Im Reich des Kapitäns

10. Mai 2013, 16:11
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Wer wohnt hier? Was gibt es hier alles zu bestaunen? Und: Wer räumt hier auf? Ein Kinderzimmergespräch mit Franz, sechs Jahre

Das größere Kinderzimmer habe ich schon zwei Jahre. Hier schlafe ich und spiele ich, wenn ich nicht in die Schule gehe. Wenn meine Freundin Emma bei mir übernachtet, dann ziehen wir eine Matratze unter meinem Bett heraus. Meistens spielen wir mit den Musikinstrumenten (Gitarre, Tamburin, Xylofon) und verkleiden uns (öffnet die Verkleidungskiste und zeigt alles her): Das Schwert ist aus der Frucht eines Flammenbaums geschnitzt, ein schönes Seidentuch (mit der Aufschrift "Western Australia"), mein Bootsfahrerhut, ein goldener Haarreifen, den trägt aber immer nur die Emma. Ich sammle auch Boote (stehen alle auf seinem Sideboard).

Das Geschnitzte aus Holz mit den fünf Figuren ist von den Kapverden, wo ich mit Mama und Papa schon war. Dafür musste ich lange sparen, und am Ende unserer Reise konnte ich es endlich kaufen. Das Piratenschiff ist von meiner Oma, bekommen habe ich es zu Weihnachten, als ich noch fünf war. Die Gondel haben mir Mama und Papa mitgebracht, als sie einmal allein weg waren. Da steht auch noch mein Wal zum Spielen im Wasser.

Lego, Playmobil, Krimskrams

Es ist nicht immer so aufgeräumt wie heute. Beim Aufräumen hilft mir die Mama. Hier im Regal wird alles geordnet: eine Spiele-Kiste, eine Lego-Kiste, eine Playmobil- und eine Krimskrams-Kiste, Arztkoffer, Matador. Bei uns gibt es eine Regel: Am Tag bevor die Putzfrau kommt, soll ich aufräumen. Sonst muss es, wenn viel herumliegt, nur eine Schneise zu meinem Bett geben, damit niemand stolpert. Das ist mir schon passiert, in der Nacht auf dem Weg zum Klo. Meine Kleider sind im Schubladenkasten. Ich will immer nur die Kurzarmleiberln anziehen, aber das erlaubt meine Mama nicht. Auf meinem Schreibtisch mache ich nie Hausübungen, die mache ich in der Schule. Das ist praktisch, dass ich hier nur spiele. Da kann man raufklettern und runterspringen. Schau, ich kann fliegen (und hüpft vom Schreibtisch wieder runter).

Hier habe ich auch Stifte und Bastelzeug und eine Kiste mit Schätzen. Da kommt alles rein, was wir draußen in der Natur finden: selbstabgebauter Eisenglimmer, Halbedelsteine, ein Krickerl ... In meinem Setzkasten an der Wand sammle ich alles, was nicht aus der Natur kommt: den Fimo-Hund, einen Holzigel, den ich in der Schule gemacht habe, eine Uhr. Dann gibt es noch eine Kiste mit Spielgeld. Ich habe auch einen Schatzsack mit alten Schilling-Münzen. Das ist super zum Bankräuber- und Cowboy-Spielen. Im Bett hier liegen meine Lieblingstiere: Die "Robbi" und die "große Robbi". "Kuschlflauschi" (ein Schaffell) liegt immer am Fußende vom Bett. Am Kopfende steht mein CD-Player, wo ich CDs hören kann. Ich habe eine Kiste voll. 

Das beste Versteck ist das Bücherregal

Am liebsten höre ich "Wieso? Weshalb? Warum?", aber auch Jim Knopf und meine Vogelstimmen-CD, zum Spielen oder wenn Mama und Papa am Wochenende ein ihren Mittagsschlaf machen. Um sieben (Uhr abends) darf ich mir immer "Yakari, den kleinen Indianer" im Fernsehen anschauen. Aber nach dem Zähneputzen gibt es noch eine Geschichte. Gerade lesen wir den Kleinen Nick. Das Bild über meinem Bett, da weiß ich nicht, von wem das ist. Das kleine Ölbild daneben ist ein Segelschiff (hängt direkt auf seiner Augenhöhe), das habe ich bei meiner Oma gemalt. Das an der anderen Wand hat die Oma für mich gemalt, weil ich Fische so gern habe. Die Bilder, die ich super finde, hänge ich selber auf. An die Wand beim Bücherregal darf ich hängen und hinpicken, was ich will. Das unterste Bücherregal (es ist leer) ist das allerbeste Versteck, da verschwindet man einfach. (Mia Eidlhuber, Family, DER STANDARD, 10.5.2013)

  • In seinem Kinderzimmer ist er Kapitän. Franz hat nicht nur einen Seefahrerhut, er sammelt auch Boote.

    In seinem Kinderzimmer ist er Kapitän. Franz hat nicht nur einen Seefahrerhut, er sammelt auch Boote.

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