Fabrik in Bangladesch: Überlebende nach über zwei Wochen geborgen

10. Mai 2013, 12:11
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Opfer war Textilarbeiterin und war irgendwie an Wasser herangekommen

Fast zweieinhalb Wochen nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka haben Einsatzkräfte am Freitag noch eine Überlebende befreit. Aufnahmen lokaler Fernsehsender zeigten, wie Helfer die Frau Freitagnachmittag (Ortszeit) aus dem Trümmerberg heraustrugen und in einen Krankenwagen brachten. Die Textilarbeiterin hatte die Katastrophe 16 Tage unter den Resten des Gebäudekomplexes im Keller überlebt. Bis Freitag waren 1.043 Leichen geborgen worden.

Behandlung auf Intensivstation

Die Frau heiße Reshma Begum und werde nun auf der Intensivstation behandelt, erklärte Oberstleutnant Emran Hossain von den Bergungsmannschaften. "Als ich rief, ob da drinnen noch jemand am Leben sei, antwortete sie und bat um Hilfe", sagte Major Moazeem. Daraufhin sei sofort der Einsatz schwerer Maschinen wie Bagger und Kräne eingestellt worden. "Sie war in einer Lücke im Keller gefangen", schilderte er, habe sich aber bewegen können. Eine knappe Stunde dauerte es, bis die Retter mit Hämmern, Handbohrern und Sägen zu ihr vorgedrungen waren. Dann reichten sie ihr Wasser und Kekse.

Schutz zwischen Balken

Wie die Frau so lange überlebt hatte, war zunächst nicht ganz klar. "Sie hat offenbar Wasser bei sich gehabt oder von dem Wasser getrunken, das wir in das Gebäude gepumpt haben", erklärte ein Feuerwehrmann am Einsatzort. Laut einem Bericht des Fernsehsenders Somoy hatte sich Reshmi Begum beim Einsturz des Gebäudes in einen Raum im Keller des Gebäudes geflüchtet und fand zwischen zwei Balken Schutz.

Als der achtstöckige Geschäfts- und Fabrikgebäudekomplex in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka am 24. April in sich zusammenstürzte, wurden fast 2.500 Menschen verletzt. Zahlreichen Verunglückten mussten Gliedmaßen amputiert werden, um sie aus den Trümmern befreien zu können.

Über tausend Leichen geborgen

Die bis Freitag letzte Überlebende hatten die Einsatzkräfte am 28. April gefunden, vier Tage nach der Katastrophe. Die Textilarbeiterin konnte jedoch nicht gerettet werden, weil beim Versuch, sie zu befreien, ein Feuer ausgebrochen war. Wahrscheinlich hatte in den Fabriken genähte Kleidung Feuer gefangen, als die Retter Metallstangen durchsägen wollten und Funken dabei sprühten.

Nach Angaben des Zentrums für Katastrophenmanagement von Bangladesch bargen die Rettungskräfte bis Freitag 1.043 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes. Die meisten Toten sind Frauen, die in den Textilfabriken in den oberen Stockwerken des Hauses Kleidung nähten. Der Einsturz ist der bisher schlimmste Fabriksunfall in der Geschichte des Landes.

Textilindustrie als wichtigster Wirtschaftszweig

In dem Niedriglohnland ist die Textilindustrie der wichtigste Wirtschaftszweig. Millionen Menschen, vor allem Frauen, nähen in Tausenden Fabriken. Wegen mangelnder Feuer- und Sicherheitskontrollen kommt es immer wieder zu fatalen Unfällen und Bränden, bei denen Arbeiter sterben.

Nach einem schweren Brandunglück mit 112 Toten im November und dem Fabrikeinsturz vor zweieinhalb Wochen diskutieren Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Textilunternehmen über die Zukunft der Industrie in Bangladesch. Die lokalen Produzenten fürchten, dass die Auftraggeber, die vor allem aus Europa und den USA kommen, dem Land den Rücken kehren könnten.

18 gefährdete Fabriken geschlossen

Die Behörden ließen bereits 18 gefährdete Fabriken schließen. Die Regierung will außerdem 200 Fabrikinspektoren einstellen, welche die Sicherheit von Gebäuden überprüfen und gefährdete Fabriken umsiedeln sollen.

Überlebenschance nur mit Trinkwasser

Menschen, die in den Trümmern eingestürzter Gebäude eingeschlossen sind, überleben meist nur eine kurze Zeit. Die meisten Geretteten werden innerhalb von 24 Stunden aus dem Schutt geholt. Ein Mensch kann nur etwa drei Tage ohne Trinken überleben. Nur wenn Verschüttete Zugang zu Flüssigkeit haben, haben sie auch danach noch eine Überlebenschance.

Wie jetzt in Bangladesch haben Menschen aber sogar wochenlang unter Trümmern überlebt. Als "Wunder" wurde 1977 die Rettung eines 19-jährigen Rumänen bezeichnet, der elf Tage nach einem Erdbeben in Bukarest lebend geborgen wurde. Eine Frau in Pakistan überlebte nach einem Beben im Jahr 2005 mit Essensresten und Regenwasser sogar mehr als zwei Monate unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses. (APA, 10.5.2013)

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    Dramatische Szenen bei der Rettung der Überlebenden.

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    Zwei Wochen nach der Katastrophe lässt sich die Zahl der Verunglückten weiterhin nicht abschätzen.

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    Einsatzkräfte bei den Bergungsarbeiten.

  • Mehr als tausend Tote wurden nach dem Einsturz der Textilfabrik geborgen.

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