Wie Frauen im Beruf erfolgreich werden

8. Mai 2013, 14:11
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Die deutsche Bundeskanzlerin lud rund 100 Spitzenmanagerinnen ins Kanzleramt, um über Frauenquoten und Berufschancen zu diskutieren - Opposition spricht von Wahlkampfmanöver

Berlin - Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Unternehmen aufgefordert, Frauen in Führungspositionen stärker zu fördern. Auch in mittleren Führungsebenen müsse darauf geschaut werden, dass "mehr Frauen in Verantwortung sind", sagte Merkel am Dienstag bei einer Diskussionsrunde mit rund 100 Spitzenmanagerinnen. Es gehe um "gleiche Chancen bei gleicher Qualifikation", sagte sie mit Blick auf die häufig sogar besseren Abschlüsse von Mädchen und Frauen. In den vergangenen Jahren seien die Fortschritte bei dem Versuch, mehr Frauen in Spitzenjobs zu bringen, "eher mager" gewesen.

Voraussetzungen für Erfolg

Merkel diskutierte mit mehr als 70 Managerinnen, darunter auch Vorstände und Aufsichtsrätinnen, sowie etwa 30 weiblichen Nachwuchskräften vor allem aus mathematisch-technischen Disziplinen über die Gründe und Voraussetzungen für Erfolg im Beruf. Die Kanzlerin verwies in der Gesprächsrunde auf die Bemühungen der Bundesregierung, die Unternehmen dazu zu bewegen, eigene Vorgaben für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungsjobs vorzulegen. Dadurch ergebe sich "ein Stück mehr Verbindlichkeit".

An einer Karriere interessierten Frauen empfahl die Kanzlerin auch, sich besser untereinander zu vernetzen: "Ich habe noch kein Männer-Netzwerk gesehen, das sagt, wir müssen uns dringend auch für Frauen öffnen." Es sei aber zugleich auch wichtig, mit Männern darüber zu diskutieren, wie tradierte Rollenbilder in der Gesellschaft durchbrochen werden könnten.

Betreuungsgeld und Ehegatten-Splitting "sein lassen"

In der Diskussion wurde auch Kritik an der Familienpolitik der schwarz-gelben Bundesregierung laut, vor allem was die Beibehaltung der steuerlichen Förderung der Ehe und die Einführung des Betreuungsgeldes betrifft. "Die Politik sollte alles sein lassen, was traditionelle Rollenbilder festlegt", sagte etwa die Vorstandschefin des Stahlunternehmens SKW, Ines Kolmsee. Die Chefin der Agentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen, Christiane Schönefeld, forderte die Bundesregierung auf, die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen und Kinderfrauen zu verbessern. Gerade Frauen in Führungspositionen seien auf solche Unterstützung angewiesen.

SPD sieht bei Treffen "Heuchelei" am Werk

Die Opposition kritisierte das Treffen als Wahlkampfmanöver: SPD-Vize Manuela Schwesig bezeichnete es als "heuchlerisch, dass die Kanzlerin heute warme Worte an Führungsfrauen richtet, nachdem sie vor nur zwei Wochen die Einführung einer Frauenquote verhindert hat". Die Bundesregierung tue "nichts für Frauen".

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt erklärte, ein freundlicher Händedruck der Kanzlerin bringe die Frauen nicht weiter. Gegen die "verfestigten Männerstrukturen" auf Führungsebenen helfe nur eine gesetzliche Frauenquote.

Merkel steht Frauenquoten kritisch gegenüber, erkennt diese inzwischen jedoch als einen Weg an, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. In der nächsten Legislaturperiode will sie sich für eine Regelung einsetzen, wonach ab 2020 in Aufsichtsräten 30 Prozent Frauen vertreten sein sollen. (APA, 8.5.2013)

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    Zum Abschluss der Konferenz in Berlin: Gruppenbild mit Kanzlerin.

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