Kampfsport Kunstkauf

10. Mai 2013, 17:14
posten

Warum Fanatiker bereit sind, Millionen in Kunst zu investieren? Auch weil sie Spaß daran haben. Zwischenbilanz der New Yorker Auktionen

Was sich in den internationalen Auktionssälen abspielt, für welche Künstler neue Rekorde verzeichnet werden, derlei kümmert naturgemäß nicht alle, aber manche doch. Eine Frage hingegen beschäftigt viele: Wer bitte sind jene Fanatiker, die mehrere Millionen für ein Kunstwerk hinzublättern bereit sind? Dass sie vermögend sind, erklärt ja viel, aber längst nicht alles. Prestige dürfte eines der gängigeren Motive sein, dazu ein Lebensstandard, bei dem Kunst(besitz) zum Alltag gehört. Manche lassen sich dabei von Profis beraten, andere kaufen, was ihnen gerade gefällt.

Im Auktionssaal selbst kommt ein Aspekt hinzu, dem die Chronik des Kunstmarktes nahezu jeden Rekordzuschlag verdankt: der Machtkampf unter den potenziellen Käufern, der simple Umstand, dass der eine Bieter es dem anderen nicht gönnt, der Kontrahent im übertragenen Sinne gefälligst dafür bluten soll.

Einerlei, ob das geplante Limit dabei auf der Strecke bleibt und der " Sieg" anschließend in Raten abgestottert werden muss. Kunstkauf als Kampfsport? Durchaus.

Und es soll Sammler geben, die genau diesen Kick benötigen, für die nichts langweiliger scheint, als ihre Trophäe im Lager eines Kunsthändlers oder im Angebot einer Messe erspähen zu müssen. In New York werden dieser Tage aller Gattungen Sammler bedient: über die zweite Auflage des Frieze-Ablegers (bis 13. 5.) samt Satellitenevents ebenso wie im Zuge der bevorstehenden Auktionen Contemporary & Post War bei Sotheby's, Christie's und Phillips (14. bis 17.5.). Allein die Evening-Sales sollen die Kassen gewaltig zum Klingeln bringen: Sotheby's erwartet rund 280 Millionen, Christie's deren 300 und Phillips noch 110 Millionen Dollar. Zu den erklärten Highlights nominierten Insider im Vorfeld etwa Barnett Newmans Onement VI aus dem Jahr 1953 (Sotheby's, 30 bis 40 Mio.) oder auch Jackson Pollocks Number 19 von 1948 (Christie's, 25 bis 35 Mio. Dollar).

Diese Woche hatte die Garde Impressionist & Modern Art ihren Auftritt, der im Vergleich zum Vorjahreshype rund um Edward Munch (Der Schrei, 119,92 Mio. Dollar; Sotheby's) bedeutend stiller ausfiel. In einer eher glanzlosen Sause klopfte Christie's 158,5 Millionen für 44 Kunstwerke zusammen: André Derains Gemälde Madame Matisse au kimono scheiterte an der Taxe (15-20 Mio.), und für den höchsten Zuschlag der Sitzung, für Chaim Soutines Le petit pâtissier, musste bei 18 Millionen wohl die Garantie herhalten.

Ein Rap für Picasso

Deutlich mehr Nachfrage generierte Sotheby's am Abend zuvor: 230 Millionen Dollar für 60 Positionen und an der Spitze das 41,6 Millionen Dollar teure Stillleben Les Pommes von Paul Cézanne.

Der Käufer? Ein spendabler Sammler oder ein Museumskurator aus dem Nahen Osten, man weiß es nicht. Er hat seine Gebote übers Telefon abgegeben und will vorerst anonym bleiben. Andere hatten ihre Berater oder den Kunsthandel in die Schlacht geschickt, etwa der neue Besitzer von Auguste Rodins Der Denker (15,28 Mio.). Im Duett mit einer Sothby' s-Mitarbeiterin schlug wiederum Rapper LL Cool J für Picassos Buste d' homme (9,68 Mio.) vier Konkurrenten in die Flucht.

Der Käufer einer Picasso-Skulptur aus dem Jahr 1954 hingegen genoss das in der Öffentlichkeit des Auktionssaals ausgetragene Match: 13,6 Millionen ließ Donald Bryant, Weinguteigner und passionierter Kunstsammler, für Sylvette springen. Der mit Abstand spaßigste Teil daran, kommentierte der 70-Jährige Schlingel, das sei fraglos der nun drohende Herzanfall seiner Ehefrau. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 11./12.5.2013)

  • Im Auftrag eines Klienten ersteigerte der Osloer Kunsthändler Ben Frija Rodins Guss "Le Penseur" von 1906 für 15,28 Mio. Dollar.
    foto: sotheby's

    Im Auftrag eines Klienten ersteigerte der Osloer Kunsthändler Ben Frija Rodins Guss "Le Penseur" von 1906 für 15,28 Mio. Dollar.

Share if you care.