaulachs vermuten lässt. In einigen Nebenflüssen der Donau gibt es allerdings Populationen, auch unter Auflagen befischbare. Die größten Exemplare, die mehr als 1,30 Meter lang und 30 Kilogramm schwer sind, tummeln sich im Oberlauf der Mur, an der Oswald Amplatz einst als Gewässeraufseher wirkte.

    Über alte Beziehungen hat dessen Sohn heute die Möglichkeit, auf rund 30 Kilometern auf Mur und Pöls verteilter Gewässerstrecke exklusiv das Fischen mit Fliegen anzubieten. Der erfahrene Guide garantiert den Erfolg, bei Forellen und Äschen sowieso, aber auch bei Huchen. Und er ist daher, obwohl nicht billig, "gut gebucht" .

    Wer fischen will, der muss warten

    Erich Amplatz begrüßt auch Prominente, aber es kommt nicht auf den Namen an. Wer fischen will, der muss warten." Auch könne man einen Huchen nicht kaufen, "wie man einen Hirsch zum Abschuss kaufen kann". Abgesehen davon kommt der Fisch stets mit dem Leben davon. Beim Fliegenfischen gilt Catch & Release, also Fangen und Freilassen.

    Das, gibt Erich Amplatz zu, "ist auch nicht die feine Art" , aber er bemühe sich um "möglichst schonende Befischung. Bei mir werden zum Beispiel keine Widerhaken verwendet." Dass es die Fische ohne Nachstellung besser hätten, sei nicht abzustreiten, "aber dann müsste man die ganze Fischerei verbieten, eine Grundsatzfrage".

    Erich Amplatz, Vater zweier erwachsener Kinder und seit mehr als 30 Jahren glücklich mit der ehemaligen Tischtennisspielerin Elisabeth Fetter verheiratet, hat jedenfalls geschafft, was vielen Spitzensportlern nach Ende der Karriere schwerfällt. "Jeder, der in der Öffentlichkeit stand, muss erst wieder runterkommen. Die Lücke zwischen Sport und Beruf zu schließen ist sehr schwer."

    Zuweilen gibt es auch in der umgekehrten Richtung Probleme. Erich Amplatz hatte mit seiner erfolgreichen Fischereikundschaft ein paar Festessen zu viel. Er löste sein Gewichtsproblem in der ihm eigenen Weise. "Ich habe mich aufs Rad gesetzt." Und zwar mit aller Konsequenz. Ziel sei es gewesen, jeden nur erdenklichen "Berg mit dem Rennrad und nebenbei plaudernd raufzufahren". Das dafür nötige Durchhaltevermögen hat er sich im Spitzensport angeeignet. "Man braucht diese Willensschulung, um generell erfolgreich zu sein. So gesehen, holt mich der Sport immer ein." Mittlerweile sitzt Amplatz täglich auf dem Rad und trainiert mit seinem eigenen Klub. Das summiert sich bei ihm auf rund 15.000 Kilometer pro Jahr.

    Stets fokussiert

    Durch des Präsidenten Kontakte aus der Fischerei hat der RSC Amplatz in einer sonst eher ­siechen Sportart eine Reihe von Sponsoren - vom Ristorante Danieli in der Wiener Innenstadt bis zum Dichtungs- und Maschinenhandel Traboch. Und er hat elf Elitefahrer, die regelmäßig Spitzenplätze bei nationalen und internationalen Rennen holen. Der Chef schaut auf jedes Detail. "Auf schmutzigen Rädern geht bei mir keiner ins Rennen."

    Stolz zeigt Erich Amplatz die Focus-Renner, die in seinem, nun ja, Museum stehen – jeder 7000 Euro schwer und ganz leicht. Kurzfristig soll der RSC Amplatz Continental-Team-Status erhalten und die Österreich-Rundfahrt schmücken. Weitere Ziele wird der Namensgeber garantiert finden. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 13.5.2013)

    • Erich Amplatz garantiert als Guide die schönsten Erfolge, etwa bei kapitalen Huchen, die ihrem Element nur für ein Foto entnommen werden. Der ehemalige Sportler hat sich seiner überflüssigen Kilo längst auf dem Rad entledigt. Nur die Fische, die seine Kunden am Haken haben, sind dick geblieben.
      foto: amplatz

      Erich Amplatz garantiert als Guide die schönsten Erfolge, etwa bei kapitalen Huchen, die ihrem Element nur für ein Foto entnommen werden. Der ehemalige Sportler hat sich seiner überflüssigen Kilo längst auf dem Rad entledigt. Nur die Fische, die seine Kunden am Haken haben, sind dick geblieben.

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