Merkel auf Truppenbesuch in Afghanistan

10. Mai 2013, 07:12
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Die Reise erlangt durch den Tod eines deutschen Elite-Soldaten vergangenen Samstag zusätzliche Bedeutung

Kabul/Berlin - Knapp eine Woche nach dem Tod eines deutschen Elite-Soldaten in Afghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel dort zu einem Truppenbesuch eingetroffen. Die Kanzlerin landete am frühen Freitagmorgen in Begleitung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière in der Unruheprovinz Kunduz.

Vor dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes 2014 hat Merkel weitere Reformen in Afghanistan eingemahnt. "Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht", sagte sie am Freitag vor deutschen Soldaten.

Als Aufgaben nannte Merkel die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. "All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer als wir uns das wünschen", sagte Merkel. "Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht alleine stehen bleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat."

Bereitschaft, zu bleiben

Bei dem Truppenbesuch bekräftigte die Kanzlerin den Willen der deutschen Regierung, sich nach dem Auslaufen des NATO-Kampfeinsatzes Ende 2014 weiter militärisch in Afghanistan zu engagieren. Sie ermunterte andere Länder, das ebenfalls zu tun. "Die Bundeswehr hat hier im gesamten Gebiet natürlich auch gezeigt, wie internationale Kooperation gut funktionieren kann." Der multinationale Einsatz wird im Abschnitt Nordafghanistan von Deutschland geführt.

Am vergangenen Samstag war erstmals ein Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan getötet worden. Der Hauptfeldwebel geriet bei einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Kräften in einen Hinterhalt der radikal-islamischen Taliban und wurde erschossen. Die Merkel-Reise war schon vor dem Todesfall geplant, hat dadurch aber noch einmal eine zusätzliche Bedeutung erlangt. Der 32-Jährige war der erste Bundeswehrsoldat seit fast zwei Jahren, der in Afghanistan getötet wurde.

Unveränderte Strategie

Die deutsche Regierung hatte anschließend erklärt, unverändert an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten zu wollen. Dazu gehört das Angebot, auch nach dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes ab Anfang 2015 bis zu 800 Soldaten für Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee zur Verfügung zu stellen. Deutschland hat damit als erstes NATO-Land einen konkreten Vorschlag für eine längerfristige Präsenz in Afghanistan gemacht. Derzeit sind rund 4.300 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert. (APA, 10.5.2013)

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