Bunte Quadrate fürs Weiße Haus

10. Mai 2013, 17:16
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Wie viele Amerikaner schmücken auch Barack und Michelle Obama ihre Wände mit Arbeiten von Josef Albers

Als Barack Obama 2009 mit seiner Familie das Weiße Haus bezog, tat er, was seit den Kennedys Tradition war: Er ließ sowohl die privaten als auch die offiziellen Gemächer mit einer hochwertigen Kunstsammlung bestücken, die er gemeinsam mit dem Interior-Designer Michael Smith und seiner Ehefrau auswählte. Dazu gehören etwa auch drei Großformate von Mark Rothko, Sam Francis und Richard Diebenkorn, deren Wert Experten allein mit knapp 40 Millionen Dollar beziffern.

Den US-Präsidenten kosteten diese Kaliber freilich keinen Cent, da es sich wie bei den anderen Kunstwerken (45 insgesamt) um Leihgaben aus den Beständen der National Gallery of Art oder auch des Hirshhorn Museum handelt. Im Vergleich zu seinem Vorgänger George W. Bush, der Bilder des Weltkriegsveteranen und Kakteenmalers Tom Lea aus El Paso bevorzugte, hielten mit den Obamas Klassiker der Moderne und der Generation Post War Einzug.

Zu den Auserwählten gehörte auch der gebürtige Deutsche und Bauhaus-Künstler Josef Albers, der in den 1930er-Jahren in die USA emigriert war und später Größen wie Robert Rauschenberg, Donald Judd, Cy Twombly oder Richard Serra unterrichtete.

Homage to the Square (Huldigung an das Quadrat) nennt sich Albers' legendäre Werkserie, aus der mit Elected II, Midday und der Studie Nacre exakt drei jeweils ineinander geschachtelte Karrees unterschiedlicher Couleurs die Wände der Wohnräume der Obamas zieren. Eine umfassende Ausstellung mit zahlreichen Bildern dieser Werkserie ist noch bis Ende Juni in der Nationalgalerie im italienischen Perugia zu sehen. Auch das Künstlerhaus Wien hatte Josef Albers zum 125. Geburtstag unter dem Titel Interaction of color zuletzt eine kleine Einzelausstellung gewidmet.

Albers setzte nicht nur auf den expressiven Eigenwert der - in seinem Fall niemals gemischten - Farbe, sondern spielte auch mit Kombinationen und je nach Umgebung variierender Wirkung auf den Betrachter. Eine subjektive Handschrift war dafür weniger relevant als ein Höchstmaß an Objektivierung. Das Quadrat fungierte als neutrale Form bzw. als Bühne für die Farbe. Durch genaue mathematische Formatberechnung entstand eine flache und dreidimensionale Wirkung gleichermaßen.

Huldigung der Marke Albers

Auf dem internationalen Kunstmarkt punktet die Marke Albers mit einer stabilen Performance. Gemessen an der weltweiten Umsatzverteilung, dominieren die USA (64 %), gefolgt von Großbritannien (23 %), ein Umstand, der sich auch in den bisherigen Topzuschlägen (siehe Tabelle) widerspiegelt. Weit abgeschlagen davon stehen Deutschland (3,4 %) und Italien (3,2 %), wobei der von Artprice für Österreich ausgewiesene Anteil überhaupt nur bei 0,03 Prozent liegt. Noch. Zu den internationalen Ködern der kommende Woche im Dorotheum anberaumten Auktion zeitgenössischer Kunst (16. 5.) gehört Albers' Huldigung Spring In (1962). Für das aus italienischem Privatbesitz stammende Gemälde bedarf es bloß eines Budgets von wenigstens 160.000 bis 220.000 Euro. (kron, Album, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

  • Das Quadrat als Präsentationsfläche von Farbe: "Homage to the Square-Spring In" titelte Josef Albers dieses 1962 entstandene und auf 160.000- 200.000 Euro taxierte Gemälde.
    foto: dorotheum

    Das Quadrat als Präsentationsfläche von Farbe: "Homage to the Square-Spring In" titelte Josef Albers dieses 1962 entstandene und auf 160.000- 200.000 Euro taxierte Gemälde.

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