Illegale Vermietung boomt in Spanien

9. Mai 2013, 18:13
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Madrid reformiert Mietrecht bei Ferienwohnungen

Granada - Etwas funktioniert noch in Spaniens Dauerkrise: Sonne, Strand und Meer ziehen immer mehr Touristen an die Küsten Iberiens, der Kanaren und Balearen. 2012 war ein Rekordjahr. Fast 58 Mio. Gäste kamen und trotzdem dem maroden Binnentourismus. Dennoch sind die Hoteliers verärgert.

"Unlauteren Wettbewerb" und "unbefugtes Eindringen" in ihren Markt lamentiert der Branchenverband. Nicht etwa Webportale wie Couchsurfing, sondern mehr und mehr Spanier, Unternehmer aus dem Immobiliensektor oder eben Arbeitslose mauserten sich zur wahren Konkurrenz. Vor allem Arbeitslose bieten ihre oft mit hohen Hypotheken belasteten Erst-, Zweit- oder Ferienwohnsitze Reisenden an.

Schwarz vermietet

Von knapp 1,12 Milliarden Übernachtungen, wie aus dem Wirtschaftsjahresbericht 2012 der LaCaixa hervorgeht, entfielen nur 364 Mio. auf offizielle Unterkünfte. Mehr als 764 Mio. wären "schwarz" vermietet - mehrheitlich in den Regionen Valencia, Andalusien und Katalonien.

Etwa 1,5 Mio. Nächtigungsmöglichkeiten sollen laut Hoteliersverband illegal angeboten werden. Einzig auf dem Balearen- und dem Kanarenarchipel sind mehr als die Hälfte der Urlauber in legalen Unterkünften beherbergt. Auf knapp drei Milliarden Euro schätzte das Finanzministerium 2010 den Verlust durch Mietbetrug, der sich zum Großteil im Ferienwohnungsmarkt, sowie im kleineren Teil bei Studentenunterkünften landesweit, summiert. Investoren, in erster Linie britische, die auf Immobilienspekulationsgewinne zur Zeit des Booms gebaut hatten, nutzen nach dem Preisverfall via Webseite-Angeboten ihre Anlagen nun touristisch profitabel.

Die rechtskonservative Regierung unter Premier Mariano Rajoy will einschreiten: Die Reform des Stadtmietrechts sowie ein neues Gesetz zur Flexibilisierung und Stärkung des Mietmarkts. Demnach müssen sämtliche Unterkünfte inspiziert und gelistet werden. Die Vermittlung und Vermietung soll über lokale Tourismusämter erfolgen. Damit soll auch die Qualität garantiert werden.

"Wir haben nichts dagegen, dass Touristen Apartments mieten. Aber dass ein wichtiger Teil des Angebotes sich fern jeglicher Reglementierung und ohne steuerliche Verpflichtungen entwickelt, bedeutet herbe Verluste, auch für die Regionalbudgets", sagt Ramón Estalella Generalsekretär des Hoteliersverbands. "Es sind sehr viele, die nicht registriert sind", gibt Bruna Hallé vom Hotel-Consulter Magma Tri zu bedenken: "Es wird wohl eine Immobilienamnestie brauchen", sprich der Weg via Selbstanzeige, wie bei der 2012 beschlossenen Steueramnestie. Mit der aktuell debattierten Reform des Küstengesetzes werden knapp 125.00 Wohnungen innerhalb des 100-Meter-Schutzstreifens legalisiert. (Jan Marot, DER STANDARD, 10.5.2013)

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