Abba eröffnet eigenes Museum in Schweden

9. Mai 2013, 18:33
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Zeitlich befristete interaktive Reise in die 1970er-Jahre

Anwalt Mariano Pieretti ist eine stattliche Erscheinung. Seinen Karatemantel hat er zu einem glitzernd weißen Abba-Kostüm umgewandelt. Zusammen mit seiner Freundin Celeste Busson Ibarra ist er extra aus Buenos Aires eingeflogen, um am Dienstagmorgen einer der ersten Besucher des frisch eröffneten Abba-Museums in Stockholm zu sein.

Nicht ausverkauft

Die Eintrittskarten haben sie schon zum Jahreswechsel gekauft. Beide jubeln, als Abba-Mitglied Björn Ulvaeus, wie der Museumsdirektor sagt, "als erster schwedischer Sieger des Eurovision Song Contest überhaupt"  und Sängerin Loreen "als letzte schwedische Siegerin" gemeinsam die Pforten zur Ausstellung aufdrücken.

Die Menschentraube strömt hinein. Aber alles ist gut geordnet. Die rund 20 Euro kostenden Karten sind an bestimmte Zeiten gebunden. Rund eineinhalb Stunden darf ein Gast bleiben, sodass nie zu viele Besucher auf einmal kommen. Zumindest am Eröffnungstag ist diese Maßnahme nicht nötig: Ausverkauft ist das Museum nicht.

Interaktive Führung

Die Besucher werden interaktiv in die 1970er-Jahre geführt. Mit Erfolg. Hier und da tänzeln ältere Besucherinnen aus Deutschland und England, Dancing Queen singend, durch die Räume. Im Tonstudio können Abba-Lieder eingesungen werden, sogar einen richtigen Probenraum mit allen Abba-Instrumenten kann benutzt werden. Nebenan probieren die Argentinier virtuell die pompösen Kleidungsstücke an, von denen zahlreiche ausgestellt sind. In einem anderen Raum sitzt die holländische Besucherin Linda Dejongh in dem originalen Hubschrauber vom Cover des Albums Arrival.

Abba ein Aschenputtelmärchen

Berührend sind die sehr persönlichen Erzählungen aller vier Bandmitglieder auf Videoschirmen über ihre ersten Gehversuche als Musiker. Und über den Ruhm, aber auch die Verachtung, die sie vor allem aus der vermeintlich seriöseren und politisch aktiveren schwedischen Musikerszene der 70er-Jahre erfahren haben.

"Wir waren vier junge Menschen, die aus einfachen Verhältnissen kamen. Ich treffe eine sehr hübsche Frau, in die ich mich verliebe und die auch noch singen kann. Und dann passiert meinem Freund Benny genau das Gleiche. Abba war ein Aschenputtelmärchen. Das mit dem Museum könnte als Größenwahn ausgelegt werden. Aber ich denke, es ist es einfach wert, unsere Geschichte so gut wie möglich zu erzählen", sagte Ulvaeus zur Eröffnung. (André Anwar aus Stockholm, DER STANDARD, 10.5.2013)

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    Ausverkauft war das Museum am ersten Tag noch nicht. Einige ­Besucher tänzelten aber zu ABBA-Liedern durch die Räume.

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