Forscherin: Diabetes geschlechtsspezifisch behandeln

10. Mai 2013, 12:31
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Das Geschlecht spielt bei Wirkungen und Nebenwirkungen der Antidiabetika eine Rolle, betont Medizinerin Alexandra Kautzky-Willer

Leipzig - Für die Entstehung und den Krankheitsverlauf von Diabetes mellitus sind unter anderem die erbliche Veranlagung und Sexualhormone, aber auch der Einfluss von Gesellschaft, Kultur und Geschlechterrollen bedeutsam. Das zeigt sich etwa an Unterschieden im Lebensstil zwischen Frauen und Männern: "Frauen haben den Fokus mehr auf Diät und interessieren sich mehr für Vorsorge, während für Männer körperliche Bewegung und Sport im Gesundheitsbewusstsein einen wichtigeren Stellenwert haben", sagt Alexandra Kautzky-Willer von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität in Wien.

Niedriger Sozialstatus und schlechte Bildung sind mit einem höheren Risiko für Diabetes verbunden, wobei der Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und dem Auftreten von Übergewicht und Typ-2-Diabetes bei Frauen stärker ist. Unterschiede sind auch hinsichtlich der Lebensqualität und des seelischen Wohlbefindens erkennbar. "Diabetikerinnen haben doppelt so häufig wie Diabetiker Depressionen und auch häufiger Essstörungen", sagt Kautzky-Willer.

Das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wird auch durch die Sexualhormone, die Fettmasse und -verteilung beeinflusst. Männer haben mehr viszerales, im Bauchraum angesiedeltes Fett, sind weniger insulinempfindlich als Frauen und unterscheiden sich auch in der Freisetzung von Fettgewebshormonen. Sie haben häufiger ein metabolisches Syndrom, Bluthochdruck und somit ein ungünstigeres kardiovaskuläres Risikoprofil. "Allerdings versterben insgesamt mehr Frauen als Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem ist das Vorliegen eines metabolischen Syndroms bei Frauen mit einem noch höheren Anstieg des kardiovaskulären Risikos verbunden als bei betroffenen Männern", erklärt Kautzky-Willer. 

Personalisierte Diabetestherapie

Dasselbe gelte für den manifesten Diabetes. Die genauen Ursachen dafür seien noch unklar. In jedem Fall könne die Sexualanamnese und Anamnese von Zyklusanomalien oder Schwangerschaftskomplikationen wichtige Informationen über das kardiometabolische Risiko geben, so die Wiener Diabetes-Expertin: "Bei Männern kann eine erektile Dysfunktion auf Insulinresistenz, Diabetes oder eine kardiovaskuläre Erkrankung hinweisen. Bei ihnen ist Übergewicht und Insulinresistenz oft mit einem niedrigen Testosteronspiegel assoziiert, während bei Frauen wiederum hohe Androgenspiegel das Diabetesrisiko erhöhen. So ist auch beim polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS), ein höheres Diabetes- und kardiovaskuläres Risiko beschrieben."

Das Geschlecht spiele auch bei den Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten, sowie beim Verordnungsmodus mit eine Rolle. "Eine individuelle geschlechtersensitive Schulung und Betreuung sind in jedem Fall ein wesentlicher Bestandteil des Therapieerfolgs in der personalisierten Diabetestherapie", so Kautzky-Willer. (red, derStandard.at, 10.5.2013)

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