Hoffnung auf Impfstoff gegen Borreliose

10. Mai 2013, 08:00
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Rekombinanter Wirkstoff OspA könnte effektiven Schutz gegen Borrelioseerreger in Europa bieten - Abwehrmoleküle wirken in der Zecke

Wien - Die "Borreliose" oder "Lyme"-Erkrankung wird durch das Bakterium "Borrelia burgdorferi" verursacht. In Österreich erkranken jährlich rund 16.000 Menschen nach einem Zeckenstich an Borreliose. Etwa jede fünfte Zecke in Österreich trägt den Erreger.  Die Borreliose kann mit einer Antibiotika-Therapie gut behandelt werden, eine prophylaktische Impfung ist aber nicht verfügbar. In einer aktuellen, multizentrischen Studie, an der die MedUni Wien beteiligt war, wurde nun die Wirksamkeit eines möglichen Impfstoffs gegen Borreliose nachgewiesen.

Die Ergebnisse der Studie, die Hoffnung auf die Entwicklung eines präventiv einsetzbaren Impfstoffs gegen Borreliose machen, wurden nun im Top-Magazin "Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht. Beteiligt daran war ein Team der MedUni Wien von der von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie unter der Leitung von Markus Müller und vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin unter der Leitung von Herwig Kollaritsch gemeinsam mit Studienzentren in New York, Mainz und Tübingen und einem Team der Baxter AG.

Effektiver Schutz

In einer klinischen Phase I/II-Studie wurde die Sicherheit und Wirksamkeit des neuen, multivalenten, rekombinant hergestellten Wirkstoffs OspA getestet.  Kollaritsch: "Die Studienergebnisse zeigen, dass der Impfstoff einen effektiven Schutz gegen Borreliose bieten könnte und zwar erstmals auch gegen die in Europa vorherrschenden Stämme."

OspA (outer surface protein A) ist ein Eiweißmolekül, das auf der Oberfläche der Borrelien sitzt. Wird OspA injiziert, wird es vom Immunsystem als körperfremde Struktur entdeckt und löst eine Immunreaktion aus. Kollaritsch: "Es werden Abwehrmoleküle gebildet, die schützend wirken – spezifischer Weise direkt im Zecken, von dem sie während der Blutmahlzeit aufgenommen werden."

Teilweise schwere Symptome

Bisher wird Borreliose mit einer systematischen Antibiotika-Therapie behandelt – allerdings erst beim Auftreten der ersten Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, oder aber in einem späteren Stadium auch Krämpfe oder Lähmungen sowie Herzmuskelentzündungen.

"Die Borreliose ist keine virale Erkrankung, sondern eine bakterielle, daher kann die Krankheit mit Antibiotika völlig ausgeheilt werden", erklärt der MedUni Wien-Forscher. Daher muss die Borreliose auch ganz klar von der viralen Erkrankung "FSME" unterschieden werden, gegen die bekanntlich schon lange eine wirksame Impfung verfügbar ist. (red, derStandard.at, 10.5.2013)

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