Freie Jemen-Geiseln: Über Lösegeld spricht man nicht

10. Mai 2013, 17:58
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Nach der Freilassung der Geiseln gibt es widersprüchliche Angaben

Wien/Maskat/Sanaa - Wer auf Youtube den berührenden Video-Appell gesehen hat, in dem im vergangenen Februar die Familie von Dominik N. (26) um das Leben ihres Sohnes gefleht hatte, kann erahnen, wie sich nach vier Monaten nun das Wiedersehen abgespielt hat. Wie berichtet, wurden der 26-jährige Sprachstudent sowie das ebenfalls im Dezember in Sanaa entführte finnische Ehepaar Atte und Leila K. am Mittwochabend freigelassen und am nächsten Tag von der omanischen Hauptstadt Maskat nach Wien geflogen.

Erste Station war das Heeresspital in Wien-Floridsdorf, weil das in einer Kaserne befindliche Krankenhaus gut abgeschirmt werden kann. Zum Gesundheitszustand der Freigelassenen hieß es: "Den Umständen entsprechend gut." Alle drei konnten das Spital inzwischen verlassen.

Berichte über "Millionensumme"

Zu Lösegeldzahlungen gibt es - wie so oft in Enführungsfällen - unterschiedliche Angaben. Bundeskanzler- und Außenamt beharren darauf, keinen Cent an die Entführer gezahlt zu haben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Informanten in Sanaa von einer "Millionensumme". Auch die Yemen Times geht von der Bezahlung einer nicht näher genannten Summe aus. Fest steht, dass die Freilassung auf Vermittlung des Oman glückte. Die Entführer sollen von einem Stamm aus der Hawf-Region an der Grenze zum südlichen Oman stammen. Später sollen die Geiseln an Al-Kaida verkauft worden sein.

Zuletzt waren die Geiseln in der Hawf-Region in der östlichsten Provinz des Jemen, Al-Mahra (siehe Grafik), versteckt worden. Berge und Wälder der Naturschutzregion setzen sich auf omanischem Gebiet fort (die Region um Dhofar) und sind dort sehr beliebt bei Urlaubern aus Wüstenstaaten. Auf Druck des Sultans von Oman, Qaboos bin Said Al Said, sollen die Entführer die Zusammenarbeit mit Al-Kaida beendet und die Geiseln freigelassen haben.

Österreich und der Oman haben gute wirtschaftliche Beziehungen. Die Strabag hat viele Straßen gebaut, in der großen Sultan-Qaboos-Moschee in Maskat hängt ein vier Tonnen schwerer Kristallluster von Swarovski. Und der Oman hat Erdöl- und Erdgas.

Für den gesamten Jemen gilt weiter offizielle Reisewarnung. Zum Zeitpunkt der Entführung war das nicht der Fall. Deshalb wird es nicht so einfach für die Republik, eine im Konsulargebührengesetz vorgesehene Entschädigung für entstandene Kosten zu erhalten. Laut Krone könnte Österreich versuchen, sich 50.000 Euro von N. zurückzuholen. (simo, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

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    Frei: Dominik N. (vorn) und das finnische Ehepaar.

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    grafik: der standard
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