Tanz mit dem Drumstick

9. Mai 2013, 22:03
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Sabine Marte stellt die Welt auf den Kopf: In der Galerie allerArt in Bludenz sind derzeit ihre Videoarbeiten zu sehen

Bludenz - Das Konzert der Band Pendler am Eröffnungsabend der Ausstellung von Sabine Marte war mehr als der famose Opener zu einer ebensolchen Kunstpräsentation. Auch als Bandmitglied, agierend vor einem durchkomponiert projizierten Bühnenbild, legt Marte jene Qualitäten an den Tag, die dann im Galeriebereich fesseln. Fest steht, dass es sich bei der Künstlerin (geboren 1967 in Feldkirch und auch Gründungsmitglied der Band SV Damenkraft) um mehr als eine "Doppelbegabung" handelt.

Ich Arbeite (1996) schildert Martes Programmatik: Die Sprecherin, von der bloß die blaue Jacke mit hochgezogenem Reißverschluss zu sehen ist, erläutert, was sie "macht": "Texte für Musik und andere, Zeichnungen und Video".

Diese Bereiche werden mehrfach wiederholt, immer wieder neu nuanciert, ein Drumstick schlägt leicht dazu aus wie der Zeiger an einem Messgerät. Anschließend besingt die Schöpferin ihr Tun: Sprache, Bild und Ton wachsen zusammen und benennen sich selbst, der Drumstick wird zum Bestandteil einer nach wie vor reduzierten Choreografie.

Die weiteren "Videoeinzelstücke" führen Martes Lust an Theorie und Praxis eindrücklich vor Augen und Ohren: verschiedene Sprach- und Sprechweisen, Textsorten, verbale und körperliche Verkleidungen umkreisen das Potenzial der Kunst. Wie könnten mutige Visuals zu einer Fusion von Steve Reich und Gertrude Stein ausschauen? So zum Beispiel: Ich möchte gerne einmal einen Horrorfilm machen (1999) - der Werktitel als Wunschprogramm.

Finale (2006) hingegen, aufgenommen in der Wrestlinghalle in Götzis, zeigt Sabine Marte im Ganzkörpereinsatz mit "Bill", einem abgehalfterten Trainingsungetüm. Für den brachial-anarchischen Experimentalfilm B-star, untötbar! erhielt sie 2010 den Diagonale-Preis für Innovatives Kino.

Die Großprojektion offenbart schließlich digitale Möglichkeiten: Nervenaufreibend in Helligkeit und Schnitt, cruist Marte - hemdsärmelig, aber unbewegt an eine gemusterte Rückenlehne drapiert - vorwärts und rückwärts durch Zeit und Raum.  (Petra Nachbaur, DER STANDARD, 10.5.2013)

Bis 19. 5., Galerie allerArt, Bludenz

  • Verrückt den Blick, bringt Ordnungen durcheinander: Sabine Marte und ihre Videoarbeiten.
    foto: allerart bludenz

    Verrückt den Blick, bringt Ordnungen durcheinander: Sabine Marte und ihre Videoarbeiten.

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