Segel-Olympiasieger Andrew Simpson stirbt bei Trainingsunfall

10. Mai 2013, 19:14
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Katamaran brach bei Tests für den America's Cup auseinander - Konstruktionsfehler könnte Ursache des Unglücks in der Bucht von San Francisco sein

San Francisco - Der Segel-Sport trägt Trauer: Der britische Olympiasieger Andrew "Bart" Simpson ist am Donnerstag bei einem Unfall im Training für den America's Cup ertrunken. Für den 36-Jährigen kam jede Hilfe zu spät, als sein sechs Tonnen schwerer Katamaran in der Bucht von San Francisco kenterte und den Strategen des Artemis-Teams unter sich begrub. Zehn Minuten lang war Simpson unter seinem Hightech-Boot verkeilt. Zwar konnten Rettungskräfte den Briten noch aus dem Wrack befreien, an Land aber konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen.

"Unsere Gebete sind mit Andrew Simpsons Familie, seiner Ehefrau und Kindern", sagte Artemis-Geschäftsführer und Segel-Veteran Paul Cayard, "das ganze Team ist am Boden zerstört." Auch der britische Dachverband, die Royal Yachting Association (RYA), reagierte geschockt auf den Tod des hochgeschätzten Simpson. "Er war eine große Inspiration für andere, für das britische Segelteam und die ganze Nation", sagte Direktor John Derbyshire.

Katamaran brach auseinander

Das Unglück ereignete sich am Donnerstagabend nördlich von Treasure Island beim Training für den Louis Vuitton Cup, bei dem zwischen Juli und September ermittelt wird, wer gegen Titelträger Oracle um den America's Cup antreten darf. Aus bisher ungeklärter Ursache brach das 22 m lange Boot auseinander und kippte um. Während Simpson eingeklemmt wurde, kamen die übrigen zehn Crew-Mitglieder glimpflich davon. Lediglich Craig Monk, der 1995 und 2000 den America's Cup mit dem Team Neuseeland gewonnen hatte, erlitt noch leichte Verletzungen. Die Bucht von San Francisco gilt als überaus anspruchsvolles Segelrevier mit starken Winden und gefährlichen Strömungen.

Nach Angaben des Technik-Magazins Wired lag wohl kein Fahr-, sondern eher ein technischer oder ein Konstruktionsfehler vor. Dafür spricht, dass das Boot zuletzt häufig zu Reparaturzwecken aufs Trockendock musste. Erst im vergangenen Herbst wurde der vordere Balken, der die beiden Rümpfe verbindet, beschädigt. 2011 trug das fast 40 m hohe Flügelsegel bei Testfahrten Schäden davon. Die Windgeschwindigkeit zum Zeitpunkt des Unglücks soll nur rund 20 Knoten (37 km/h) betragen haben.

Schwer zu beherrschendes Hightech-Boot

Unter Experten steht jedoch außer Frage, dass die bis zu 40 Knoten schnellen Rennmaschinen äußerst schwer zu handhaben sind. "Das sind gefährliche Boote", sagte Max Sirena. Der Skipper des italienischen Teams Luna Rossa hatte bereits nach einem Unfall von Titelträger Oracle im vergangenen Herbst, bei dem niemand verletzt wurde, befürchtet, dass weitere Kenterungen folgen werden.

Die Gefahren sind die Veranstalter allerdings bewusst eingegangen, um durch den schnellen und wendigen Bootstypus eine größere Medienaufmerksamkeit zu erzielen. "Offensichtlich ist ein Katamaran anfälliger für eine Kenterung als ein Einrumpfer", sagte Stephen Barclay, der Geschäftsführer der America's Cup Event Authority.

Zwar erkannten die Organisatoren die Risiken, reagierten allerdings nur mit halbherzigen Sicherheitsmaßnahmen. Denn weder Sturzhelm, Rettungsweste noch die stets in Bootsnähe kreuzenden Rettungsboote konnten Ex-Weltmeister Simpson das Leben retten. Bisher war bisher erst ein Segler beim America's-Cup-Training tödlich verunglückt: 1999 starb der Spanier Martin Wizner vom Herausforderer-Team "Bravo Espana", nachdem er von einer herausgebrochenen Scheibe eines Umlenkblocks an Bord am Kopf getroffen worden war. 

Seit Februar im Team

Simpson, der Star-Olympiasieger von 2008 in Peking und Silbermedaillengewinner von 2012 in London, hatte sich erst im Februar der Artemis-Mannschaft unter Sportdirektor und Olympiapartner Iain Percy angeschlossen, um sich seinen letzten sportlichen Traum zu erfüllen. "Gehe mit der Familie für sechs Monate nach San Fran. Es ist wirklich hektisch!!! Der Cup sollte ein Spaß werden", twitterte er noch Ende März.

Das schwedische Team Artemis ist einer der Herausforderer von Titelverteidiger Oracle (USA) im 34. America's Cup, der im heurigen Sommer vor San Francisco stattfindet. Die Regatta ist das Top-Event des internationalen Segelsports. Ob und wie die Mannschaft ohne Simpson weitermacht, war zunächst unklar.  (sid/APA, 10.5.2013)

  • Andrew Simpson starb am Donnerstag bei einem Trainingsunfall in San Francisco.
    foto: epa/hoslet

    Andrew Simpson starb am Donnerstag bei einem Trainingsunfall in San Francisco.

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    Simpsons Katamaran gekentert und auseinandergerissen.

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