Nepal: Gnädiges Urteil für Vergewaltiger

10. Mai 2013, 15:18
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Fünfeinhalb Jahre Haft für Beamten, der Sita Rai vergewaltigte - Anwalt und Familie des Opfers von Urteil enttäuscht

Jener nepalesische Polizeibeamte, der im November des Vorjahres die 21-jährige Sita Rai (Name geändert) vergewaltigte, wurde Ende April für schuldig gesprochen. Das Gericht in Kathmandu verurteilte den Täter, Parashuram Basnet, zu fünfeinhalb Jahren Haft und eine Entschädigungszahlung von 50.000 Rupies, berichtet die nepalesische Zeitung "The Kathmandu Post".

Vor der Vergewaltigung wurde die Arbeitsmigrantin Sita Rai von Beamten der Einwanderungsbehörde erpresst und bestohlen. Die Beute verteilten sie untereinander. Basnet und seine Kollegen müssen sich deshalb auch vor einem Gericht wegen Korruption und Amtsmissbrauch verantworten.

Jede zweite Frau mit Gewalterfahrung

Die Vergewaltigung der 21-Jährigen löste in Nepal – etwa zeitgleich mit den Protesten in Indien – eine Welle der Entrüstung aus. Unter dem Namen "Occupy Baluwatar" protestierten Frauen wie Männer über 25 Tage hindurch, um die genaue Untersuchung des Falls Rai zu erzwingen. Wie in Indien wird sexuelle Gewalt an Frauen totgeschwiegen. Und wie in Indien macht auch in Nepal jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben eine Gewalterfahrung.

Eltern und Anwalt von Sita Rai enttäuscht

Vergewaltigt ein Mann in Nepal eine Frau, die älter als 20 Jahre ist, sieht das Strafgesetz eine Minimalstrafe von fünf Jahren, und eine Maximalstrafe von sieben Jahren Haft vor. Dementsprechend unzufrieden zeigte sich der Anwalt von Sita Rai: Aufgrund der Schwere des Vergehens, nicht zuletzt wegen Basnets Stelle als Staatsbediensteter, habe er ein härteres Urteil erwartet.

Auch die Familie des Opfers ist mit der Entscheidung des Gerichts nicht einverstanden, berichtet die Zeitung "República". Dass gerade jene Personen, die für die Sicherheit seiner Tochter zuständig seien, so mit ihrem Leben gespielt haben, entmutige den Vater von Sita Rai. Ob er das Urteil anfechten werde, könne er jedoch nicht sagen. Er werde sich vorerst mit UnterstützerInnen seiner Tochter beraten. (eks, dieStandard.at, 10.5.2013)

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