"Unser Fokus liegt auf frei finanziertem Bereich"

Interview11. Mai 2013, 10:04
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Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der BIG-Tochter ARE, zieht eine Zwischenbilanz über die Auslagerung eines Teils des BIG-Portfolios

Seit gut vier Monaten ist ein Teil des BIG-Portfolios in eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der BIG-Tochter Austrian Real Estate GmbH, zieht eine Zwischenbilanz. Wojciech Czaja stellte die Fragen.

STANDARD: Seit 1. Jänner gibt's nun die BIG-Tochter Austrian Real Estate GmbH (ARE). Wie läuft das Geschäft?

Weiss: Das Geschäft läuft sehr gut, aber nach ein paar Monaten kann man noch keine konkrete Aussage treffen. Wir sind derzeit dabei, die ARE noch besser zu strukturieren. Und wir sind immer wieder in Gesprächen und Verhandlungen mit privaten Interessenten für unsere freien Flächen und diversen anderen Liegenschaften.

STANDARD: Was ist anders als in der BIG?

Weiss: Definitiv anders ist unsere Position am Markt. Im Gegensatz zur BIG ist die ARE nicht nur Entwicklerin und Veräußerin ihrer eigenen Objekte, sondern wir suchen auch gezielt nach bereits vermieteten Objekten, um diese anzukaufen.

STANDARD: Bei Firmengründung Anfang des Jahres hieß es, das Portfolio solle "marktfit" gemacht werden. Das heißt?

Weiss: Wir werden in nächster Zeit ein ganz genaues Screening machen, um zu schauen, wo wir uns vertiefen können und wo wir Objekte abstoßen werden.

STANDARD: Und zwar wo?

Weiss: Derzeit sind unsere Liegenschaften über Gesamtösterreich verteilt, da gibt es das eine oder andere Objekt, das heute nicht mehr in unser Portfolio passt. Ganz konkret geht es da beispielsweise um Objekte in peripheren Lagen. Von diesen möchten wir uns trennen.

STANDARD: Die ARE ist auf Büro- und Gewerbebauten spezialisiert - gegründet in einer Zeit, da der Büromarkt in Wien ziemlich schwächelt. Warum gerade jetzt?

Weiss: Gerade jetzt, in einer Wirtschaftssituation, wie wir sie heute in Österreich vorfinden, muss man dafür sorgen, dass man die Zeit und die Gelegenheit dazu nutzt, strukturelle Änderungen vorzunehmen und die Infrastruktur zu verbessern. Oder anders ausgedrückt: Gerade jetzt ist die Zeit reif, sich zu überlegen, ob alte, leerstehende Bürobauten immer noch bürotauglich sind oder ob es nicht besser wäre, diese Objekte einer neuen, einer gefragteren Nutzung zuzuführen.

STANDARD: Wohnen und Hotel?

Weiss: Zum Beispiel. Es sind bereits einige Projekte in Entwicklung, die sich verstärkt mit dem Thema Wohnen im freifinanzierten Bereich befassen. Wir haben auch schon Erfahrungen im Bereich des betreuten und betreubaren Wohnens gemacht – beispielsweise beim Projekt Residenz am Hamerlingpark. Ich denke, das ist ein Thema für die Zukunft, denn wir spüren eine Nachfrage, die weit über dem Angebot liegt.

STANDARD: Sie haben den freifinanzierten Bereich angesprochen. Wie schaut es denn mit gefördertem Wohnbau aus?

Weiss: Wir legen den Fokus auf den frei finanzierten Bereich. Unser Schwerpunkt ist sicherlich nicht der geförderte Wohnbau. Da gibt es andere Teilnehmer am Markt, die das besser können.

STANDARD: Eines der prominentesten ARE-Projekte ist "Nächst Stephan" in der Wollzeile. Schaut aus, als läge die Baustelle in den letzten Zügen. Ist das so?

Weiss: Der Umbau ist so gut wie abgeschlossen. Die Geschäfte in der ­Passage im Erdgeschoß sind bereits zur Gänze vermietet. Und was die Verwertung der Flächen in den Obergeschoßen betrifft, sind wir gerade in einer heißen Phase. Es gibt mehrere Inter­essenten für die Miet­flächen, allerdings sind wir auch im Gespräch mit einem poten­ziellen Großmieter. Wir stehen in intensiven Verhandlungen. Da­her kann ich dazu noch nichts sagen.

STANDARD: Offizielle Eröffnung?

Weiss: Die Fertigstellung ist für Anfang Juni gedacht. Die offizielle Eröffnung hängt jetzt aber davon ab, welchen Weg wir gehen werden. Da muss ich Sie auf später vertrösten.

STANDARD: Als ARE sind Sie nun nicht mehr in einer Quasimonopolstellung wie die BIG, sondern aktiver Marktteilnehmer. Wie wollen Sie sich langfristig profilieren?

Weiss: Ich glaube, dass sich auch die BIG mehr und mehr in ei­ner Konkurrenzsituation befindet. Nur ein Beispiel: Der Universitäts- und Schulbau wird für andere Marktteilnehmer zunehmend interessant, Stichwort PPP. Darauf müssen wir reagieren. Und was die ARE betrifft: Wir haben den großen Vorteil, dass wir, ausgehend von einer stabilen Eigen­tümer- und Kundenstruktur, ein verlässlicher Marktteilnehmer sind. Wir haben gute Standorte und ­Lagen im Portfolio. Diesen Vorteil wollen wir weiterhin ausbauen.

STANDARD: Welchen Umsatz erwarten Sie sich für heuer?

Weiss: Wir haben in der ARE für 2013 einen operativen Umsatz von über 170 Millionen Euro geplant, davon etwa 150 Millionen Euro aus Mieten.

STANDARD: Zu BIG-Zeiten lag der Anteil der Drittmieter - also jener Mieter, die nicht zur öffentlichen Hand gehören - bei 2,7 Prozent. Wo stehen Sie heute?

Weiss: Im gesamten BIG-Konzern liegt der Privatmieteranteil nach wie vor bei knapp drei Prozent. Wenn man nur die ARE betrachtet, so liegen wir derzeit bei sieben bis acht Prozent. Diesen Anteil möchten wir zeitnah und massiv steigern.

STANDARD: Zeitnah und massiv bedeutet?

Weiss: Wir sprechen von etwa zwölf bis 15 Prozent in den nächsten ein bis zwei Jahren.

STANDARD: Noch ist die ARE eine GmbH. Haben Sie vor, mit der ARE an die Börse zu gehen?

Weiss: Ein Börsengang ist definitiv nicht geplant. Jetzt geht es erst einmal darum, das Unternehmen marktfit zu machen. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

Hans-Peter Weiss (42) ist Geschäftsführer der BIG-Tochter Austrian Real Estate GmbH (ARE). Rund 25 Prozent des BIG-Bestands wurden in die ARE ausgelagert, das sind rund 600 Objekte mit einer Gesamtnutzfläche von 1,8 Millionen Quadratmetern.

  • ARE-Projekt am freien Markt: Landespolizeidirektion Steiermark in Graz. Geplante Fertigstellung: Juni 2014.
    foto/visualisierung: peschke design

    ARE-Projekt am freien Markt: Landespolizeidirektion Steiermark in Graz. Geplante Fertigstellung: Juni 2014.

  • ARE-Chef Hans-Peter Weiss: "Wir suchen auch gezielt nach bereits vermieteten Objekten, um diese anzukaufen."
    foto: are

    ARE-Chef Hans-Peter Weiss: "Wir suchen auch gezielt nach bereits vermieteten Objekten, um diese anzukaufen."

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