Japans Privatanleger entdecken die Börse

10. Mai 2013, 18:38
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Das billige Geld der Notenbank treibt auch in Japan die Börse zum Höhenflug an. Experten warnen vor zu hohen Erwartungen

Seit Mitte November des Vorjahres kennt der japanische Leitindex Nikkei scheinbar nur noch eine Richtung: die nach oben. Innerhalb von sechs Monaten hat das Aktienbarometer um gut zwei Drittel zugelegt. Allein in diesem Jahr beläuft sich der Zuwachs auf 41 Prozent. Am Freitag beendete der Nikkei den Handel bei 14.607 Punkten - und damit am höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Zuvor war der Dollar über die Marke von 100 Yen gestiegen. Auch der Euro bewegte sich mit knapp 132 Yen auf Mehrjahreshoch.

Erneut waren Aktien von Exporteuren gefragt. Sie profitieren besonders von der Schwäche der heimischen Währung, weil ihre Produkte dadurch im Ausland wettbewerbsfähiger werden.

Steigendes Interesse bei Kleinanlegern

Nachdem das Börsengeschehen in Tokio zunächst von internationalen Investoren, insbesondere von Hedge-Fonds dominiert war, steigt seit Jahresbeginn das Interesse unter Nippons Kleinanlegern. Online-Broker melden für das erste Quartal so hohe Handelsumsätze wie zuletzt vor sieben Jahren unter dem damaligen Reform-Premierminister Junichiro Koizumi. Gleichzeitig boomen Verkäufe japanischer Aktienfonds. Das ist ganz im Sinne der seit Dezember amtierenden Regierung unter Premier Shinzo Abe, die Japans Wirtschaft aus ihrer Stagnation befreien will.

Beobachter erwarten, dass nun langfristig orientierte Investoren aus dem In- und Ausland nachziehen werden. "Fondsmanager können es sich nicht mehr lange leisten, keine japanischen Aktien zu kaufen", sagte Kenichi Hirano, Analyst bei Tachibana Securities der Nachrichtenagentur Dow Jones. Zudem suchen Japans Banken, Pensionsfonds und Versicherer nach der jüngsten, erneuten geldpolitischen Lockerung der japanischen Notenbank, vermehrt nach Alternativen zu niedrig verzinsten Anleiheinvestments. Die finden sie einerseits im Ausland, andererseits in heimischen Aktien. Das würde für eine Fortsetzung der Hausse oder zumindest eine Stabilisierung des Marktes auf hohem Niveau sprechen.

Gleichzeitig mehren sich warnende Stimmen: Die Risiko-Ertrags-Gleichung für japanische Aktien hat sich verschlechtert, schrieb Morgan Stanley schon vor Tagen in einem Bericht an Investoren. Zum einen seien die Aktien sehr hoch bewertet, zum anderen seien kurzfristig keine weiteren positiven Impulse für den Markt abzusehen. Strategen der Bank of America Merrill Lynch hoben diese Woche zwar ihre Erwartung für die Entwicklung der Aktienkurse an - doch angesichts des "Potenzials für eine kurzfristige Korrektur" sollten die Anleger auf Kurs-Nachzügler setzen.

G-7 beraten

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken ist auch beim G-7-Gipfel Thema. Die Regierungsvertreter der G-7 und die Chefs der Notenbanken beraten in Buckinghamshire in der Nähe von London über das weitere Vorgehen. Denn das billige Geld treibt zwar die Börsen an, die Konjunktur kommt allerdings nicht in Schwung.

Vor allem die USA beäugen die japanische Währungspolitik kritisch. Der schwache Yen helfe zwar der Exportindustrie, andere Staaten sehen darin aber einen unrechtmäßigen Vorteil für Japan. Auch der Kampf gegen Steueroasen sollen angesprochen werden, hieß es. (Birga Teske, DER STANDARD; 11.5.2013)

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    Der Yen gibt nach - japanische Exporteure freut's. Auch die Börse kommt in Schwung. Japans Regierung hofft, den Weg aus der langjährigen Stagnation zu schaffen.

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