"Volksbanken und ÖVAG führen keine Liebesehe"

Interview10. Mai 2013, 17:42
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ÖVAG-Chef Stephan Koren will die Bank bis Ende 2015 abgebaut haben und wartet auf den Raiffeisen-Sanierungsbeitrag

Standard: Die ÖVAG muss nach ihrer Teilverstaatlichung enorm schrumpfen. Wie weit sind Sie schon gekommen?

Koren: Ich bin seit acht Monaten da und uns ist schon einiges gelungen – aber natürlich werden wir noch viel sanieren müssen. Die Bilanzsumme haben wir von 2011 auf 2012 um sieben Milliarden Euro verkürzt, und wir haben dabei zwar Verluste gemacht, aber das Kapital geschont. Mit diesem Schwung arbeiten wir am Abbau weiter. Die EU und die Republik verlangen, dass von der alten ÖVAG, die einst 70 Mrd. Euro Bilanzsumme hatte, nur ein paar Milliarden bleiben und sie zur reinen Steuerungseinheit und Konsortialpartner für den Sektor wird. So ist das eben.

Standard:  Die risikogewichteten Aktiva lagen Ende 2011 bei 26 Mrd. Euro, 2012 bei 15 Mrd. Sie müssen 2017 bei drei bis fünf Milliarden landen – werden Sie das schaffen?

Koren: Wir sind unserem Zeitplan voraus und wollen das Ziel vor 2017 erreichen. Wir müssen ja möglichst rasch die Kosten des Abbauprogramms abschätzen können und irgendwann die Vergangenheit hinter uns lassen, damit der Sektor befreit in die Zukunft gehen kann. Das wesentliche Risiko wollen wir bis Ende 2015 los haben. Das problematischste Asset ist die Bank in Rumänien, verkaufen müssen wir aber auch die profitable Leasing-Gesellschaft sowie Immobilien-Portfolios. Die rumänische Bank möchten wir rasch zu einer Retailbank machen; sie hat ja bisher ausschließlich Fremdwährungskredite vergeben.

Standard:  An der Leasing-Holding ist Raiffeisen interessiert. Die RZB schuldet der ÖVAG immer noch ihren Sanierungsbeitrag zur Verstaatlichung; der Termin dafür war im Oktober. Wie lange schauen Sie noch zu?

Koren: Wir führen laufend Gespräche mit Raiffeisen. Bei der Leasing wollen wir demnächst die Ausschreibung fertig haben, Raiffeisen ist herzlich eingeladen, am Verkaufsprozess teilzunehmen. Aber natürlich bekommt der den Zuschlag, der das beste Angebot legt, das sind wir auch dem Steuerzahler schuldig. Wir können das nicht einfach freihändig vergeben. Sollte Raiffeisen kaufen, wäre die RZB-Verpflichtung gegenüber der Republik wahrscheinlich erfüllt.

Standard:  Bei der RZB sagt man, die Portfolios, die Sie anbieten, seien letztklassig.

Koren: Wenn eine Bank Assets kauft, ist das immer eine Frage des Preises.

Standard:  Bisher haben Sie als Banker Geschäft akquirieren müssen, jetzt geht es nur ums Schrumpfen. Komisches Gefühl?

Koren: Das ist eine große Umstellung – aber die trifft alle Banker, weil sich das Umfeld radikal verändert. Es ist wie in den 80ern in der Stahlindustrie, da haben es viele Unternehmen nicht geschafft, aber einige, wie die Voest, schon. Ähnliches werden wir bei den Banken erleben.

Standard:  Wird die ÖVAG überleben?

Koren: Ich gehe davon aus.

Standard:  Die ÖVAG arbeitet ihren von der EU abgesegneten Restrukturierungsplan ab; bei der Hypo Alpe Adria spießt sich das total, die EU droht mit Schließung. Was ist im Umgang mit der EU das Wichtigste?

Koren: Das Wichtigste ist, alle Zusagen einzuhalten. Uns geht es darum, den Abbauprozess möglichst schnell zu beenden. Die ÖVAG ist ja nur eine Abbaubank: Es bleibt der Sektor übrig und seine Steuerungseinheit ÖVAG. Mehr nicht.

Standard:  Gibt es denn Käufer für Assets?

Koren: Durchaus, man findet Käufer.

Standard:  Nach der Verstaatlichung musste sich der Volksbankensektor in ein strenges Verbundkorsett schnüren lassen, mit der ÖVAG als Spitzeninstitut mit Durchgriffs- und Weisungsrechten. Man hört, dass die Volksbanken, die ja auch ÖVAG-Aktionäre sind, dagegen opponieren. Tun Sie das?

Koren: Es gibt Liebesehen, die schnell verglühen und Vernunftehen, die nachhaltig ganz gut funktionieren. Volksbanken und ÖVAG führen keine Liebes-, aber eine Vernunftehe, für beide Seiten. Denn wir werden alle Synergien brauchen können, die es gibt. Alle wissen also, dass alte Zöpfe abgeschnitten werden müssen, und so etwas geht nicht konfliktlos. Die Volksbanken geben Selbstständigkeit und Unabhängigkeit an ihre ÖVAG ab, die als Verursacherin der Probleme gesehen wird. Dass man sich daran reiben kann, ist also nachvollziehbar.

Standard: Sie haben also viel Streit.

Koren: Es ist nicht leicht, mit mir zu streiten.

Standard:  Wie viel Geld vom Staat werden Sie noch brauchen und wann?

Koren: Das ist schwer zu prognostizieren, hängt davon ab, zu welchen Preisen wir was verkaufen können. Zuletzt haben wir Dinge zu erstaunlich guten Preisen losgeschlagen. Und es hängt daran, welche Eigenkapitalvorgaben uns die Regulatoren machen. Derzeit gehe ich davon aus, dass wir heuer kein frisches Geld brauchen. (Renate Graber, DER STANDARD; 11.5.2013)

Stephan Koren (55) leitet die teilstaatliche ÖVAG seit vorigem Juli. Zuvor war der Sohn des gleichnamigen ÖVP-Finanzministers Chef der PSK, bis 2011 saß er im Vorstand der Bawag.

  • Stephan Koren: "Es ist nicht leicht, mit mir zu streiten."
    foto: standard/urban

    Stephan Koren: "Es ist nicht leicht, mit mir zu streiten."

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