Papamonat und Elternteilzeit: Vier Protokolle aus der Praxis

Porträt8. Mai 2013, 18:40
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Freiwilliger Papamonat und Mamas, die in Elternteilzeit gehen: Vier Protokolle zeigen, wie Karenzzeiten in Österreich in der Praxis aussehen

"Ein Kind stellt das ganze Leben auf den Kopf, zu zweit ist es leichter, sich darauf einzustellen", sagt Christoph Hatschek, 38 Jahre, stellvertretender Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums:

"Dass ich bei der Geburt dabei sein und darüber hinaus eine Zeit lang zu Hause Unterstützung für meine Frau sein will, stand für mich immer fest. Vom Papamonat habe ich nur zufällig (einen Tag vor Ablauf der Frist) im Internet erfahren. Man muss sich nämlich drei Monate vor der Geburt eines Kindes dafür anmelden. Letztendlich war ich zwei Monate in Karenz und habe zusätzlich noch zwei Wochen des unbezahlten Papamonats in Anspruch genommen. Der finanzielle Aspekt ist bei der Karenz natürlich immer ein Thema, gerade als Jungfamilie.

Da ich in einer Führungsposition arbeite, habe ich mich im Vorhinein mit meinem Direktor abgesprochen. Wir bauen für 2014 (100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs) ein Viertel des Museums um. Im Sommer 2012 war noch etwas Luft, so konnte ich problemlos in Karenz gehen.

Ich bin meiner Direktion dankbar, die mich unterstützt und beruflich freigespielt hat. Außerdem ist man nicht ganz aus der Welt. Bei wichtigen Fragen war ich während der Karenzzeit telefonisch oder per Mail zu erreichen. Das ist aber kaum vorgekommen. Im Bekanntenkreis wird mir vorgehalten, dass es in einem staatlichen Betrieb einfacher sei, in Karenz zu gehen, als in der Privatwirtschaft. Ich bin der Meinung, dass jeder in gewisser Hinsicht ersetzbar ist. Man könnte auch krank werden, auch das muss ein Unternehmen verkraften.

In der Führungsetage bin ich im Betrieb noch die Ausnahme, auf Mitarbeiterebene gibt es bereits einige Väter, die in Karenz gegangen sind, und das, obwohl uns ohnehin ein Drittel an Mitarbeitern fehlt, die wir aufgrund des Aufnahmestopps derzeit nicht nachbesetzen können.

Ein Kind stellt das ganze Leben auf den Kopf. Zu zweit ist es leichter, sich auf diese neue Situation umzustellen. Ich würde jedem Vater raten, in Karenz zu gehen, weil es viel bringt für die Beziehung zum Kind, aber auch zur Frau. Es muss für jeden möglich sein, zumindest für zwei Wochen zu Hause als Unterstützung da zu sein. Mehr als eine Unterstützung ist man ohnehin nicht: Das meiste dreht sich um die Mama, das ist der wahre 24-Stunden-Job."

Christoph Hatschek mit seinem Sohn im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.

Doris Maier, freischaffende Architektin und Malerin, 40 Jahre:

"Ich habe drei Töchter, die jüngste wurde 2010 geboren. Bis zur ersten Schwangerschaft habe ich bei einem Architekten auf Werkvertragsbasis gearbeitet. Pro Kind war ich je 20 Monate in Karenz. Mein Mann konnte leider nicht in Karenz gehen, weil er in einer Führungsposition arbeitet. Er konnte beim ersten Kind nicht einmal bei der Geburt dabei sein.

Mit der Zeit habe ich angefangen, die Kinder tageweise in Betreuung zu geben und selbstständig Architekturentwürfe zu machen. Mittlerweile arbeite ich maximal zehn Stunden pro Woche. Die Arbeit lässt sich gut von zu Hause aus machen. Zudem ist Malen meine Leidenschaft. Vor kurzem hatte ich eine Ausstellung, woraus sich einige Aufträge ergeben haben. Ich hab verschiedene kleine Projekte, bei denen ich dazuverdiene, aber leider alle nicht sozial abgesichert.

Ich möchte bald wieder mehr arbeiten. Aber für mich ist der Gedanke schwer, die Kinder sich selbst zu überlassen. Momentan sind meine Kinder bis Mittag im Kindergarten. Schön wäre es, wenn Karenzzeit auch für die Pension anerkannt würde. Schließlich arbeite ich, wenn ich mich zu Hause um die Kinder kümmere. Letztes Jahr gab es eine Plakataktion der SPÖ mit dem Motto "Halbtagsjob heißt auch halbe Pension". Es wird also auch von Frauen gefordert, dass sie Vollzeit arbeiten. Wie soll das gehen, wenn man Kinder hat? Es lastet ein enormer Druck auf Müttern, arbeiten zu müssen. Aber wenn ich meine Kinder tagsüber fremdbetreuen lassen würde, weiß ich nicht, ob die dort angelächelt oder in den Arm genommen werden. Als Mutter zu Hause zu sein ist Luxus, dafür verzichten wir als Familie auf andere Dinge wie große Urlaube."

Mario Harler, Sachbearbeiter bei Volkswagen, 41 Jahre:

"Bei meinem ersten Sohn (heute 16) hat es die Möglichkeit einer Väterkarenz noch nicht gegeben. Da musste ich durcharbeiten. Als meine Frau vor zweieinhalb Jahren unser zweites Kind bekommen hat, wollte ich unbedingt in Karenz gehen. Meine Frau und ich haben uns für das "20 plus 4"-Modell entschieden, bei dem sie 20 Monate in Karenz geht und ich weitere vier. Das hat gepasst, weil ich finde, dass ein Kind zwei Jahre zu Hause sein sollte.

Die Karenzzeit war für uns finanziell eine Herausforderung. Ich habe ungefähr 600 Euro pro Monat bekommen. Da meine Frau nach der Karenz in Teilzeit gegangen ist, war es doppelt hart. Vier Monate waren machbar, länger wäre das nicht gegangen.

Sich um den Kleinen zu kümmern war kein Problem. Ich bin heute älter und an Erziehung interessierter. Ich habe versucht, die Zeit so intensiv wie möglich zu nutzen.

Ich würde anderen Vätern raten, in Karenz zu gehen. Man ist dann nicht derjenige, der in der Früh geht, wenn das Kind noch schläft, und nach Hause kommt, wenn das Kind schon wieder schläft. Man erlebt die Entwicklung des Kindes ganz anders .

Meine Firma hat sofort das Okay gegeben. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so problemlos geht. Ich war in meiner Firma der erste Mann, der in Karenz gegangen ist. Nach vier Monaten wieder in den Beruf einzusteigen war eine Umstellung, aber keine tragische, weil ich nicht lange weg war. Ich war schnell wieder eingearbeitet. Mir hat geholfen, dass ich über den Wiener Arbeitnehmerinnen-Förderungsfonds während der Karenz Weiterbildungskurse machen konnte. Meine Überlegung war, nach der Karenz meine Position in der Firma zu verbessern. Der Waff hat mir alle Kosten gezahlt. Das war für mich eine einzige Erfolgsstory."

Hanna Huemer, Personalabteilung der Bawag PSK, 29 Jahre:

"Nach der Geburt meines Sohnes im Oktober 2010 bin ich ein Jahr lang in Karenz gegangen. Geplant waren eigentlich anderthalb Jahre, aber als in der Firma zufällig eine Stelle frei wurde, die man mir anbot, kam mir das sehr gelegen. Ich muss zugeben, zu Hause ist mir nach einem Jahr fast schon ein bisschen fad geworden.

Ich war allein in Karenz, weil mein Lebensgefährte noch studiert und sich das nicht ausgegangen ist. Er hat aber trotzdem ein bisschen zu Hause mitgeholfen.

Jetzt arbeite ich nach wie vor in Elternteilzeit. Bei mir sind es momentan 25 Stunden, auf jeweils fünf Stunden pro Wochentag verteilt. Mein Kind wird währenddessen in einer Kinderkrippe betreut. Bis vor kurzem hat er noch den Betriebskindergarten besucht, was natürlich praktisch war, weil ich ihn von der Arbeit immer direkt abholen konnte. Durch unseren Umzug mussten wir ihn in einen anderen Kindergarten geben, weil der Anfahrtsweg zu weit wurde.

Meine Elternteilzeit läuft noch bis 2014, also bis mein Kind vier Jahre alt sein wird. Dann werde ich wieder 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Ich rate auf jeden Fall allen Müttern und Vätern, während der Karenz den Kontakt zum Arbeitgeber zu halten. Also sich hin und wieder mit Vorgesetzten zu treffen, um auf dem Laufenden zu bleiben und sich zu erkundigen, wie man nach der Karenz wieder gut in den Beruf einsteigen kann.

Ich glaube, dass meine Reintegration gut gelungen ist, weil ich auch in Teilzeit einen herausfordernden Job bekommen habe, was ja auch nicht immer ganz leicht ist. Gerade wenn man unter 20 Stunden arbeitet, wird es schwierig, einen spannenden Job zu finden." (Fabian Kretschmer, Family, DER STANDARD, 10.5.2013)

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