Evolutionäre TV-Hilfe

10. Mai 2013, 18:13
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Besonders zu Feiertagen werden Sender zu Repetitionsmaschinen

Fernsehen - Karl Kraus muss für die Gedankenübertragung gedankt werden - ist womöglich jene Krankheit, als deren Therapie es sich ausgibt. Liegt es sich indes grippal darnieder, weiß der Malade die Vorzüge der Zeit verkürzenden Berieselung zu ehren. Mag selbige auch in Form der x-ten Wiederbegegnung mit Filmkumpanen stattfinden, deren Monologe auswendig zu beherrschen, über die gemeinsamen TV-Jahre unvermeidlich wurde.

Besonders zu Feiertagen werden Sender zu Repetitionsmaschinen. Neuheiten sind ja sehr teuer. Es bleibt jedoch selbst beim Unpässlichen eine kleine Sehnsucht nach Erkenntnisgewinn, nach irgendetwas lebendig, das sich bereichernd in das innere Archiv integrieren ließe. TV als Buch, damit nach Konsumstunden nicht doch jene berüchtigte Leere des Sinnlosen das Innere befällt.

Dass gerade die "Seitenblicke" in diesem Punkt zum Roten Kreuz würden, war am Feiertag nicht absehbar. Was geschah? Das Jane-Goodall-Institut feierte Jubiläum, gab einen Kinoabend mit Disneys "Chimpanzee"; und die Seitenblicke taten ihr Werk, animierten also Menschen zu Antworten.

Man ließ Lilian Klebow "schimpansisch" plaudern ("Uh, uh, uh!"). Klaus Eberhartinger sprach über Naturentfremdung ("Es gibt Kinder, die haben nicht einmal ein Hendl gesehen!"). Es ging also üblich dahin, bis Felix Gottwald plötzlich Verhaltensforscherin Jane Goodall zitierte: Das Missing Link zwischen Schimpanse und "human being", das seien wir. Die aphoristische Gedankenperle!

Solche Erfolge sollte natürlich den Seitenblicken Ansporn sein, Sehern noch mehr evolutionäre Entwicklungshilfe in Richtung "human" zu bieten. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

Link zur ORF TVThek

"Seitenblicke"

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