Betriebsansiedler als Budgetschoner

10. Mai 2013, 17:12
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Eine Studie bescheinigt, dass die Steuerleistungen der angesiedelten Betriebe die Kosten der Ansiedlungsagentur bei weitem übersteigen

Wien - Die Ansiedlung internationaler Unternehmen in Österreich wirft einiges für die heimische Staatskasse ab. Die Beratungsgruppe Leitner&Leitner hat im Auftrag der Austrian Business Agency (ABA) das Aufkommen aus Ertragsteuern der 557 von 2006 bis 2008 nach Österreich geholten Betriebe analysiert: Sie haben dem Fiskus allein 2008 bis 2010 56 Millionen Euro an Steuern gebracht. Rechnet man die Abgaben dieser Firmen auf zehn Jahre hoch, ergibt sich ein Barwert von 161 Mio. Euro.

Für ABA-Chef René Siegl rechtfertigen diese Zahlen die Existenz der Agentur. Einem durchschnittlichen Steueraufkommen von knapp 19 Mio. Euro im Jahr stehe ein ABA-Budget von 4,9 Millionen gegenüber, sagt er im Gespräch mit dem Standard. Gegenüber dem Barwert der auf zehn Jahre projizierten Rückflüsse liege der Aufwand bei drei Prozent. Siegl betont, dass weitere Abgaben wie Lohnsteuern oder Sozialversicherungsbeiträge in der Untersuchung nicht erfasst wurden, die Berechnung über das Aufkommen somit sehr konservativ sei.

Italien schaut über die Grenze

Zuletzt hat Österreich einige neue Investitionen aus dem Ausland erhalten, die der Krise in den Nachbarländern geschuldet sind. Italienische Betriebe beispielsweise verstärkten die Suche nach Abnehmern jenseits der Grenze, was laut Siegl zu 22 Ansiedlungen in Österreich geführt hat. Damit nahm das südliche Nachbarland Platz zwei hinter Deutschland ein, das deutlich vorn ist (rechts stehende Grafik). Auch die Krise in Slowenien und in Ungarn habe das Interesse an österreichischen Standorten erhöht, weiß der ABA-Chef.

Keine Angaben will Siegl zur möglichen Beeinträchtigung durch den internationalen Kampf gegen Steuervermeidung machen. Zurzeit zieht es zahlreiche deutsche Firmen nach Österreich, um vom heimischen Doppelbesteuerungsabkommen mit China zu profitieren. Legendär sind die vorteilhaften Steuerkonditionen für russische und brasilianische Konzerne. Aus Südamerika firmieren u. a. Petrobras, Vale oder Odebrecht in Österreich und lenken internationale Umsätze nach Wien. Aus Russland sind hierzulande Lukoil und Gasprom mit Holdings vertreten und nützen entsprechende Abkommen. (as, DER STANDARD, 11.5.2013)

  • Ein internationales Unternehmen, das sich in Österreich ansiedelt ist zuweilen wie ein dicker Fisch im Netz.
    grafik: standard

    Ein internationales Unternehmen, das sich in Österreich ansiedelt ist zuweilen wie ein dicker Fisch im Netz.

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