Mal planen, mal sehen, mal zittern

9. Mai 2013, 23:07
26 Postings

In Finnland wird über Österreichs Zukunft geredet, die Gegenwart heißt Klassenerhalt - am Freitag geht es gegen die Slowakei

Finnland hat nicht wenig zu bieten, jedenfalls mehr als Saunas, Seen, Elche und Mücken. Da gibt es, nur zum Beispiel, auch ein vorbildliches Bildungssystem, das Hand in Hand geht mit einer von klein auf erlernten Sportlichkeit und Sportbegeisterung.

Wer mit der Straßenbahnlinie kolme, mit dem Dreier also, vom Marktplatz weg durch die Eishockey-WM-Stadt Helsinki fährt, kommt nicht nur an schönen Jugendstilbauten vorbei, sondern auch an einem Sportzentrum, das alle Stücke spielt. Da gibt es das Olympiastadion für große Fußballspiele und Leichtathletik-Events, ein kleineres Fußballstadion, eine große Eishalle, ein großes Schwimmstadion, diverse Trainingsplätze, ein Footballfeld, nebenbei ein Sportmuseum und Statuen der Laufheroen Paavo Nurmi und Lasse Virén.

Österreichs Eishockeyverband hat seit Juni 2012 einen finnischen Sportdirektor, Alpo Suhonen, immerhin. Er war anno 2000 der erste europäische Headcoach bei einem NHL-Team (Chicago Blackhawks). Die WM ist für den 64-Jährigen sozusagen ein Heimspiel, am Donnerstag lud er ins Hotel Sokos Presidentti, um ein bis 2017 laufendes Nachwuchs- und Trainerausbildungskonzept zu präsentieren. Es drängte sich auf, ihn Finnland und Österreich vergleichen zu lassen. "250 Hallen in Finnland, 40 in Österreich", sagt Suhonen, der die Infrastruktur als das eine, die Nachwuchsarbeit als das andere große Problem in Österreich sieht. Die Vereine würden junge Spieler nicht ausreichend fördern, sie müssten mehr hauptamtliche Coaches dafür einsetzen.

Die Frage ist, ob Suhonen bei den Klubs Gehör finden wird. An den Themen Infrastruktur und Nachwuchs haben sich auch andere schon abgearbeitet. So stellt Österreich bei der WM ein Team aus mehrheitlich gestandenen Cracks. Junge Spieler mit Perspektive vermisst man vorne wie hinten. Und so bleibt die Frage, ob Teamchef Manny Viveiros und Suhonen auf einen grünen Zweig kommen werden.

Im Herbst 2011 war auch Viveiros mit dem Ziel angetreten, "etwas aufzubauen". Rasche Erfolge bezeichnete er als "sekundär", eingetreten sind sie dennoch. Viveiros schaffte mit dem Team vor einem Jahr den Aufstieg in die A-Gruppe und im Februar die Qualifikation für Olympia 2014. Der Klassenerhalt in Helsinki würde für ihn quasi den Hattrick bedeuten. Die Chancen stehen wohl fifty-fifty.

Österreich hofft in zwei Richtungen. Da wäre die Hoffnung darauf, dass am Freitag gegen die Slowakei und/oder gegen Finnland (Samstag) und/oder gegen Russland (Montag), das am Donnerstag Frankreich sensationell mit 1:2 unterlag, noch etwas aufgeht. Da wäre aber auch die Hoffnung, dass die von Österreich bezwungenen Letten (5:3 gegen die Slowakei) am Ende mit maximal drei Punkten dastehen. Das würde den Klassenerhalt sichern. Mag sein, die Hoffnung auf die lettische Schwäche ist größer als jene auf die eigene Kraft. " Wir werden in jedem Spiel zu Chancen kommen", sagt Thomas Vanek. "Aber wir müssen sie nützen. Vor allem im Powerplay."

Besser jedenfalls als beim 0:2 am Mittwoch gegen Deutschland. Da hat Österreich dominiert, aber unzählige Chancen ausgelassen und somit verpasst, sich vorzeitig aller Sorgen zu entledigen. Teamchef Viveiros war "stolz auf die Leistung", weiß aber auch, dass es im Eishockey vor allem um eines geht. "Um Tore." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 10.5. 2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Finne Alpo Suhonen plant Österreichs Eishockey-Zukunft.

Share if you care.