Forscher: Manche unserer Wörter wurzeln in der Eiszeit

9. Mai 2013, 11:28
76 Postings

Evolutionsbiologe: "Linguistische Halbwertszeit von 10.000 oder mehr Jahren"

Washington - Bei der Rekonstruktion ausgestorbener "Ursprachen" muss man vorsichtig sein, dennoch lehnen sich britische Forscher mit einer aktuellen Studie weit aus dem Fenster: Sie glauben, dass schon vor 15.000 Jahren einige "ultrakonservierte" Wörter benutzt wurden, die auch heute noch verständlich wären. Die Studie wurde in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Science" veröffentlicht.

Ultrakonservierte Wörter

Einige sehr häufig gebrauchte Wörter seien wahrscheinlich über Jahrtausende unverändert geblieben, sagte der Hauptautor der Studie, der Evolutionsbiologe Mark Pagel von der Universität Reading. "Wir fanden heraus, dass Zahlwörter, Pronomen und bestimmte Adverbien sehr viel langsamer ersetzt werden, sie haben eine linguistische Halbwertszeit von 10.000 oder mehr Jahren", sagte Pagel.

Alltägliche Wörter wie "ich", "ihr", "wir" oder "Mann" haben demnach dieselbe Bedeutung und werden nahezu gleich ausgesprochen wie vor tausenden Jahren. Für ihre Studie führten die Forscher eine statistische Erhebung sogenannter Kognaten durch, also Wörtern, die sich aus demselben Ursprungswort entwickelt haben. Dabei schälten sie eine Kerngruppe von 23 Wörtern heraus, die oft verwendet werden und ihren Pendants in den verschiedensten Sprachen ähneln.

Suche nach den Wurzeln

Im vergangenen Jahrhundert wurde die Verwandtschaft der indoeuropäischen Sprachen - von keltischen Sprachen im äußersten Westen Europas bis zu  Hindi-Urdu und Bengali in Indien - rekonstruiert. Das "Urindogermanisch" dürfte mindestens 5.000 bis 6.000 Jahre alt sein. Pagel und seine Kollegen glauben aber, noch sehr viel älteren Verwandtschaften auf der Spur zu sein.

Die Forscher gehen davon aus, dass mindestens sieben eurasische Sprachfamilien aus einer gemeinsamen Ursprungs-Sprache hervorgegangen sind: Neben indogermanischen Sprachen unter anderem auch altaische Sprachen (beispielsweise Türkisch oder Mongolisch), aber auch Inuit-Sprachen. Das Verbreitungsgebiet dieser von ihnen als "Eurasiatisch" bezeichneten Sprach-Superfamilie würde mehr oder weniger die gesamte Nordhalbkugel umfassen.

Pagel spricht davon, dass sein Modell auf eine Gruppe von Menschen hindeutet, die im Süden Europas am Rande der sich zurückziehenden Gletscher lebten und eine Sprache verwendeten, die in den heutigen - mittlerweile stark voneinander abweichenden - Sprachen noch nachklinge. (APA/red, derStandard.at, 9. 5. 2013)

Share if you care.