Radreparatur: Machen oder machen lassen?

Kolumne12. Mai 2013, 17:30
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Kaum jemand will sich noch die Finger dreckig machen

Früher war eben früher. Und dass es damals Teilnehmern der Tour de France verboten war, fremde Hilfe anzunehmen, ist heute nur mehr eine Geschichte. Etwa jene vom Radsportler, der mit einer gebrochenen Gabel in die nächste Schmiede marschierte und dort eigenhändig ...

Heute haben Profis je einen Techniker für Höhe und Neigung des Sattels.

Klassische Verschlimmbesserung

Sicher: Normalo-Bikes sind ein bisserl weniger "Rocket Science". Aber auch in der Alltagsradelei reichen zwei Gabelschlüssel und - zur Not - ein Hammer nicht mehr aus: Moderne Schaltsysteme einstellen? Eine Scheibenbremse justieren? Hydraulikflüssigkeit überprüfen? Durchschnittsnutzer scheitern da meist grandios. Und lernen lediglich, was "verschlimmbessern" bedeutet.

Es mangelt nicht bloß an Wissen & Werkzeug - sondern auch am Wollen: Autofahrer öffnen im Pannenfall die Motorhaube eher aus Tradition. Brot bäckt kaum wer selbst. Aber beim Fahrrad soll man selbst ran?

Wien bewirbt Reparaturkurse

Radhändler weinen: Kunden mit "Patschen" blockieren Platz und Personal. Mancherorts werden Kleinstreparaturen gar nicht angenommen. Anderswo wartet man Wochen.

Die Antwort? Wien bewirbt gerade Reparaturkurse. Gut und richtig - und doch auch falsch: Die, die man zum Rad bringen will, wollen ihre Komfortzone nicht verlassen. Also keine dreckigen Finger.

Anderswo schafft man daher Jobs und Infrastruktur. Durch betreute Radparkplätze. Das Personal dort hilft. Gern, schnell, kompetent - und gegen einen kleinen Obolus. Das ist zwar auch nicht Rocket Science - aber hierzulande immer noch Sciencefiction. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 10.5.2013)

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    In der Komfortzone bleiben oder schmutzige Finger? Kleinstreparaturen lassen Fahrradhändler weinen.

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