Thomas Glavinic: "Von der Bollidigg brauch i nix"

11. Mai 2013, 17:00
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Die Merkel, der Putin, der Stronach, die EU: Was von den Mächtigen zu halten ist. Monolog eines Polit-Kenners vor der "Zeit im Bild"

Pass amoi auf, du Gwandlaus, wann i Zeit im Bild schaun wü, dann schau i, was isn los mit dir? Was? Wieso? Ja des is do net mei Problem, wozu gibts denn da an Fernseher? Is des a Fernseher oder a Aquarium? Siechst du da irgendwo Fisch drin schwimmen? Wo isn der Herr Karpfen? Na oiso. Was haast stören, gehst eben in a Lokal, wo ka Fernseher steht, aber i schau da meine Nachrichten.

Na serwas, das Erste, was ma bei de Nochrichtn siecht, is der Darabos. Den hab i scho gfressen. Von dem wollt i aa amoi a Audogramm, hab ihm eh gschriebn, is zruckkommen vom Ministerium a Schrieb, der Herr Menister gibt kane Audogramme. So a Oaschloch. Die, die kane Audogramme gebn, des san de ärgsten Pülcher.

Der andere hat mir ans geben, wie hat er ghaßn? Sag! Na wurscht, is eh nix wert. Im Dorodeum kriagst für sei Audogramm ned amoi an Zwanzger. Der Darabos kann net amoi an oidn Mann a Zuckerl in Boart picken, sag i dir, und sowas war Vadeidegungsmenister. Da hätten uns sogar de Liechtensteiner einbaun kennan.

Na schau, der Stronach! Der is scho in Urdnung, der gfeanzte Hund, den mag i. Der sagt wenigstens, was is. Außerdem spendet er, der gibt was her und kassiert net nur. Was? Was haaßt Betriebsrat? Was geht mi den sei Betriebsrat an? Das is do mir powidl, ob der an Betriebsrat hat oder net, hackel i für eahm? Hacklst du für eahm? Na also, dann sag mir amal, was du di da aufpudelst! Die Leut san ja alle nur neidig auf eahm.

"Fränk, a Audogramm, bitte, und du bist a Superbursch!", hab i gsagt und eahm aufn Ruckn poscht. Hat er glocht. "Aber sicher", hat er gsagt, er hat ma sogar zwa gebn, ans für die Mama aa. Der is wahrscheinlich froh, wannst eahm net anschnorrst. Solchane Leut brauch ma in Österreich, kane Bonzen, de nur kassiern. Da san de aundern olle gleich, rot, schwoaz, blau oder orange, und von de Gstricktn red ma goa net, de wolln Autos verbieten und ollas andere aa, de Dillos.

Syrien! Wann i des scho hea. Dabei wissen do olle, was für Hiniche die Araber san und dass ma de allanich lassen muass, damit de ihnere Wickel allanich richten. Was kennan de eigentlich? Außer si de Schädel einhaun? Na goa nix. Kopfabschneiden, zack. Sowas kennans. Na is doch woahr! Was fahren de für Autos? Ha? Unsere! Mercedes! Überall Mercedes! Auf jeder Straßn Mercedes! Eh nur de Männer, weil de Frauen dort net fahren dürfen, ganz deppert san die Araber nämlich aa net.

Aber scho deppert. I maan, de fahrn unsere Autos, die kennan sööwa kaane Autos baun, waal die Arbeit, die schmeckt dem Araber nicht. Womit schaun de fern? Ha? Siemens! Oder was Japanisches, aber sicher nix Arabisches. Aber unsere Statuen in die Luft sprengen, des kennans. Na hab i do ghört, war ja amal, hab i do glesen des mit die Statuen.

Ich war ja amai durt. In Ägypten. Des Anzige, was da guat is, des war der alte Bresident. Der Mubarak. Der hat de Depperten no in Griff ghabt. Von den hab i sogar a Audogramm. Der Gaddafi wollt mir kans schicken, der Fetzenschädel, siechst eh, was er jetzt davon hat, haha. Der Mubarak woa brav, der hat gschickt! Mit an Foto. Fesch is er drauf, oisa Junger, a schneidiger Kampel, in der Uniform, und dazu an Schrieb mit wos Arabischen hab i a kriagt.

Die Merkel! De lasst si auf nix ein. Das is no a Führerin, ned so wie der Faymann, der Spagatscheißer, der mir ka Audogramm gebn hod. Na do unten auf der Zwarerlinie hab i eahm gsehn, is er gangen mit der klanen Depperten, waaßt eh, und daneben der Lange mitn spitzn Gsicht, ganz wichtig woans, bin i hin, Herr Bundeskanzler, hob i gsogt, wengan Audogramm warats, hod er mi deppert angschaut. Is eh nix wert, den sei Audogramm, da lachens di im Dorodeum eh aus, wannst kummst.

Die Merkel is scho anders, de is mehr wie die Thatcher. De hat si a auf nix einglassen. In Falkland hat sie zack zack die Australier ane auf die Goschen geben, und was war? Guat wars! Dabei ham de kaane zwatausend Einwohner auf de Scheiß-Inseln!

Wegen den Bibione da unt hats glei gscheppert, die Thatcher hat si nix gfalln lassn. Na ja, wengan Öl, was sunst. Na, die Thatcher muass es aber scho gwusst ham, von der kost a Audogramm nämlich an Tausender. Tausend Euro! Des schafft die Merkel net! Aa de schofft des net! De sollt lieber amoi der Sufflakipartie ane auf die Pappn gebn, warat owa sowas von Zeit. So a Krieg is ja net des Schlimmste. Deswegen miassn an die Syrianer aa net laad tuan, weil so a Krieg, der holt das Beste aus dem Menschen hervor.

Der Putin, was hat der gesagt wegen dem? A ganzes Volk verrottet, des braucht so aan wie in Putin, der Russe braucht die starke Hand, vom Putin des Audogramm bringt aa locker an Tausender im Dorodeum, Schmäh ohne. Aber i sags dir, i war amal in Moskau, wie die Frau des Preisausschreiben gwunna hat, und dort kriagt mi kana mehr hin. Kann kana Deutsch durt. Durt kann überhaupt kana Fremdsprachen. Russland schottet sich ab. Gstunken hats, die ham dort U-Bahnen, da fäults, a Wahnsinn.

Die EU! Was schauma uns da die Nachrichten an, es is eh immer das Gleiche. Gestern des Gleiche, vorgestern des Gleiche, morgen werma denselben Scheißdreck hören, und kaana außer mir wird's merken. Uns scheißt a Haufen Oaschlecha dauernd am Schädel, so schauts aus. Die EU druckt scho längst Geld, so schauts nämlich aus. Glaubst du in Ernst, wir erfahrn alles? Die sagen uns an Dreck sagen de uns. Die Anzigen, die wissen, was passiert, des san die Märkte. Die Wall Street waaß scho lang vorher, was los ist, und mir zahlen des ollas. Und da siechst, wie wenig die Leut verstengan.

Die großen Bonzen von der Wall Street regiern die Welt, aber ihre Audogramme bringen im Dorodeum an Schas, de kennt do kana. Audogramme san eigentlich die härteste Währung der Welt, owa mit de Manager von drüben kannst nix anfangen. Da siechst, wie wenig die Leut verstehen von der Wööd. Was hat der jetzt gsagt? Wegen den Euro, was war das? Na wuascht. Geh, Liesl bring ma no a Viertl!

Kultur! Also des interessiert mi wirklich an Dreck, ob irgenda gschissener Opernsänger a Bankl grissn hat, bin i Opernsänger? Is irgendwer do Opernsänger? Siechst ja genau, vor der Oper, wer da steht in Pööz. An Stronach siechst da nie umanandastengn, der is net so deppert. Man fragt si ja, ob de Bonzen olle ihr Gööd nur verdienen, damits Sachen machen können, bei denens narrisch werdn vor lauter fad. Oper, vier Stunden. Vier Stunden mechat i ned amoi budern. Aber der Wagner, des war scho a guada Typ. Net so wie de andern. Von dem hab i aa a Audogramm.

Ja klar, Richard Wagner, wieso? Ja wieso sullert i von den ka Audogramm ham? Also mir is des Blunzn, glaub du, wasd willst, Gschissener. I hab halt was Wertvolles, was ma ned afoch so kaufn kann. I hab Audogramme von Papst und von Rudi Carrell und von Richard Wagner, und von Maradona hab i aa ans und aa ans von Blecha Charly, den oidn Grammeltreiber.

Von den da? Naa, von den Katzlmacher hab i kaans. Der interessiert mi aa net. I bin net so für de Bolidiger. Von denen brauch i nix. Nur von den oidn Busch hab i ans woin, des war a Supertyp, no besser war nur der Regen, owa da hab i no net gsammelt. Der Regen hats die Kommunisten zagt, ohne den Regen wär des ollas do rot heute. Den oidn Busch hab i gschickt a Briaferl, habs in a Packerl tan, wo a Mozartkugel drin woa, owa i hab ka Antwort und ka Audogramm kriagt.

Hot mi scho enttäuscht. Wal kriagt hat der des sicher. An Bresidentn von Amerika kannst ka Mozartkugel net fladern, des traut si kana. Jetzt den Schwoazn hab i net gschriebn, den brauch i net, des is a Woamer glaub i.

Geh hoit de Pappn mit den Formel-ans-Schaas do, i wü endlich was übers Metsch heern, i wü wissen, wie die Rapid gspüüd hot! Na endlich! Aha. Na ja, passt. Ans nui is aa gwonnen.

Vom Hofmann hab i a Audogramm. Des is no a Kicker und a Bursch, der Steffen. Steffen, hab i gsogt, ihr miassts härter wern. Hat er gsagt: " Da hast du ganz recht." Aa a klasser Bursch, des. Net so wie da Edlinger, des Kripplgspül. Bin i hin zu eahm, hab i gsogt, Herr Bresident, a Audogramm, hat er gsogt, gibt er net, owa an Kaffee derf i ma nehmen hint in der Kantin. Hab i ihm gsogt er soi si sein Kaffee in die Unterhosn schittn. Der ruiniert de Rapid komplett. Es gibt so Leit, die gebn da nie a Audogramm. Und de san bei mir olle in Oasch daham.

Dieser Staat und diese Wööd ghören regiert von de Leit, de was Audogramme geben! Alle andern kannst vergessen. Da Krankl Bresident von Rapid, der Stronach Kanzler bei uns, der oide Busch kommt zruck in Amerika, und der Faber Toni wird Papst, und die Wööd warat a aundere.

So, und jetzt schleich i mi haam. D'Ehre! (Thomas Glavinic, Album, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

Thomas Glavinic, geb. 1972 in Graz, ist Schriftsteller ("Die Arbeit der Nacht", "Das Leben der Wünsche"). Zuletzt erschien 2011 der Wallfahrtsbericht "Unterwegs im Namen des Herrn" (Hanser). Der hier leicht gekürzt abgedruckte Text ist eine von zehn für die Wiener Festwochen verfassten Reden zur politischen Gegenwart einer vom Dramaturgen Karl Baratta kuratierten Sammlung ("Unruhe der Form"). Der Schauspieler Ernst Mathon trägt Glavinics Text im Rahmen der Festwochen mehrfach öffentlich vor; Termine unter www.festwochen.at

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    "Von der Thatcher kost' a Audogramm an Tausender. Tausend Euro! Des schafft die Merkel ned! Aa de schofft des ned!".

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