Deutscher Bach verkündete Kandidatur

9. Mai 2013, 15:07
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IOC-Vize vorerst einziger Kandidat - "Gelegenheit, dem Sport vieles zurückzugeben"

Berlin - Der Deutsche Thomas Bach hat am Donnerstag seine Kandidatur für das IOC-Präsidentenamt verkündet. Als Reformer und Bewahrer will der 59-Jährige das Erfolgsmodell Olympia in die Zukunft führen. Mit dem Schritt, als Erster seine Ambitionen auf das wichtigste Amt im Weltsport öffentlich zu machen, hat der aktuelle IOC-Vizechef seinen Führungsanspruch demonstriert. "Das ist eine einmalige Gelegenheit, dem Sport vieles zurückzugeben. Das ist meine Motivation", sagte Bach am Donnerstag in Frankfurt.

Wahl am 10. September

Der Wirtschaftsanwalt ist vorsichtig optimistisch, hat aber schwer berechenbare Gegner. "Man kandidiert, um dann im Wahlkampf auch erfolgreich zu sein. Dem gehört meine ganze Konzentration", erklärte Bach. Die 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird am 10. September in Buenos Aires entscheiden, wer als neunter IOC-Präsident die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge antritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erfreut über die Nachricht. Merkel schätze Bach, sagte eine Regierungssprecherin. "Die Bundeskanzlerin begrüßt seine Kandidatur sehr und wünscht ihm Erfolg." Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stellte fest: "Kaum jemand vereint so viel Erfahrung als Sportler wie als Sportfunktionär auf sich."

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gratulierte Bach zu dessen Schritt: "Für den gesamten deutschen Sport wäre es ein Zeichen größter Anerkennung, sollte er an die Spitze des IOC gewählt werden." FIFA-Boss Joseph Blatter lobte den Mut des Franken. "Das ist taktisch ein guter Schritt. Man muss Courage haben, sich in einem Wahlkampf als Erster darzustellen. Das finde ich gut", sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes.

Traditionelle olympische Werte

Sein Wahlprogramm will Bach bei der offiziellen Abgabe seiner Kandidatur in etwa vier Wochen vorstellen. Bisher hat sich der einflussreiche Netzwerker als Vertreter der traditionellen olympischen Werte positioniert. Wie er den Ringe-Zirkel zukunftsfähig machen will, offenbarte Bach in einem Schreiben an die IOC-Mitglieder. Darin teilte er seinen Kollegen mit, er wolle die olympische Bewegung mit dem Prinzip "Einheit in Vielfalt" stärken und voranbringen. Seine vielbeachtete Grundsatzrede, die er zu diesem Thema beim olympischen Kongress 2009 in Kopenhagen gehalten hatte, legte der Stratege als Dokument bei.

Bach will das sportliche Weltparlament für Diskussionen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur öffnen. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) steht für eine Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf, eine Modernisierung des Olympia-Programms, eine Reform der Jugendspiele und eine Eindämmung des Gigantismus, mit der das Problem der sinkenden Zahl olympischer Bewerberstädte gelöst werden soll.

Olympia-Gold 1976

Nach seinem Olympia-Gold 1976 mit der Florett-Mannschaft hat der Multifunktionär seit seiner Aufnahme ins IOC 15 Jahre später durch verschiedene Rollen praktisch alle Facetten des Premiumprodukts Olympia kennengelernt. Als Vorsitzender der Juristischen Kommission und Chef der Disziplinarkammer bei Olympischen Spielen ist Bach längst ein unentbehrlicher Zuarbeiter für Rogge. Bereits dreimal wurde er zum IOC-Vize gewählt. Jetzt will er ganz nach oben.

"Der Sport und die olympische Idee haben mein Leben geprägt. Dieses Wissen lehrt mich Respekt und Demut vor dem Amt des IOC-Präsidenten", sagte Bach. Gleichzeitig fühle er sich "durch meine verschiedenen beruflichen Aktivitäten selbstbewusst, gut ausgebildet zu sein in Internationalem Management und Menschenführung in den Bereichen Sport, Politik, Wirtschaft, Recht und Gesellschaft", so Bach in seiner schriftlichen Botschaft an seine IOC-Mitstreiter.

Sein vermeintlich härtester Rivale im Ringen um den begehrten Posten, Richard Carrion, will seine Kandidatur zeitnah ebenfalls bekanntgeben. Der 60-jährige Banker aus Puerto Rico, Direktor der Finanz-Kommission im IOC und damit wichtigster Geldbeschaffer für Rogge, hat für die Olympier den Rekord-TV-Deal mit dem US-Giganten NBC über 4,382 Milliarden Dollar für die Spiele 2014 und 2016 ausgehandelt - über das Geld hinaus äußert er sich aber selten zur olympischen Politik.

Neben Carrion werden als ernstzunehmende Konkurrenten Ser Miang Ng aus Singapur, Organisator Ex-Chef der ersten Jugendspiele und großer Hoffnungsträger der aufstrebenden Sportmacht Asien, der ukrainische Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka und die Schweizer IOC-Granden Rene Fasel, Chef der olympischen Wintersportverbände, und Denis Oswald, langjähriger Anführer der olympischen Sommersportverbände, gehandelt. Nur einmal in seiner Historie wurde das IOC von einem Nicht-Europäer angeführt - von 1952 bis 1972 vom US-Amerikaner Avery Brundage. Allerdings stellte sich das IOC in seiner 119-Jährigen Geschichte bei Abstimmungen oft genug als undurchschaubar dar. (APA/dpa, 09.05.2013)

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