TV-Serientrends: Gut abgeschaut

10. Mai 2013, 18:50
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Bei den New Yorker Upfronts präsentieren US-Sender ihren Werbekunden frische Fernsehware. Die nahe Serienzukunft liegt in Adaptionen, darüber hinaus buhlen kopflose Reiter, alberne Werber und aneckende Sexualwissenschafter um ihr Publikum

New York / Wien - Dieses Frühjahr findet der Serienhöhepunkt im Web statt: 15 Folgen der vierten Staffel von "Arrested Development" stellt die Videoplattform Netflix am 26. Mai ins Netz. Fox wollte die Abenteuer der wortwitzigen Mitglieder der Familie Bluth 2006 nicht fortsetzen. 2013 feiert die kultisch verehrte Comedy ihre Wiederbelebung in Originalbesetzung. Der Wechsel des Mediums ist symptomatisch für das Fernsehen im Jahr 2013, das sich immer mehr in Konkurrenz zu Internetanbietern sieht, die in großem Stil ins TV-Geschäft einsteigen.

Dass Konkurrenz den Kunden freut, zeigt sich bei den diesjährigen Upfronts in New York, der wichtigsten Verkaufsveranstaltung für Werber, bei der TV-Stationen bekannt geben, welche Serien in Produktion gehen. Nach einer kurzen Atempause im Vorjahr ist das Angebot heuer wieder recht viel versprechend. Die Trends:

  • Eine gute Vorlage ist der halbe Erfolg, hofft die Branche: "Sleepy Hollow" war im Kino ein Hit, statt Johnny Depp jagt Tom Mison den kopflosen Reiter in Serie. Aus den 1970er-Jahren stammt "Tomorrow People" um Menschen mit Superkräften. Ableger von TV-Ware wie "Vampire Diaries" und "NCIS: LA", sind ebenso fix wie "About a Boy" von Nick Hornby, 2002 mit Hugh Grant im Kino. Chloe Sevigny geht in "Those Who Kill" nach dänischem Vorbild auf Serienkillerjagd. Ein Virus löst bei Jason Lee in "Second Sight" nach britischem Vorbild Halluzinationen aus. Irsonside basiert auf der 1960er-Serie mit Raymond Burr.
  • VIPs aus TV und Kino sind im Serienjahr zahlreich vertreten: Eddie Murphy geht mit "Beverly Hills Cop" in Serie. Robin Williams veralbert in "Crazy Ones" die Werbebranche. Parkinson mit Augenzwinkern verhandelt die Michael-J.-Fox-Show. Steve Zahn und Christian Slater raufen sich in "Influence" zusammen. Gillian Anderson (Akte X) spielt in der Verschwörungsthrillerserie "Crisis". Toni Collette (The United States of Tara) findet sich als Chirurgin in einer Politverschwörung. Felicity Huffman (Desperate Housewives) bringt in "Boomerang" Geschäft und Familie unter einen Hut. Peter Tolan setzte in "Rescue Me" die New Yorker Firefighter nach 9/11 in Szene, mit "Rake" geht er in Abgründe des Anwaltdaseins.
  • Zwischenreiche sind hoch im Kurs: JJ Abrams (Star Trek, Lost) meldet sich, wie üblich, mit mysteriöser Kost: In "Almost Human" gehen Polizisten auf Streife, begleitet von unmenschlichen Kollegen. Zukunftshorror steht einem Marine-Kapitän in "The Last Ship" bevor. Romantische Liebe zwischen Mädchen und Außerirdischem bringt "Oxygen". In "The 100" testen Einwohner von Weltraumstationen die Erde im 31. Jahrhundert auf ihre Wohntauglichkeit. Ins Fantasyreich führt voraussichtlich "S.H.I.E.L.D."
  • Beziehungswirrwarr In "Masters of Sex" spielen Michael Sheen und Virginia Johnson die legendären Sexualwissenschafter William Masters und Virginia Johnson in den 1950er-Jahren. Ein depressiver Gynäkologe in den 30ern sucht in der Comedy "Friends With Better Lives" neuen Lebenssinn. "Dads" zielt auf das Onkel-Charlie-Publikum: Ein Männerhaushalt, der Zuwachs durch zwei Väter bekommt.
  • Spannung auf hohem Niveau ist mit "The List" zu erwarten, über ungeklärte Morde an Mitglieder eines Zeugenschutzprogramms. (Doris Priesching, DER STANDARD, 11./12.5.2013)
  • Sehnsüchtig erwartet, aber ab 26. Mai nicht im Fernsehen, sondern im Web: Familie Bluth aus "Arrested Development".
    foto: netflix

    Sehnsüchtig erwartet, aber ab 26. Mai nicht im Fernsehen, sondern im Web: Familie Bluth aus "Arrested Development".

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