Kündigung während des Krankenstands: "Möglich, aber unanständig"

    10. Mai 2013, 13:02
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    Die AK Oberösterreich fordert einen Kündigungsschutz im Krankenstand

    Immer häufiger stellen Rechtsexperten der Arbeiterkammer bei ihren Beratungen Kündigungen während des Krankenstands fest. Oft wollen sich Firmen damit die Entgeltfortzahlung, also die Auszahlung des Krankengeldes, ersparen, heißt es in der aktuellen Aussendung der Arbeiterkammer Oberösterreich.

    Aber auch so genannte Beendigungsansprüche wie die Auszahlung des Resturlaubs oder anteilige Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld möchten manche Arbeitgeber damit umgehen. "Eine Kündigung ist im Krankenstand zwar rechtlich möglich, aber trotzdem moralisch unanständig", sagt AK-Präsident Johann Kalliauer. Er fordert einen Kündigungsschutz im Krankenstand analog dem Schweizer Modell, dort sei ein Kündigungsschutz bis zu 180 Tagen rechtlich verankert.

    Fristwidrige Kündigung

    Zwei Fälle, die vor kurzem bekannt wurden, seien exemplarisch für das Vorgehen mancher Arbeitgeber, heißt es. Fall eins betrifft einen Fahrverkäufer einer großen Konditorei im Bezirk Grieskirchen, der sich an einem Sonntag beim Betriebsleiter krank meldete. Vier Tage später kam die Kündigung, rückdatiert auf den Freitag der Vorwoche, also zwei Tage vor seiner Krankmeldung.

    Da auch die Abrechnung nicht stimmte, wandte sich der Arbeitnehmer an die Arbeiterkammer. Erst nach ihrer Intervention bezahlte die Firma den Schadenersatz wegen fristwidriger Kündigung und einen offenen Urlaubsanspruch, insgesamt über 3800 Euro.  

    Rückdatierung rechtlich nicht möglich

    Das zweite Fallbeispiel der Arbeiterkammer beschreibt die Kündigung eines Schleifers aus Wels, der an einem Montag vom Arzt für voraussichtlich vier Wochen krank geschrieben wurde, was er seinem Dienstgeber umgehend meldete. Eine Woche später wurde er fristlos entlassen, mit der widersprüchlichen Begründung, er sei unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben.

    Als Endtermin des Dienstverhältnisses wurde der Freitag vor dem Beginn des Krankenstands angegeben, die Kündigung wurde auch hier rückdatiert. Eine Vorgehensweise, die rechtlich nicht möglich sei, und die offensichtlich macht, dass sich der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung für den Krankenstand sparen wollte, so die Arbeiterkammer. (red, derStandard.at, 10.5.2013)

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      Nicht selten werden Kündigungen vor den Krankenstand rückdatiert.

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