Spiel der vergebenen Chancen gegen Deutsche

9. Mai 2013, 16:49
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Beim 0:2 am Mittwoch Österreich in Gruppe H die große Chance auf den vorzeitigen Klassenerhalt

Helsinki - Es war ein Spiel der vergebenen Chancen. Österreichs Eishockeyteam hat im vierten WM-Match zu Helsinki die dritte Niederlage erlitten, das 0:2 (0:0, 0:1, 0:1) am Mittwoch gegen Deutschland tat aber ganz besonders weh. Die Österreicher gaben einen spielerisch ebenbürtigen Gegner ab, schafften es aber trotz vieler Möglichkeiten nicht, die Scheibe im Kasten unterzubringen. Den Deutschen ist im elften WM-Duell bei drei Remis der fünfte Erfolg gelungen, Österreich hatte quasi den Ausgleich auf dem Schläger, hält aber weiterhin bei drei WM-Siegen. Nicht zuletzt hat sich Deutschland für die gegen Österreich verpasste Olympia-Qualifikation revanchiert.

Die Österreicher waren, anders als gegen Frankreich und Lettland, gut in die Partie gestartet. Schon nach 28 Sekunden vergab Leksands-Legionär Raffl die erste große Chance, als er allein auf den deutschen Goalie Rob Zepp zog, aber die Scheibe am Tor vorbeischob. Buffalo-Stürmer Vanek und Herburger scheiterten doppelt (5.), nach zwölf Minuten ließ Österreich ein knapp einminütiges 5:3-Überzahlspiel ungenützt. Noch im Finish des ersten Drittels fanden Raffl und Schumnig weitere Möglichkeiten vor.

Dramatisch veränderte Effizienz

Nach drei Spieltagen hatte die Statistik das Team Austria in punkto Effizienz als fünftbestes WM-Team ausgewiesen, jeder achte Schuss der Österreicher war im gegnerischen Tor gelandet. Das änderte sich am Mittwoch dramatisch. Auch das zweite Drittel begann mit österreichischen Chancen durch Latusa (25.) und Hundertpfund (26.), dann fanden die Deutschen etwas besser ins Spiel, das insgesamt verflachte. Der einzige Höhepunkt war ein deutscher: Mannheim-Stürmer Marcus Kink nahm sich ein Herz, zog zwischen zwei Österreichern durch und allein auf Goalie Bernhard Starkbaum, der ihm ebenfalls nicht gewachsen war – 1:0 für Deutschland (38.). Eine Minute später verhinderte die Latte eine höhere deutsche Führung.

Die Deutschen wurden immer sicherer, die Österreicher mühten sich, doch sie mühten sich vergeblich. Wieder einmal, auch im Schlussdrittel, offenbarte sich speziell das Powerplay als Schwäche. Im Finish, schon in Überzahl, nahm Teamchef Viveiros noch den Goalie vom Eis, doch auch die 6:4-Überzahl brachte nichts. Im Gegenteil, Deutschland bekam noch einen "technischen Treffer" zum 2:0-Endstand zuerkannt, da Österreich in der Empty-Net-Phase mit einem Foul ein Gegentor verhindert hatte. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagte Viveiros wenig später. "Aber ich bin auch stolz darauf, wie die Mannschaft gespielt hat. Man darf nicht vergessen, es war unser viertes Spiel binnen fünf Tagen. Und am Ende hat man schon gesehen, dass wir müde waren."

Eine Rechenaufgabe

Somit beginnt wohl das große österreichische Zittern um den Klassenerhalt, und mit dem Zittern beginnt das Rechnen. Der Sieg vom Dienstag gegen Lettland könnte Österreich schon reichen, wenn die Letten nicht ihrerseits plötzlich in Fahrt kommen und beispielsweise gegen Deutschland und Frankreich mehr als drei Zähler einfahren. Gelingt Lettland ein Sieg über Frankreich und sonst nichts, wäre Österreich aus dem Schneider, weil es gegen Frankreich mit zwei Toren Differenz verloren, aber die Letten mit drei Toren Differenz geschlagen hat.

"Wir rechnen uns in jeder Partie etwas aus", sagt Vanek. "Wir werden in jeder Partie zu Chancen kommen, wir müssen sie nur nützen. Unser Powerplay muss besser werden, wir brauchen mehr Tore." Das gilt vielleicht insbesondere fürs Spiel gegen die Slowakei am Freitag (15.15 Uhr). Den Slowaken, die am Donnerstagabend noch gegen Lettland spielen, könnte die Spritzigkeit abgehen, so lautet eine Hoffnung. Ansonsten spielt Österreich noch gegen Gastgeber Finnland (Samstag) und Russland (Montag), da wäre ein Punktezuwachs schon eine große Überraschung. (Fritz Neumann aus Helsinki, derStandard.at, 08.05.2013)

Österreich - Deutschland 0:2 (0:0,0:1,0:1)
Helsinki, Hartwall-Arena, 6.820, SR Bulanow (RUS)/Croft (USA).

Tore: Kink (38., 60./technisches Tor/empty net)
Strafminuten: 8 bzw. 16.

Österreich: Starkbaum - Unterluggauer, F. Iberer; A. Lakos, Pöck; Schumnig, R. Lukas; Altmann - Latusa, Koch, Vanek; Hundertpfund, Herburger, M. Raffl; Peintner, Oberkofler, Baumgartner; Krislter, Schuller, Welser; M. Iberer

Deutschland: Zepp - Ehrhoff, Ankert; N. Goc, Müller; Baxmann, Hördler; Krueger - Rankel, Schütz, M. Goc; Wolf, Ullmann, Gogulla; Kink, Tripp, Y. Seidenberg; Greilinger, Hager, Pietta; Mauer

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    Für Österreich könnte es eng werden.

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    Deutschlands Goalie Rob Zepp machte den österreichischen Stürmern das Leben schwer.

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