Nicht alle Fonds feiern Euro-Erholung

8. Mai 2013, 17:51
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Die Anleihenmärkte in Spanien und Italien spüren Rückenwind von der EZB. Manche Fondsmanager haben die Bewegung verpasst

Die Anleihenmärkte in Spanien und Italien spüren massiven Rückenwind von der Europäischen Zentralbank. Eine Reihe von Fondsmanagern hat davon profitiert, viele haben die Bewegung verpasst.

An den Finanzmärkten kann es schnell gehen. In acht Wochen sind die Zinsen für Spanien und Italien um fast einen Prozentpunkt gefallen. Von akuter Finanzierungskrise in den beiden großen Ländern der Eurozone kann daher keine Rede mehr sein. Die Renditen der zweijährigen Anleihen sind sogar unter die Marke von 1,6 Prozent gefallen.

Fallende Zinsen bei Staatsanleihen

Die gefallenen Renditen bedeuten, dass einige Fondsmanager in den vergangenen Monaten kräftig verdient haben. Denn fallende Zinsen bei Staatsanleihen bedeuten steigende Kurse. Tatsächlich zeigen Lipper-Daten, die derstandard.at vorliegen, dass eine Reihe von Euro-Staatsanleihen-Fonds seit der viel zitierten Rede von EZB-Chef Mario Draghi im Juli 2012 ("Die EZB wird alles tun") hohe Renditen erzielt haben – wohlgemerkt in einem ansonsten sehr lauen Zinsumfeld.

Während der durchschnittliche Staatsanleihen-Fonds in der Eurozone seit Juli 2012 gerade einmal 4,2 Prozent verdient hat, haben immerhin 22 der 70 Fonds in der Vergleichgruppe mehr als sieben Prozent verdient. Ein Blick in die Factsheets dieser Fonds zeigt: sie haben kräftig in Italien und Spanien veranlagt. So hat etwa die DWS in ihren Invest Euro Bonds Premium mehr als 58 Prozent des Kundengeldes in die beiden Länder investiert. Dafür hat der Fonds auch eine zweistellige Rendite in den vergangenen acht Monaten erwirtschaftet.

Ein Blick auf die passiven Indexprodukte zeigt, dass die Fondsmanager sich durchaus schwer getan haben in der Eurokrise. Acht Prozent hat der Index gemacht, mit einem ETF etwa aus dem Hause iShares oder db x-trackers haben Anleger zwischen 7,5 und acht Prozent verdient. Das konnten – nach Kosten – gerade einmal neun aktive Fondsmanager schlagen. Denn offenbar haben eine Reihe von ihnen die Erholung bei Euro-Peripheriepapieren verschlafen. Im passiven Index sind etwas mehr als ein Drittel in Spanien und Italien veranlagt, je nach Indexanbieter (etwa iBoxx oder Barclays) schwankt dieser Wert.

Probleme nicht ausgeräumt

Nun könnte man argumentieren, dass die vergangenen acht Monate besonders schwierig waren. Denn so manche Fondsgesellschaft hatte aus guten Gründen Skrupel, in Peripherie-Anleihen zu investieren, als die Kunden sehr risikoscheu waren. Doch auch auf Sicht von drei Jahren (als die Eurokrise 2010 mit Griechenland voll losging) bleiben die aktiven Fonds deutlich hinter den breiten Indizes zurück. Der Vergleich macht sicher: ein Plus von 17,5 Prozent beim Index, der durchschnittliche Fonds liegt nur bei einem Plus von 13,5 Prozent. Acht von 61 Fonds mit Drei-Jahres-Erträgen lagen über dem Index.

Wie geht es nun also weiter? Noch im März waren internationale Investoren wie Pimco von den hohen Renditen in Italien und Spanien verzückt. Andrew Balls, der Europa-Chef des Anleihen-Hauses Pimco, lobte die spanischen und italienischen Anleihenmärkte, weil sie "relativ gesehen Mehrwert gegenüber anderen Märkten bieten." Doch vor zwei Wochen haben die US-Amerikaner ihre Positionen teilweise abgestoßen (WSJ).

Denn die fundamentalen Probleme sind nach wie vor nicht ausgeräumt. Wenn in den kommenden Wochen wieder die Bedenken zunehmen, könnte sich ein Teil der Erholung in Luft auflösen. Zwar können die Renditen vom aktuellen Niveau (vier Prozent in Spanien und 3,7 in Italien für zehnjährige Papiere) noch weiter zurückgehen, aber zweistellige Kapitalgewinne wie in den vergangenen Monaten sind unwahrscheinlicher geworden. (Lukas Sustala, derStandard.at, 8.5.2013)

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